Einige Predigten

13.10.2001 Leben ist Veränderung

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir haben Bilder gesehen und Texte gehört.
Es waren schnelle Bilder, viel ist dort passiert, alles ändert sich.
Das Universum entwickelt sich, die Natur verändert sich, die Jahreszeiten sind ein stetiger Wechsel ....
Der Mensch ändert sich, das persönliche Umfeld, das Arbeitsleben ....

Alles ändert sich, alles ist im Wandel. Wie sollen wir da mithalten, wollen wir überhaupt mithalten? Oder können wir ohne Wandel, ohne Veränderung gar nicht sein?

Der Großvater meines Mannes war Wagenmacher, jemand der Pferdewagen herstellt – wer kennt heute noch Pferdewagen im Stadtbild.
Ich arbeite sehr viel am und mit dem Computer, wie kann ich der Generation meiner Großeltern verständlich machen, was ich da tue?

Ist das alles eigentlich eher gut oder eher schlecht?

Auf der einen Seiten ist Veränderung unheimlich spannend – wenn man mitkommt!
Ich finde es toll neue Dinge zu erfahren, zu lernen und zu tun, ich finde es spannend, wenn sich Dinge verändern. Aber in meinem Umfeld, da sollte sich nicht zu viel verändern. Ich möchte, wenn ich in einem Stadtteil ein paar Wochen oder Monate nicht gewesen bin, noch die Chance haben mich durchzufinden. Ich möchte bei einem Einkauf in meinem Stammgeschäft wissen, wo ich was zu suchen habe – und bin nicht so begeistert, wenn alles umgeräumt wird. Ich möchte die Menschen kennen, mit denen ich es zu tun habe! Ich möchte zwar neuen Menschen begegnen, Menschen neu kennenlernen, aber ich mag keine Abschiede ...... Und vor allem möchte ich in allem was ich tue nicht gezwungen sein, ständig weiterzulernen, ich möchte das Tempo selbst bestimmen können.....

So geht es sicher vielen, und wenn ich mich an Gespräche erinnere, besonders älteren Menschen. Veränderung ist dann gut und angenehm, wenn es Vorteile bringt. Aber in dem Moment wo die Veränderung Kraft, Einsatz, Umstellung, Engagement erfordert, kann jeder nur eine bestimmte Menge an Veränderung vertragen.

Etwas neues Ja, alles neu, bitte nicht. Veränderung, aber bitte laßt mich das Tempo selbst bestimmen!

Geht das, können wir das Tempo, in dem das Leben um uns her sich ändert und verändert selbst bestimmen?

Wohl kaum! Die Jahreszeiten kommen und vergehen, ohne dass wir Einfluß darauf haben. Wir werden älter, hier tut etwas weh, dort fällt etwas schwerer und wir haben keinen Einfluß.
In unserem Umfeld wird gebaut und abgerissen, Bekannte ziehen weg, Fremde ziehen her und wir haben keinen Einfluß .....
In unseren Berufen bestimmen andere das Tempo mit dem sich alles entwickelt, mit dem unser Wissen und Können veraltet und wir müssen rennen, laufen und uns nach den Vorgaben strecken und haben keinen Einfluß darauf.

In unserem Video waren einige Bilder von Philosophen aus dem alten Griechenland. Ich weiß nicht mehr so genau welcher Philosoph es gesagt hat, aber ein Lehrsatz hieß „Panta re“ alles fließt, alles verändert sich, alles wandelt sich.

Wirklich alles?

Haben wir nichts, was Bestand hat? Nichts was bleibt, keine unveränderlichen Gewißheiten?

Was ist eigentlich mit Gott, was ist mit unserem Glauben, unseren Gottesdiensten?

Auf der einen Seite wir: Unser Glaube, auch hier Veränderung: Es gibt Zeiten, da fällt es mir leicht zu glauben, da stehe ich ohne Mühe fest zu Gott, und dann gibt es Zeiten, da muß ich kämpfen oder entferne mich sogar weit.

Auch die Art wie wir Gottesdienst feiern ändert sich, der Gottesdienst wird moderner, wir nutzen Ideen und Möglichkeiten aus der heutigen Zeit, singen neue Lieder, haben neue Ideen.

Auf der anderen Seite Gott – wie ist es hier mit Veränderung?

Wenn wir Gott anbeten, wenn wir Gott feiern, egal wie wir ihn feiern, eines sollte immer gleich sein - ER ist der Mittelpunkt, wir feiern mit ihm, zu ihm hin, von ihm und für ihn.

Und ER selbst? Ändert ER sich, wenn wir uns ändern?

Wenn wir die Bibel lesen, handelt und spricht Gott dort. Was steht hier zu Veränderungen:

Wie steht Gott der Herr dazu, wenn wir uns schwer tun, an ihn zu glauben und seine Gebote zu halten?

Schon ganz früh im alten Testament im 8. Kapitel des ersten Buches Mose nach der Sintflut äußert Gott sich dazu (Vers 21b und 22)
1Mo 8,21 Ich will fortan die Erde nicht mehr verfluchen um des Menschen willen, wiewohl das Dichten des menschlichen Herzens böse ist von seiner Jugend an; auch will ich fortan nicht mehr alles Lebendige schlagen, wie ich getan habe.
1Mo 8,22 Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht!

Hier haben wir eine erste Gewißheit, auch wenn wir uns ändern und wankelmütig werden, Gott wird die Erde nicht anhalten, den Fortlauf der Natur und der Jahreszeiten nicht ändern, um uns zu bestrafen!

Hey, Predigerin, gibst Du es noch immer nicht auf, willst Du uns wirklich noch diesen Gott verkaufen? Mensch, Dein Angebot ist veraltet. Die Welt hat sich verändert. Wir brauchen nicht mehr die Geschichten aus 1001 Nacht, in der den israelitischen Nomaden das Märchen erzählt wird von dem Gott der im Sandkasten Menschen baut!

Meinst Du wirklich? Brauchen wir Gott nicht, brauchen wir diesen Gott nicht?

Wir sehen die Bilder, alles verändert sich, alles wandelt sich, der Mensch rennt dem Wandel, der Veränderung hinterher.
Aber die Menschen wirken nicht so, als ob Glaube, als ob Gott sich überholt hätte.
Hör Dich doch mal um, wie viele verschiedene Sekten gibt es, denen die Menschen hinterher rennen. Wie viele Menschen halten sich an eine westlich modische Kopie des Buddhismus oder an andere, heute moderne Glaubensrichtungen? Wie viele Menschen suchen ihr Heil in Aberglauben, Magie, Hexerei, Esoterik?
Hört sich das so an, als ob Glauben veraltet wäre? All diese Menschen suchen doch und weil sie nicht finden oder nicht das Richtige finden, suchen sie morgen wieder woanders.
Pythagoras sagte einmal: Gebt mir einen festen Punkt, dann kann ich die Welt aus den Angeln heben! Diese Menschen, die suchen doch, die suchen doch den einen festen Punkt in ihrem Leben.
Durch alle Zeiten gibt Gott sein festes Versprechen: Abraham bekommt die Zusage, seine Nachkommen werden das Land auf ewig besitzenJesus verheißt uns, bei seinem Abschied:
„Ich bin bei Euch alle Tage, bis an das Ende der Welt“

Bei Gott ist also Sicherheit, Garantie! Hier können wir uns verlassen. Hier gibt es keine Veränderung, Gott ist kein Freund, der bei der ersten Enttäuschung geht, und nie wieder von sich hören läßt. Gott hält sein Versprechen, Gott bleibt uns treu. Gott gibt uns seine Gnade!
Ungeachtet dessen was wir sind und was wir tun. Hier ist keine Veränderung, hier ist Sicherheit.
Ach Predigerin, das ist doch schön und gut, aber wir brauchen wirklich keinen Gott mehr, wir sind doch selbst Götter geworden. Unsere Technik entwickelt sich so schnell, dass Krankheiten von gestern keine Rolle mehr spielen. Wir fliegen bald zu den sTernen, wir sprechen mit jedem Menschen über das Internet, wir können demnächst ewiges Leben schaffen, weil wir eigene Ersatzorgane züchten werden und wenn es uns Spaß macht, schaffen wir Menschen, in dem wir uns selber klonen.
Findest Du das gut?
Hört sich das nicht so an, als Du einem Kind ein zerlegtes Auto gibst ohne Bauanleitung und sagst: Bau es zusammen und Dich dann in das fertige Fahrzeug setzt und mit Höchstgeschwindigkeit losfährst – ohne auf Sicherheit zu achten.
Mehr können wir sowieso nicht als das, was es bereits gibt neu zusammensetzen. Klonen ist doch keine Erschaffung von Leben, Klonen ist nur eine Kopie. Erschaffen hat der Mensch noch nie Leben. Selbst die Wissenschaftler, die die Ursuppe nachkochten, bekamen zwar einzelne Eiweiße, die selbst entstanden, aber keine einzige lebendige Zelle ließ sich nachbauen. Leben konnte und kann der Mensch mit all seinem Wissen und seiner Technik nicht erschaffen, das soll er auch nicht! Und die Spielerei mit dem Bausatz Leben den menschlichen Genomen ohne Sinn und Verstand, versuchen wir es mal, wird schon nicht schiefgehen, das ist gefährlich. Mag der Mensch die Krankheiten von Gestern damit ausrotten, welche Krankheiten für morgen werden aus seinem Baukasten kommen?
Mensch Predigerin,
wenn Ihr nicht mehr weiterkommt, dann werdet ihr moralisch. Wem schadet es denn, wenn wir unsere Kenntnisse in der Genetik verantwortungsvoll nutzen. Das schafft doch erst Lebensqualität! Und wenn ein paar Menschen sich nicht in die Gesellschaft anpassen wollen, was solls. Alte Penner, die auf der Strecke bleiben, hat es immer gegeben.

Und genau da tritt Gott in Aktion. Er schenkt uns ewiges Leben, Veränderung, Entwicklung ohne das jemand auf der Strecke bleibt.

Er kennt jeden von, egal wo wir uns vor ihm verstecken wollen, egal wer wir sind und wie wir sind. Er weiß wie wir sein sollen in seiner Schöpfung. Keiner ist ihm unwichtig odr fern, jeder ist sein Kind, wo immer wer immer und wie immer er auch sei:

Ps 139,9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
Ps 139,10 so würde auch daselbst deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten!
Ps 139,11 Spräche ich: «Finsternis möge mich überfallen und das Licht zur Nacht werden um mich her!»,
Ps 139,12 so ist auch die Finsternis nicht finster für dich, und die Nacht leuchtet wie der Tag; Finsternis ist wie das Licht. -
Ps 139,13 Denn du hast meine Nieren geschaffen, du wobest mich in meiner Mutter Schoß.
Ps 139,14 Ich danke dir, daß du mich wunderbar gemacht hast; wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt das wohl!

In Gott haben wir einen festen, unwandelbaren Punkt, in Gott haben wir Sicherheit in aller Veränderung.

Und der Friede Gottes .....

Amen


Frühling

Frühling, Gottes Ja zum Leben!

Es wird wieder Frühling, es wird wärmer, die ersten Knospen sind zu sehen, die ersten Halme schauen aus der Erde! Es wird wieder Frühling! Der Winter geht so langsam zu Ende. Es wird wieder Frühling! Ein Gefühl des Aufbruchs!

Zu dieser Zeit haben viele von uns wieder die starke Sehnsucht nach Wärme, nach Sonne, nach den ersten Blüten und den Farben der Natur. Ist jedes Jahr wieder schön zu sehen wie alles neu anfängt!

Ich mag auch den Winter, aber spätestens im Februar habe ich dann irgendwann genug davon. Den Winter hat sogar keine eigenen Farben, die Natur sieht zu kahl und leer aus. Aber der Frühling, im Frühling grünt und blüht alles, im Frühling werden die meisten Tierkinder geboren. Die Ernte im Herbst, das ist eher etwas für die, die in der Natur arbeiten. Seit wir unsere Lebensmittel von überall her in der Welt bekommen, ist der Herbst nicht mehr ganz so wichtig. Aber der Frühling, Neubeginn, aufblühen, Wärme!

Der Frühling, das ist für mich immer wieder ein Bild von Gottes Schöpfung. Der Frühling, das es für mich immer wieder ein ganz kleines Bild, wie es damals ausgesehen haben kann. Damals, als es das erste Mal grün wurde. Wenn man mit einem kleinen Kind spazieren geht, und die ersten Knospen wachsen, dann braucht man für den gleichen Weg viel viel länger als sonst. Kleine Kinder begrüßen jede einzelne Knospe als kleines Wunder! Wir sind groß und vernünftiger geworden, wir freuen uns noch, aber wir jubeln nicht mehr so laut. Ist das wirklich vernünftiger? Ist es nicht vielmehr so, als ob wir den Frühling zu selbstverständlich nehmen? Er kommt jedes Jahr, jedes Jahr wieder ein neuer Frühling.
Jeder Biologe, kann uns erklären, daß am Frühling nichts Wunderbares, nichts Außergewöhnliches ist, aber dennoch jedes Jahr erwarten wir das Ende des Winters mit einer gewissen Sehnsucht. Sieh mal, da blüht es schon, schaut dort, die ersten Knospen. Hast du die Weidenkätzchen gesehen? In keiner anderen Jahreszeit weist einer den anderen so oft darauf hin was dort Neues geschieht. Sind wir im Herzen vielleicht doch noch wie die Kinder? Sehen wir nicht irgendwo tief im Innern doch noch genau wie sie das Wunder der Schöpfung in jeder Blüte, in jeder Knospe, in jedem Keim? Verstehen wir vielleicht doch noch, wie sie, daß der Frühling und jedes Jahr wieder neu das Wunder der Schöpfung zeigt?

Lange Jahre hatte ich einen kurzen Text am Spiegel; es stand auf dem Zettel: der Frühling ist Gottes Art zu sagen, versuchen wir es noch einmal. Jeden Morgen habe ich diesen Zettel automatisch gelesen, und ob ich wollte oder nicht, der Tag war gleich ein wenig positiver.

Gott sagt uns im Frühling Ja, er sagt versuchen wir es noch mal. Gott zeigt uns im Frühling mit jeder Blume, mit jeder Knospe, mit jedem Keim, ich bin da! Und es ist ein Bild, für das ich keine Auslegung, keine Predigt, keine Kirche brauche. Auch Menschen, denen all dieses fehlt, sehen das Blühen und Grünen.

Aber der Frühling, ist viel mehr als nur die Blume, die Knospe, der Neubeginn der Schöpfung. Der Frühling ist nicht nur Gottes Aussage: naja, probieren des noch einmal!

Nein, wir haben nicht nur die Schöpfung, mitten im Frühling liegt Ostern! Ostern, ist das Ausrufezeichen hinter unseren Sätzen zum Frühling. Der Frühling, Gottes Ja zum Leben - Ostern, im Herz des Frühlings, unterstreicht dieses Ja! Der Frühling zeigt uns, zeigt jedem von uns, Gott ist da! Wie wunderbar hat er die Welt gemacht, wie wunderbar ist jeder Blüte, ist jedes Tierkind, ist jedes Baby, ist jeder Neubeginn. Gott hat alles so schön gemacht, Gott macht alles wieder so schön wie den Frühling Neu und Jesus, der für unsere Sünden bezahlt hat, ist das große ist das vollkommene Ja Gottes zu uns!

Aber was soll dieser ganze Blödsinn, egal ob es Gott gibt oder nicht, egal ob es Ostern gibt oder nicht, der Frühling, der kommt sowieso!

Vielleicht ist der Frühling, auch nur eine Lehre, genauer hin zu sehen! Ich habe da eine kleine Geschichte gelesen, die hierzu recht gut paßt.
Ein reisende Wissenschaftler, hatte einmal keine andere Möglichkeit, als in einem Kloster zu übernachten. Beim Abendbrot, als alle zusammen saßen, fragte er den Mönch neben sich: Warum betest du eigentlich zu Gott? Hast ihn schon jemals gesehen, betastet, gefühlt? Der Mönch antwortete nein. Darauf der Wissenschaftler dann bist du ein Narr!
Am nächsten Morgen, stand die Wissenschaftler mit eben jenem zum Abschied an der Klosterpforte. Ach, sagte der Wissenschaftler überrascht, hier scheint heute nacht ein Pferd vorbei gelaufen zu sein. Der Mönch schmunzelte: Haben sie es gesehen, betastet, gefühlt?
Nein. Dann sind sie aber ein sonderbarer Gelehrter! Aber man sieht doch dort drüben die Fußspuren! Da wies der Mönch auf die blühenden Obstbäume und die grünen Wiesen, und sagte: Und dort, sehen sie die Fußspuren Gottes!

Frühling, Gottes Fußspuren im Jahr, Gottes Ja zum Leben, Gottes Ja zu jedem von uns!


08.09.2002 Qual der Wahl

Liebe Schwestern und Brüder,
die Qual der Wahl, alle vier Jahre oder für immer und ewig?
Spätestens alle vier Jahre wird uns die Qual der Wahl richtig bewusst, denn dann wird der neue Bundestag gewählt. Wir können als Bürger mit entscheiden, wie die Politik unseres Landes aussehen soll, welche Ideen wir für die Besten halten. Wir haben eben schon in dem Streitgespräch gehört, man kann da sehr unterschiedlicher Meinung sein, und so haben wir wieder die Qual der Wahl, weil viele Aussagen von Politikern sich ähneln, weil so mancher Politiker dem Bürger nach dem Munde redet, um dann, wenn er endlich gewählt ist, etwas ganz anderes zu tun, als er versprochen hat.
Viele Wähler resignieren bei dieser Situation und wählen dann überhaupt nicht mehr. Weil sie meinen, dass alle Parteien den gleichen Blödsinn machen. Diese Wähler scheuen das Risiko enttäuscht zu werden und enttäuschen sich dadurch immer wieder selbst. Denn wenn ich nicht mitwähle, kann ich überhaupt nicht mehr mitreden. Ich gebe mein letztes Quäntchen Entscheidungsgewalt auf. Auch wenn dies mir im ersten Moment als Befreiung vorkommt, werde ich mich doch im Endeffekt über mich selbst ärgern, weil ich nicht den Mut zur eigenen Entscheidung hatte. Wählen ist meine Möglichkeit mitzureden und es gibt bei allen Vorbehalten immer Unterschiede zwischen den Parteien und es gibt in allen Parteien noch immer ehrliche und bemühte Politiker, die wirklich etwas für den Wähler tun wollen. Wir übersehen diese aufrechten Politiker zu leicht, weil die Skandale und Fehlleistungen viel leichter zu erkennen sind und auch von der Presse viel besser verkauft werden. Es ist hier wie in allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft. Fehler, Schwächen, Versagen und andere Unzulänglichkeiten lassen sich besser verkaufen, weil die meisten Menschen am liebsten über die Fehler der anderen herziehen um damit von der eigenen Unzulänglichkeit abzulenken. Allerdings, ganz so neu ist diese Methode auch nicht, denn Jesus sagt schon in Matth.7, Vers 3: „Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge und siehst nicht den Balken in deinem eigenen Auge?“ Das Hecheln und Hetzen gegen andere existiert also schon seit mindestens 2000 Jahren, wahrscheinlich sogar so lange es uns Menschen gibt!
Deshalb ist diese Wahlsituation in der Politik, wie sie bei allen Wahlen, sei es Landtags-, Kommunal-, Europa- oder Bundestagswahl erlebt wird, eine willkommene Ablenkung von unserer eigenen Unzulänglichkeit und unser aller Scheu vor Entscheidungen. Wir regen uns über Politiker auf, aber nicht nur über die auch über Wirtschaftsbosse, über unseren Nachbarn, über unsere Pfarrer, Lehrer, und, und, und.....
Wir regen uns auf und tun selbst so wenig. Im kleinen erleben wir es in der Familie, in der Gemeinde, im Freundeskreis. Wir stehen vor Entscheidungen und diskutieren alle erdenklichen Eventualitäten durch, um am Ende festzustellen, dass es besser ist, nicht zu entscheiden. Schon im kleinen Scheitern wir an der Qual der Wahl.
Warum ist das so? Warum fällt es uns oft so schwer zu entscheiden?
Vielleicht, weil jede Entscheidung wirklich Qual ist, bei der ich etwas aufgeben muss, mit einer lieben Gewohnheit brechen muss, auf etwas verzichten muss! Vielleicht liegt es aber auch daran, dass jede Entscheidung mich auch immer wieder in neue Bereiche führt, wo ich nicht weiß, wie es weitergeht. Ob diese Entscheidung sich für mich als positiv oder negativ zeigen wird. Wählen bedeutet in erster Linie etwas auswählen, mich für etwas entscheiden und damit verbunden auch immer gegen etwas zu entscheiden. Es gibt keine Wahl ohne Aufgabe von Möglichkeiten.
Vielleicht einige Beispiele aus dem Kleinen:
1. Ich rauche und möchte gesund alt werden. Die Wahlentscheidung bedeutet: ich rauche weiter und nehme in Kauf nicht gesund alt zu werden. Oder ich entscheide mich gesund alt zu werden, also höre ich auf zu rauchen.
2. Ich fahre gerne schnell Auto und möchte etwas für die Umwelt tun. Die Wahlentscheidung hierzu ist: ich fahre gerne schnell Auto und nehme dafür in Kauf, dass die Umwelt geschädigt wird. Oder, ich schütze die Umwelt und verzichte auf schnelle Autos, besser noch ich fahre gar nicht mehr Auto.
3. Ich möchte frei und unabhängig sein und ein sicheres Einkommen haben. Die Wahlentscheidung: ich möchte frei und unabhängig sein, also mache ich mich am besten selbständig und entscheide über das, was ich tue und wann ich es tue. Damit verzichte ich auf ein regelmäßiges gleichmäßiges Einkommen. Oder ich möchte ein sicheres Einkommen haben, dafür muss ich selbst zurückstecken mich anstellen oder besser beamten lassen und das tun, was die Vorgesetzten sagen, an dem Ort und zu der Zeit den die Firma mir vorschreibt.
Sie sehen, die Qual der Wahl ist der Verzicht auf eine oder mehrere Optionen zu Gunsten einer klaren Entscheidungen, von der ich mir etwas Positives für mich selbst erhoffe, dieses Positive wird mir aber nicht garantiert wird.
Vielleicht verstehen Sie jetzt, wieso so viele Menschen sich vor der Wahl drücken, sie wollen einfach nicht den Verzicht einer Möglichkeit. Sie denken, wenn sie keine Wahl treffen, dann können Sie alle Möglichkeiten nutzen. Aber dies ist ein Irrweg. Denn in dem Jagen nach allen Möglichkeiten werde ich immer unzufriedener, weil ich im tiefsten Inneren spüre, dass ich zerrissen bin, aber nicht den Mut zum Ausbruch finde.
Menschen, die sich nicht entscheiden können, sind häufig missmutig und nörgeln an allem und jedem herum. Hingegen unter den Menschen, die Entscheidungen treffen, werde ich hingegen häufig Menschen finden, die glücklich und zufrieden sind und zwar nicht, weil sie vielleicht besonders angesehen oder bewundert oder reich sind. Nein, einfach weil mit dem Ausschließen von Optionen sich immer wieder neue Möglichkeiten für mein Leben auftun und das Leben immer spannend bleibt, weil es sich stets verändert. Die Qual der Wahl bedeutet in letzter Konsequenz Leben oder Tod wählen. Denn wenn ich mich nicht mehr entscheide und nur noch dem üblichen Trott nachgehe, dann bin ich ein lebender Toter, der zwar atmet, sich bewegt, der aber nicht sein Potenzial ausschöpft. Atmen und Bewegen ist nicht alles, man muß dabei auch geistig leben.
Hingegen, wenn ich täglich in jedem Moment meines Lebens Entscheidungen treffe, etwas wage, voranschreite, dann fange ich richtig an zu leben und nutze den Tag. Ich lebe dann wirklich und das zählt!. Sie haben heute schon eine Entscheidung getroffen, indem sie sich gegen den bequemen Fernsehsessel und für die harte Kirchenbank entschieden haben. Wenn sie sich jetzt auch dafür entscheiden sich nicht mehr vor der Wahl zu drücken, egal welche es ist, dann entscheiden Sie sich für das wirkliche Leben. Leben aus der Fülle ihrer eigenen Möglichkeiten. Wählen Sie und leben Sie in ihrem gewöhnlichen Umfeld und auch in der Politik. Sie werden sich in jedem Fall besser fühlen!
Paulus hat dies in wenigen Worten am Ende des ersten Kapitel des Thessalonicher-Briefes zusammengefasst. Dort steht im 5. Kapitel im 21. Vers: Prüft alles, und behaltet das Gute!
Dieser eine Satz sagt alles. Wählen bedeutet eine Situation mit ihren Möglichkeiten zu prüfen und mich dann für das Gute zu entscheiden. Für das, was ich in dem Moment für das Gute halte und wenn ich mich dabei einmal verkehrt entscheide, dann habe ich noch immer die Möglichkeit meine Entscheidung später erneut zu treffen, wenn ich merke, dass ich auf dem Holzweg bin. Wenn ich mich aber nicht entscheide, dann kann ich auch niemals das Gute genießen. Aber Paulus hat gesagt "Prüfet alles". Um etwas zu prüfen, brauche ich eine Richtschnur, an der ich alles messen kann.
Eine Richtschnur, aber woher weiß ich, dass diese Richtschnur in Ordnung ist?
Eine Möglichkeit dafür hat Jesus uns genannt. Bei Matthäus steht sie in Kapitel 6 Vers 33: "Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird Euch alles andere zufallen".
„Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit ...“ Das Reich Gottes, wir haben das eben schon gehört, Friede gehört dazu, Akzeptanz des Anderen, liebevoll miteinander umgehen. Das bedeutet, dass ich die Bibel ernst nehme, die Aussagen Jesu für mich akzeptiere und somit versuche in allen meinen Entscheidungen auch Gott und meinen Mitmenschen im Auge habe. Ich versuche nicht nur meinen Vorteil zu finden, sondern sehe auch die Konsequenzen für meine Mitmenschen.
„dann wird auch alles andere zufallen“: Wenn ich meine Entscheidungen so treffen, dann werden meine Mitmenschen nicht verletzt, wenn ich sie bei der Entscheidung berücksichtige, also haben auch meine Mitmenschen keinen Grund mehr zurückzuschlagen. Ich vermeide somit Konflikte und damit wird es mir auch leichter fallen meine Entscheidungen umzusetzen.
Aber Vorsicht! Hier ist eine Falle!
Es wird nicht: „Friede, Freude, Eierkuchen“ verlangt, sondern die Suche nach Gottes Gerechtigkeit und dies bedeutet, dass ich auch konsequent sein muß, genauso, wie Gott konsequent ist. Ich kann es nicht allen Recht machen. Ich soll mich aber für die Option entscheiden, die richtig ist. Die ich in diesem Moment an der Richtschnur als die Richtige erkannt habe Also muß ich meine Entscheidung in Liebe und Güte erklären, aber dabei bleiben, damit ich ehrlich bin. Wenn ich dies offen tue, ist es wieder die Entscheidung meines Mitmenschen sich über mich zu ärgern oder nicht.
Gehen wir wieder zurück zur Grundaussage:
"Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, dann wird Euch alles andere zufallen".
Klar ist, wenn ich diese Richtschnur für meine Entscheidungen nehmen möchte, dann muss ich erst einmal eine Wahl treffen. Ich muss ja dazu sagen, dass Gott der allmächtige Schöpfer ist, der unfehlbar ist. Unfehlbar als Richtschnur für Güte und Gerechtigkeit steht, für alles, was diese Welt ausmacht. Entscheide ich mich dafür, dann nehme ich seine Unfehlbarkeit als mein Kriterium und entscheide mich damit auch für meine Freiheit, die Gott mir durch seinen Sohn geschenkt hat. Dies ist eine wahrhaft grundlegende Entscheidung, die aber zu einem Leben voller Abenteuer und Spannung führt.
Eine Qual der Wahl, die sich lohnt, denn die Option bedeutet erfülltes Leben in Freude und das für alle Ewigkeit.
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen


12.01.2003 Entscheidung

Ich kann, ich will, ich werde, so ist das Motto unserer Zeit. Das amerikanische Marketing hat das uns vorgemacht, ich kann alles erreichen, wenn ich es nur will, meine Arbeit tue, Abstriche machen, bei den Dingen, die mich von meinem Ziel abhalten. Nicht nach links oder rechts sehe, sondern nur von Teilziel zu Teilziel auf das große Ziel hinarbeite.
Ich kann, ich will, ich werde ist bis zu einem gewissen Grad wirklich eine Hilfe, sogar eine Notwendigkeit, aber immer mehr Menschen übertreiben dies. Sie jagen von Ziel zu Ziel ohne auf andere Menschen, ihre Familie und sich selbst zu achten. Nur die eigenen Ziele oder noch schlimmer die antrainierten Ziele zählen. Auch bei den guten Vorsätzen spiegelt sich diese Entwicklung wieder. Wie sahen früher gute Vorsätze aus? Der Mensch wollte schlechte Eigenschaften reduzieren oder ganz ablegen: " ich höre auf zu rauchen " - " ich streite weniger " - " ich kümmere mich häufiger um andere Menschen " - " ich möchte abnehmen ".
Heute verändern sich auch diese guten Vorsätze. So will etwa nicht der Übergewichtige abnehmen, sondern beeinflusst von Werbung und Medien versuchen schlanke Menschen noch schlanker zu werden und hungern oder setzten sich psychisch so unter Druck, dass sie an Magersucht oder Bullimie erkranken.
Andere Vorsätze sind berufliche Erfolge, die ohne Gedanken an andere verwirklicht werden sollen.
Immer mehr Menschen neigen dazu sich nach Trends zu orientieren und so zu leben, wie es " in " ist. Viele von ihnen merken dabei gar nicht mehr, wie sie fremdbestimmt werden. Sie geben sich Vorsätze oder streben Ziele an, die gar nicht ihre eigenen sind. Diese Entwicklung ist nicht neu, aber immer mehr Menschen verhalten sich entsprechend.
Vor Jahren ist folgende Geschichte als Spiegel für dieses Verhalten entwickelt worden. Sie handelt von einem reichen Amerikaner, der eines Morgens auf einen griechischen Fischer trifft. Zur Überraschung des Amerikaners sitzt der Fischer schon vormittags am Strand. Deshalb fragte er diesen, ob er keine Arbeit habe, da er so faul herum sitzt. Der Fischer erwidert, dass er Arbeit habe, aber diese schon erledigt sei. Diese Reaktion ist für den Amerikaner der Startschuss für einen kurzen Vortrag über amerikanisches Marketing. Er sagt dem Fischer, dass er doch viel besser noch einmal zum fischen heraus fahren solle und wenn er statt einem Fang dann drei oder vier am Tag machen würde, könnte er sich bald ein größeres Schiff leisten; noch später hätte er dann eine eigene Fangflotte und könnte selbst an Land bleiben und das Leben genießen. Stolz geschwellt wartet der Amerikaner auf die Reaktion des Fischers auf seinen Vortrag, der diesen jetzt ja aus seiner Lethargie reißen muss. Schockierenderweise antwortet der Fischer ganz schlicht und einfach: warum soll ich denn jahrelang diese viele Arbeit tun, um dann das Gleiche zu haben, was ich jetzt schon habe nämlich nach dem morgendlichen Fang das Leben zu genießen?
Der Fischer hat es auf den Punkt gebracht. Das Ziel sollte nicht sein, Karriere um jeden Preis zu machen oder den eigenen Körper zu traktieren um vorgegebenen Trends zu entsprechen. Das Ziel sollte sein, auf die eigene Seele zu hören und der Seele Zeit zur Erholung zu geben, sie baumeln zu lassen.
Wie heißt es in der Genesis? " Gott schuf den Menschen und er schuf sie als Mann und Frau und siehe es war sehr gut. "
Jeder Einzelne ist so wie er oder sie ist, wertvoll und von Gott geliebt, weil jeder in seiner Art einzigartig perfekt ist. Mit seinem Aussehen, seinen Fähigkeiten. Gott nimmt jeden von uns an. So wie wir sind, ohne wenn uns aber. Wir brauchen keine Idealfigur, kein hetzen und jagen nach Anerkennung und Karriere, wir müssen keinem Trend entsprechen, wir müssen weder in noch on sein. Wir dürfen einfach nur auf unsere Seele hören und so in uns selbst ruhen. Das heißt nicht, dass wir gar nichts tun sollen, auch der Fischer vorhin hat sein Tagwerk vollbracht und erst dann die Seele baumeln lassen. Er hat aber für sich die Entscheidung getroffen, was genügt und wann er sich entspannen will.
In diesem Sinne können und sollen wir gute Vorsätze und auch Ziele haben, aber es sollten unsere sein und die innere Harmonie sollte nicht darunter leiden. Wenn wir so mit unseren Vorsätzen umgehen, ergibt sich der nächste Punkt ganz automatisch, wir nehmen auch Rücksicht auf unsere Mitmenschen. Wir jagen nicht Zielen nach, ohne darauf zu achten, wen wir dabei überrollen, sondern wir achten auf den Kollegen, den Nachbarn. Die Devise heißt miteinander und nicht gegeneinander. Dies alles hat Jesus in ganz einfachen Worten zusammengefasst: " Liebe deinen Nächsten wie dich selbst "
Wenn ich meinen Nächsten liebe, dann nehme ich ihn an, wie er ist. Mit seinem Aussehen, seinem Charakter, mit allen Fähigkeiten und Schwächen, aber annehmen heißt auch, ihn nicht in seinen Schwächen allein lassen. Wenn ich merke, dass ein Mitmensch durch ein bestimmtes Verhalten immer wieder Probleme bekommt, dann ist es ein Zeichen der Liebe, wenn ich ihn auf diese Schwäche aufmerksam mache und ihm helfe sich zu ändern. Genauso ist es mit seiner Gesundheit: Wenn ich merke, dass er sich überfordert, oder aus anderen Gründen ungesund lebt, ist es meine Aufgabe der Nächstenliebe ihm Auswege aus diesem Verhalten zu zeigen. Auch mein eigenes Verhalten soll ich an der Liebe messen. Ich darf Karriere machen, alles erreichen, aber die Liebe sagt mir, dass ich auf meine Mitmenschen achten muss und auch ihre Interessen berücksichtige. Ich kann nicht durch Mobbing oder andere Rücksichtslosigkeit eine Karriere machen. Wenn ich dies tue, dann werde ich eines Tages feststellen, dass ich zwar auf dem Gipfel des Erfolges bin, aber dass ich dort ganz allein bin. Oder umgeben von falschen Freunden, die mich ausnutzen. Bisher sprachen wir nur von der Nächstenliebe. Jesus sagte aber: wie dich selbst. Dies wird oft so ausgelegt, dass Jesus meinte, wir sollen unseren Nächsten lieben, wie wir auch uns selbst lieben. Diese Auslegung halte ich für falsch, genau andersherum ist es richtig. Liebe deinen Nächsten und auch dich selbst. Wer ist denn mein größter Kritiker, wer nörgelt denn ständig an mir herum und möchte mich noch perfekter machen; wer erwartet von mir, dass ich Fehler vermeide und wer trägt mir meine Fehler und Blamagen nach? Das ist nicht der Kollege, das ist nicht der Freund, die Eltern, die Ehefrau, der Ehemann, das ist schon gar nicht Gott: ich selbst bin es. Jeder von uns ist in der Lage mit Leichtigkeit zu lernen seine Mitmenschen zu lieben und ihnen den größten Blödsinn zu verzeihen, aber jeder der ehrlich zu sich ist, muss zugeben dass er sich die kleinsten eigenen Schwächen unendlich übel nimmt. Ich fühle mich blamiert, getadelt, bloßgestellt durch eigene Dummheit, wenn die Mitmenschen noch nicht gemerkt haben, dass ich etwas verkehrt gemacht habe.
Hier müssen wir ansetzen! Wir müssen uns selbst lieben! In gewisser Weise einen gesunden Egoismus entwickeln, dann ruhen wir in uns selbst und aus dieser Selbstsicherheit heraus haben wir keine Berührungsängste, keine Probleme auf andere zuzu gehen und ihnen zu helfen. Gerade in der heutigen Zeit der Fremdbestimmung durch Medien und sonstige Interessengruppen sollten wir endlich wieder damit beginnen uns selbst zu lieben, damit wir dem Ellenbogensystem den Kampf mit Liebe ansagen können. Ein wirklich guter Vorsatz wäre: " ich liebe mich ab sofort selbst, so wie ich bin und aus dieser Liebe heraus liebe ich auch meinen Nächsten." Mit jedem Menschen, den ich aus dieser Eigenliebe heraus erreiche und infiziere, wird das sinnlose hetzen und jagen unserer Zeit ein bisschen mehr untergehen und dies ist ein wirklich großes und schönes Ziel.Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.


17.03.2002 Krone der Schöpfung

Liebe Schwestern und Brüder
wir haben viel gehört, Verheißungen und Zusagen Gottes, Kommentare der Bibel, Argumente aus der Kirchengeschichte!
Es kamen dabei zwei Sichtweisen zu Tage: die eine sagt: Gott hat alles vorher bestimmt und der Mensch kann nichts tun als sich fügen. Die andere sagt: der Mensch ist als Denkendes Wesen geschaffen und kann eigene Entscheidungen treffen. Wer hat nun recht? Ich glaube bis zu einem gewissen Grade beide Meinungen. Wie hieß es doch im Schöpfungsbericht: Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn und erschuf sie als Mann und Frau. Das Volk Israel verstand dies damals so, dass Gott den Menschen von der Gestalt her so schuf wie Gott. Heute wissen wir, dass wir unter dem "Schaffen nach seinem Bilde" viel mehr verstehen können. Wir können heute die Eigenschaften darunter verstehen, die uns Gott ähnlich machen und uns gleichzeitig vom Tier unterscheiden. Wir haben bewusste Gefühle. Wir können lachen oder weinen.. Wir können Lust empfinden genauso wie Frustration. Wir können bewußt lieben oder hassen. Vor allen Dingen aber haben wir ein Gehirn, dass sich denkend weiter entwickeln kann und dies auch soll. Dies ist von Gott so gewollt, denn er möchte, dass wir uns mit unsrer Welt und mit ihm auseinander setzen. Wir dürfen und sollen bewußt Handeln, auch wenn es gegen den Plan unseres Schöpfers geht. Gott hat uns in der Bibel viele Beispiele hinterlassen:
Sündenfall im Paradies Sodom und Gomorrah Sintflut Strafgerichte der Propheten und und und
Diese Beispiele sagen uns eins: der Mensch hat sich immer wieder frei entschieden. Entschieden auch gegen Gott. Gott hat immer wieder versucht die Schöpfung und somit auch das Handeln des Menschen positiv zu beeinflussen und der Mensch hat ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hatte Gott das nötig???
Nein, ganz bestimmt nicht! Deshalb hätte Gott uns Menschen schon vor Tausenden von Jahren aus dem Spiel, also aus der Schöpfung genommen, wenn wir nichts mehr als Marionetten wären. Dies hat er nicht getan, denn wir sind sein Gegenüber. Weil wir sein Gegenüber sind, nimmt er uns nicht einfach aus der Schöpfung, sondern gibt uns immer wieder einen Schuss vor den Bug, warnt uns und lehrt uns. Er behandelte uns als sein Gegenüber als eigenständige Persönlichkeit. Dieses Handeln Gottes hat Bruce Low am Ende seines Liedes "Noah" recht deutlich und humorvoll dargestellt, in dem er Gott sagen lässt: "Seid fruchtbar und mehrt Euch und reizt mich nicht."
Das heißt:" Mensch, du Mensch begreift doch, dass es wesentlich angenehmer für dich ist, mit mir zu leben als gegen mich!"
Genauso, wie wir Menschen lernen mussten, dass Gottes Weg der angenehmere ist, genauso musste auch Gott den Umgang mit seiner Schöpfung lernen, bis ihm klar war, dass der Mensch zu schwach ist, ein Leben nach Gottes Plan, in vollendeter Liebe zuführen. Gott wurde klar, dass nur er den Bund zwischen Geschöpf und Schöpfer schließen konnte. Dies tat er vor 2000 Jahren und dies gilt auch noch heute, durch seinen Sohn der uns zum einen noch einmal an unseren Auftrag als Geschöpf erinnert, aber gleichzeitig auch für uns die Schuld beglichen hat und uns wieder vor Gott zu Heiligen, also Heil gemacht hat.
Damit begannen für uns Menschen die eigentlichen Probleme. Denn es wurde plötzlich so entsetzlich einfach und deshalb so schwer zu Gott zu kommen. Plötzlich mussten keine Gesetze mehr erfüllt werden, es mussten keine besonderen Leistungen mehr gebracht werden nichts war mehr zu tun um zu Gott zukommen. Nichts außer dass eine kleine Wort: Ja zu sagen. Ja zu Christus. Ja zu der Gnade, die er uns geschenkt hat. Wir mussten und müssen also nur noch die Gnade Jesu annehmen und alles ist gut.
Das war uns nun doch zu einfach, also haben wir Christen wieder versucht uns zu Marionetten zu machen, bzw. Mächtige haben versucht im Namen Christi andere zu ihren Marionetten zumachen. Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten wurde das Christentum auch von Herrschenden vereinnahmt, die sicherlich zum Teil Gutes tun wollten, aber das Christentum auch dafür nutzten, ihre Stellung zu stabilisieren. Es kommt sicherlich nicht von ungefähr, dass ausgerechnet Kaiser Konstantin, also ein absoluter Herrscher seinerzeit, den Ruf: Kyrieleison, also das Herr erbarme dich, das die übliche Anrede des Volkes bei der Ankunft eines Fürsten war, in die Liturgie des Gottesdienstes aufnahm.
So wurde aus der geschenkten Gnade Christi wieder eine Gabe, die der Mensch, zumindest, wenn er Untertan war, sich selbst erarbeiten musste. So ging es im ganzen Mittelalter weiter. Für die Herrscher war das Christentum immer auch ein Mittel um ihre Herrschaft zu untermauern oder auch auszuweiten. Ob wir nun Karl den Großen nehmen, der die Sachsen unter Widukind vor die Wahl stellte, entweder seine christlichen Untertanen zu werden oder den Kopf zu verlieren. Oder ob wir die Könige des Abendlandes nehmen, die durchaus auch Machtinteressen hatten, für die Teilnahme an den Kreuzzügen.
Das Mittelalter zeigt immer wieder Herrscher, die im Namen Christi ihre Herrschaft manifestiert haben. Dies endete erst vor etwa 500 Jahren.
Zu diesem Zeitpunkt reichte es einem kleinen Mönch und er sagte Stop, so geht es nicht weiter. Wir müssen zurück zum Ursprung. Deshalb muß jeder Christ verstehen worum es bei unseren Glauben geht. Er übersetzte die Bibel und machte sie dadurch immer mehr Menschen zugänglich. Durch die immer weiter verbreitete Allgemeinbildung wurde im Verlauf der letzten 500 Jahre aus der Marionette des Mittelalters wieder der selbstständig denkende Mensch. Luthers Freiheit eines Christenmenschen bedeutete, dass der wieder frei war, die Herrscher von Gottes Wort her zusehen. Dass er sie hinterfragen durfte, wenn sie gegen Gottes Wort handelten und sich nicht hoffnungslos ihnen ergeben musste. Dieses Erbe hat Luther uns hinterlassen. Trotzdem verhalten wir uns heute noch oft so wie die unterdrückten Christen des Mittelalters. Anstatt dass wir die Verantwortung für unser Verhalten übernehmen, machen wir es uns leicht und geben Gott die Schuld für alles was schief geht. Egal ob Unfälle passieren, Terroranschläge, die Menschen töten oder wir Kriege führen. Wir jammern und fragen: wo ist Gott? Warum hat er uns verlassen? Was für ein Blödsinn! Gott ist immer bei uns. Er liebt uns und tröstet uns. Er ist uns sogar besonders nah, wenn es uns schlecht geht. Egal ob bei den Sterbenden im World Trade Center oder auf der Krebsstation oder bei einem Unfall..... im Unglück ist Christus bei den Opfern. Denn Gott wird ein Unglück niemals als Strafe, als Probe oder als Versuchung für uns benutzen. Im ersten Kapitel des Jakobusbriefs im Vers 13 steht: keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen: ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung.
Wenn wir in Not geraten, sollten wir lieber danach fragen, wo wir selbst diese Not mitverursacht haben. Wir sollten versuchen unser Leben so zu führen, dass wir nicht immer wieder in dieselbe Not geraten. In Vers 17 und 18 des ersten Kapitels des Jakobus Briefes heißt es weiter: "jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und keine Verfinsterung gibt. Aus freiem Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit geboren, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien." Wir sind also die Krone der Schöpfung. Wir sind deshalb auch als denkendes Gegenüber Gottes für unser Handeln verantwortlich. Wir dürfen aber auch lernen, wir dürfen unser Denken zum Nutzen von allen einsetzen und sollen dies auch tun. Wir dürfen auch die Bibel aus unserer Zeit heraus lesen und dabei unsere Erfahrung und unser Wissen, dass wir in Jahrtausenden erworben haben, einsetzen. Wir müssen nicht mehr an den Gott glauben, der die Welt gebastelt hat. Wir dürfen heute an den Gott glauben, der das Wunder vollbracht hat aus den Anfängen der Ursuppe heraus das denkende Wesen Mensch zu entwickeln.
Müssen wir mit dieser Erkenntnis jedes Wirken Gottes in unserem Leben ausschließen? Ist alles nur unser eigener Kampf? Nein! Eindeutig nein!
Denn wir haben die Möglichkeit Ja zu sagen zur Gnade Jesu. Wir können Ja sagen wie der Schächer am Kreuz, zu dem Jesus sagte: "heute noch wirst du mit mir im Paradiese seien." Jesus stellt sich uns zur Verfügung und indem wir unser Leben ihm übergeben hilft er uns auch unseren Weg zu finden. Wir können Ihn darum bitten. Er wird Ihn uns aber nicht aufzwingen. Deshalb werden wir Phasen erleben in denen wir wieder unseren eigenen Weg gehen. Als Christen können wir aber jeden Abschnitt unseres Lebensweges als Wendepunkt sehen, wo wir wieder nach Hinweisen auf Gottes Weg fragen. So gehen wir als Christen unseren eigenen Weg als Gottes Gegenüber und trotzdem Gottes Weg, in dem wir uns immer wieder führen lassen. Ich glaube nicht, dass Gott uns als Marionetten will, aber ich glaube dass Gott unseren eigenen Dickschädel dafür nutzen möchte, uns seinen Weg zuführen.
Und der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen in Christus Jesus Amen



Puppet on a String, d. h. Marionette. Sind wir Krone der Schöpfung oder Marionetten und was ist das eigentlich die Freiheit eines Christenmenschen? Diese Frage soll uns in unserem heutigen Gottesdienst Plus beschäftigen. Ich begrüße sie alle recht herzlich zu diesem Gottesdienst. Wir wollen diesen Gottesdienstes feiern im Namen Gottes des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herren der Himmel und Erde gemacht hat. Wir hörten eben schon einige Zitate aus der Bibel, die etwas über die Position von uns Menschen aussagten. Im Verlauf des Gottesdienstes wollen wir uns Gedanken darüber machen ob wirklich alles vorbestimmt ist oder ob wir selber unser Leben steuern. Wenn wir in der Geschichte zurückgehen, finden wir Beispiele für beide Sichtweisen. Wir finden Menschen die alles aufgaben und sich nur der Nachfolge Jesu widmeten, aber wir finden auch Menschen, die Jesus nach folgten und trotzdem an ihren eigenen Visionen arbeiteten. Nehmen wir als Beispiele nur Dietrich Bonnhoeffer vor, der voller Hingabe Jesus nachfolgte, aber es trotzdem vertreten konnte Hitler zu töten. Oder Martin Luther King, der Christus nachfolgte, aber auch für die gleichen Rechte aller Menschen kämpfte. Er tat dies mit absoluten Widerstand gegen den Staat. Es war zwar ein Kampf aber es war sein Kampf. Krone der Schöpfung oder Marionetten. Was sind wir wirklich?


13.04.03 Kann denn Krieg je Frieden bringen?

Liebe Schwestern und Brüder,
kann denn Krieg je Frieden bringen?
Als wir uns vor etwas mehr als einem Monat für dieses Thema entschieden haben, hatte der Krieg gegen den Irak noch nicht angefangen. Es bestand noch ein wenig Hoffnung, das mit den Waffeninspektionen und der schrittweisen Entwaffnung des Irak die Kriegsdrohungen Amerikas hinfällig würden. Als ich Ende der Woche noch einige letzte Plakate und Handzettel verteilte, sprachen mich Bekannte an: bis Sonntag hat sich das Thema doch erledigt, dann ist der Krieg doch vorbei!
Nein, dieser Gottesdienst hätte sich weder erledigt, wenn der Krieg zum Glück noch nicht oder gar nicht angefangen hätte, genauso wenig wie das Thema mit dem Ende eines Krieges erledigt wäre.
Ich möchte nicht nur diesen Krieg ansprechen und ich kann und werde keine einfachen Lösungen liefern. Ich möchte einige Verse aus diesem Buch als Ausgangspunkt nehmen und darüber hinaus das, was Jesus uns gelehrt hat zu diesem Thema in Beziehung bringen.
Es ist äußerst wichtig, dass wir als Christen klar darüber sprechen, wie wir Gottes Willen zu dieser Frage verstehen!
Wir haben etwas zu sagen, und wenn wir schweigen, reden andere umso lauter. Menschen, die politische Gründe anführen oder Überzeugungen und auch Menschen, die Argumente gefunden zu haben meinen, warum dieser oder ein anderer Krieg von Gott gewollt sein muss!
In der Bergpredigt finden sich die so genannten Seligpreisungen. Auch wenn nur zwei davon auf unser Thema zutreffen, möchte ich sie dennoch als Ganzes vorlesen - zu oft werden einzelne Verse aus dem Zusammenhang heraus zitiert und damit mit einer ganz neuen Bedeutung versehen.

Matthäus 5, 3-12
3
Er sagte:Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; / denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; / denn sie werden das Land erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; / denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; / denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; / denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; / denn sie werden Söhne und Töchter Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; / denn ihnen gehört das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Was sagt Gott hier durch Jesus zu Krieg und Frieden? Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Die höchste Ehre, der höchste Lohn, Söhne und Töchter Gottes, Geschwister von Jesus, welch höhere Ehre ist möglich? Welch höherer Lohn? Die, die Frieden schaffen, werden mit diesem Lohn ausgezeichnet werden, die die ihre Mitmenschen nicht durch Krieg und Gewalt, durch Terror und Gefahr angreifen.
Was aber, ist mit Krieg zu einem guten Zweck? Auch das alte Israel hat im Auftrag Gottes Kriege geführt! Kriege um das gelobte Land zu bekommen, Kriege um in Frieden den eigenen Glauben leben zu können. Diese Kriege stehen sogar in der Bibel. Für diese Kriege wird keine Anklage erhoben. Ja, aber wir haben nicht nur das halbe, wir haben das ganze Buch. Jesus ist gekommen um das Gesetz zu erfüllen und uns einen neuen, seinen neuen Weg zu zeigen! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Dazu passt kein Krieg für eine gute Sache!
Wobei immer noch die Frage offen ist:
1. was ist die gute Sache?
2. ist die gute Sache nicht doch anders zu erreichen?

Speziell zu dem Krieg im Irak haben wir sehr viele verschiedene Gründe gehört, warum der geführt werden müsste:
- zur Vernichtung von Massenvernichtungswaffen (es sind keine gefunden worden)
- um den Diktator Saddam Hussein endgültig zu vernichten (keiner weiß, wo er heute ist und ob er noch lebt)
- um das Volk im Irak zu befreien.
Drei verschiedene Gründe, aber zu welchem Preis? Das Volk ist befreit? Vielleicht, wir wissen noch nicht, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird, welche Regierung auf welche Art als Nächstes regieren wird.
Das Volk ist befreit? Es jubelt den Amerikanern zu? Vielleicht, obwohl die Bilder immer nur vereinzelte Jubler zeigen, nicht zu vergleichen mit den Massen die vorher dem Diktator zujubelten. Und sehen wir was neben dem Kamerabild passiert? Sehen wir wer dort jubelt, normale Bevölkerung, Plünderer oder auch extra eingeflogene Exiliraker, die das schöne Bild der begeistert empfangenen Befreier unterstreichen sollen?
Das Volk ist befreit, aber über tausend Zivilisten sind tot, Unbeteiligte, Kinder und Alte, Frauen und Männer, zahlreiche verwundet, das Land zerschlagen. Wird Frieden sein, wenn der Krieg offiziell für beendet erklärt wird? Wird Frieden sein für den 12-jährigen Ali, der in einem Angriff seine Eltern, fünf weitere Familienangehörige, und beide Arme verlor? Wird Frieden sein für die Mütter und Väter, deren Kinder durch Angriffe tot oder verwundet sind? Wird Frieden sein für die Frauen, die nicht wissen wie sie ohne den Vater die Familie ernähren sollen? Wird Frieden sein für die Alten, deren Kinder und Enkel gestorben sind? Wird Frieden werden, für die, die jetzt noch sterben, wo Nahrung fehlt und Wasser, wo Krankheiten in der Hitze entstehen können?
Das erste das im Krieg stirbt ist immer die Wahrheit – und erst wenn diese wieder erstanden ist, kann man es Frieden nennen – wie lange wird es dauern bis wir auch nur annähernd dort angekommen sind?

Die, die den Krieg begonnen haben, planen jetzt schon, wie es weitergeht. Sie haben viel zerschlagen, und noch weiß keiner, was und wieviel sie wieder aufbauen können. Die Stärkeren haben den Krieg gewonnen, aber das Land hat noch lange keinen Frieden. Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben.
Nachdem der Erste aus der Achse des Bösen besiegt ist, denkt Amerika laut darüber nach, welcher der anderen Bösen der Nächste sein könnte. Wie vorausschauend waren doch Länder wie Nordkorea, die sich frühzeitig so gefährliche Waffen zulegten, dass Amerika einen Angriff nicht wagen kann. An dem Tag, als der Irak angegriffen wurde, haben auch die anderen Länder, die auf dieser speziellen Liste Amerikas stehen, hektisch nach Bezugsquellen für Atombomben oder deren Bestandteile gesucht. Hört sich das so an, als ob wir auf Frieden hoffen dürften? Das Land ohne Massenvernichtungswaffen ist am Ende, der erste Böse ist besiegt, und die Gefahr für die anderen, erhöht die Kriegsgefahr für alle...

Doch nicht genug mit diesem Krieg. Seit dem Zweiten Weltkrieg zählen Statistiker zwischen hundert und 189 Kriege, je nachdem wie Krieg definiert wird. Kriege zwischen verschiedenen Ländern, zwischen verschiedenen Gruppierungen in einem Land, Monate und jahrelange Kriege, und Kriege, die nur wenige Tage dauern. Wir hier leben in einer friedlichen Zeit, aber weltweit hat es noch nie so viel Krieg, so viel Kampf und so viel Leid durch die damit verbundene Gewalt gegeben. Im Durchschnitt dauerte jeder dieser Kriege über ein Jahr. Ein Jahr oder mehr an Sterben, an Bomben, an Zerstörung. Länder und Weltgegenden, in denen die Infrastruktur zerschlagen ist, wo zahlreiche, besonders junge Menschen fehlen, weil sie gestorben oder schwer verwundet sind. Frieden ist etwas, was wachsen muss. Frieden entsteht nicht auf Befehl aus Trümmerhaufen. Wenn nach einem Krieg friedvoller Neubeginn entsteht, dann nicht wegen des Krieges, sondern trotz ihm.

Gott will, dass wir Frieden schaffen! Gott will, dass wir unseren Nächsten annehmen, ihn lieben, ihn akzeptieren, ihm helfen! Nicht, indem wir sein Haus zerschlagen, seine Kinder töten und ihn verwunden! Gott will, dass wir Wege suchen miteinander, zueinander. Diese Welt, die Gott geschaffen hat, ist wunderschön! Sie ist schön für die Augen und schön für das Herz! Wenn wir einander lieben und miteinander teilen, können alle satt werden, alle in Frieden leben, alle mit ihrer Familie glücklich sein. Es gibt immer andere Wege als einen Krieg! Wir müssen diese Wege nur gemeinsam gehen! Vielleicht haben wir das Gefühl, wir sind zu schwach und zu klein. Vielleicht haben wir das Gefühl auf uns hört sowieso keiner. Die Mächtigen tun sowieso, was sie wollen!
Die Mächtigen vielleicht, aber der Mächtige, der allmächtige Gott, der will uns alle, die wir Frieden stiften als seine Söhne und Töchter annehmen. Und Gott hat garantiert das letzte Wort, egal, was die Mächtigen hier planen und überlegen!

Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


November 2000 Tod

Ein Licht am Ende des Tunnels...
Sie meinen vielleicht, dass dieses moderne Musical „Starlight Express“ ein etwas seltsamer Einstieg in das Thema Tod ist. Wir möchten Ihnen gleich einige Vorstellungen vom Thema Tod geben, aus verschiedener Sicht. Aber zunächst möchte ich Sie ganz herzlich zu unserem dritten Gottesdienst Plus begrüßen. Wir wollen auch diesen Gottesdienst feiern im Namen Gottes, Vater, Sohn und heiliger Geist.

Tod: Was ist Tod?
Gesellschaftspolitisch ist Tod das Ende jeder Veränderung, die Stagnation der Entwicklung aber auch die Entwicklung um jeden Preis ohne die Erfahrungen des Bewährten zu berücksichtigen. Dieses wird unter anderem im Musical Starlight Express thematisiert.
Für den Naturwissenschaftler wäre der Tod das Ende jeglicher Bewegung im Bereich der „Teilchen“; eine Situation, die unweigerlich zum Zusammenbruch sämtlicher Materie führen würde.
Der Soziologe sieht den Tod in der menschlichen Entwicklung, die stagniert. Wenn ein Mensch mit 20 z.B. schon meint fertig entwickelt zu sein, und sich nicht mehr verändern zu müssen, dann ist er bereits tot.
Tod kann also eine vielfältige Bedeutung haben. Wir wollen uns heute dem großen Tabuthema in unserer Gesellschaft: „Tod“ widmen. Dem Tod, den der Mediziner als Hirntod bezeichnet, von dem viele Menschen meinen er sei das Ende.
Aber ist er es wirklich ?....
Die Wissenschaft sagt, es gibt nur einen Wandel der Energieform.
Der Christ sagt, es ist ein Übergang.
Der Atheist sagt, es ist aus.
Beweisen läßt sich keine dieser Vorstellungen- Jeder Mensch muß für sich selbst entscheiden, wie er den Tod sieht- Aber diese Entscheidung muß jeder Mensch selbst treffen.
Denn der Tod gehört zum Leben und kann es bereichern. Wer den Tod tabuisiert, setzt sich selbst Ängsten aus, die unnötig sind.
Wir wollen uns heute mit Liedern, mit verschiedenen Texten und mit sogenannten Sterbeerlebnissen mit dem Tod auseinandersetzen. Wir wollen Ihnen Hilfe für Ihre Entscheidung geben, Ihnen aber nicht die Entscheidung abnehmen.

(CS) Als Alexander der Große starb, soll er angeordnet haben, dass man seine Hand aus dem Sarg hängen lasse, damit jeder sehe, dass auch ein König nichts von dieser Welt mitnehmen kann.

Letzte Worte:
(KS) Heinrich VIII: So, nun ist alles dahin – Reich, Leib und Seele!

(StSt) Thomas Hobbes: Ich bin daran, eine Sprung ins Finstere zu tun!

(CS) Hiob 3 11, 13-19
Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich.
Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe bei Königen, bei Ratsherren im Land, die Grabkammern für sich erbauten oder bei Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber gefüllt. Wie die verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht mehr, Kindern gleich, die das Licht nie geschaut.
Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist. Auch Gefangene sind frei von Sorgen, hören nicht mehr die Stimme des Treibers. Klein und groß ist dort beisammen, der Sklave ist frei von seinem Herren.

(StSt) Jesaja 26 14 und 19
Die Toten werden nicht leben, die Verstorbene stehen nie wieder auf,
Deine Toten werden leben, die Leichen stehen wieder auf, wer in der Erde liegt, wird erwachen und jubeln.

(KS) Goethe: Mehr Licht!

(CS) Einem gläubigen Afrikaner war seine 17jährige Tochter gestorben. Auf ihr Kreuz setzte er die Worte: Der Tod hat keine Hände.
Als man ihn fragte, was diese Inschrift bedeuten solle, sagte er: Ich weiß dass mir der Tod mein Kind nicht auf ewig festhalten kann, sondern dass ich es bei Jesus wiedersehen werde. Der Tod hat ja keine Hände mehr!

(StSt) Joh 3 16/17
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt geschickt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

(KS) Es ist Freitag abend im Februar 1991. Ich sitze mit meiner Tochter Nichole und einigen Freunden in einem Kleinkunsttheater im Zetnrum von St. Paul, Minnesota. Mein Freund Louie Anderson gibt eine Sondervorstellung. Gedankenverloren höre ich ihm zu und lache sogar ein wenig. Louie bringt mich immer zum Lachen. Schließlich beendet er die Aufführung mit einem schlichten Satz: „Shane, wir lieben dich“ und geht von der Bühne.
Louie, der die ganze Woche unser Gast war, macht sich auf den Rückweg nach Kalifornien; Nichole und ich fahren weiter nach Stillwater, wo wir seit 7 Jahren wohnen. Mit dem Auto dauert die Fahrt etwa eine dreiviertel Stunde. Damit geht ein seltsamer Tag auf genauso seltsame Weise zu Ende. Mein Sohn Shane hatte bei einem Skiunfall tödliche Verletzungen erlitten und dies ist der Abend seiner Beisetzung.
Zu Hause angekommen, lege ich mich hin und frage mich, wohin die Menschen gehen, wenn sie gestorben sind. Bis zur Antwort auf diese Frage steht mir noch ein Lernprozeß bevor. Heute, zwei Jahre danach, weiß ich, dass Shane nicht von den Toten erweckt werden muß, so wie Lazarus durch Jesus erweckt wurde. Denn inzwischen bin ich zu der Einsicht gelangt, dass Shane auf „der anderen Seite“ gut aufgehoben ist.

(CS) C.G. Jung
Zu Beginn des Jahres 1944 brach ich mir den Fuß. Als Folge davon bekam ich einen Herzinfarkt.
Es geschahen sehr merkwürdige Dinge mit mir. Ich hatte das Gefühl, dass ich sehr weit weg war im All.
Ich sah weit unter mir den Erdball in ein strahlendes klares blaues Licht getaucht. Ich sah unter mir die Kontinente und das blaue Meer. Ich sah die schneebedeckten Berge des Himalayas. Mir wurde klar, dass ich dabei war, die Erde zu verlassen.
Die Sicht auf die Erde in dieser Höhe war das Schönste, was ich je gesehen habe.

(StSt) Voltaire zum Thema Auferstehung: Die Auferstehung ist die einfachste Sache der Welt: Der, der den Menschen einmal geschaffen hat, kann ihn auch zum zweiten Mal schaffen.

(KS) Röm. 8, 38
Denn ich bin gewiß: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

(CS) Kim, eine medizinische Mitarbeiterin berichtete;
MARIA war für tot gehalten worden und wurde nicht wiederbelebt.
Maria sagte danach , sie sei aus dem Krankenzimmer herausgeschwebt und dass sie auf dem Fensterbrett in einem oberen Stockwerk einen alten Schuh gesehen hatte. Als ich nachschaute, war dieser Schuh vorhanden.

Aus dem Licht trat das faszinierendste Wesen, dem ich je begegnet bin.

Predigt
Da ist ein Lichtstrahl am Ende des Tunnels. Das Märchen vom Leben nach dem Tod. Über den Tod haben wir in der Einleitung und in den Texten einiges gehört. Jetzt möchte ich mit Ihnen über das Leben nachdenken. Was ist Leben? Ist Leben das Hetzen von Termin zu Termin? Ist es das Jagen nach dem Erfolg? Ist es Reichtum um jeden Preis? Ist es die Sucht nach Vergnügen? Oder der immer neue Kick durch den Bungeesprung, das S-Bahn-Surfen, Bergsteigen etc.?
Ich behaupte jetzt hier, dass dies alles nicht Leben, sondern schon eine erste Stufe des Sterbens ist.
Nicht deshalb, weil man sich damit ungeheuren Gefahren aussetzt oder seine Gesundheit zerstört. Sondern, weil man eines Tages feststellt, dass man seine Seele zurückgelassen hat. Dass über die Zielgerade nur noch ein erfolgreicher Zombie geht.
Wirkliches Leben darf natürlich auch nach Erfolg streben, darf auch nach Vergnügen suchen. Aber es soll der Erfolg mit den Mitmenschen und das Glück, das ich in der Gemeinschaft erlebe, sein.
Nicht auf Kosten der Anderen, sondern mit den Anderen.
Dies ist auch der erste Schritt weg vom Tod über das Leben zum ewigen Leben. An dieser Stelle möchte ich Ihnen gar nicht mit der Bibel kommen. Ich möchte einfach auf Erfahrungsberichte zurückgreifen, die Menschen erzählten, die schon einmal tot waren.
Alle diese Menschen haben eine gemeinsame Erfahrung gemacht.
Nämlich, dass mit dem Eintritt des körperlichen Todes die Seele, das was uns ausmacht, von einem alles durchscheinenden Licht, das von Liebe erfüllt ist, ergriffen wird. Dass sie bei einer Rückschau auf ihr Leben nicht nach ihren Erfolgen beurteilt werden, sondern nach den kleinen Zeichen der Nächstenliebe. Dem Trösten eines Kindes, dem Helfen ohne Bedingungen. Sie haben gelernt, dass dies wirklich Bestand hat im Jenseits und nicht das ständige Fragen: Was bringt mir dies oder das...
Jesus hat gesagt: Alles, was ihr getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan“; das zählt für mich.
Diese Erfahrung, dass das wirklich zählt, hat jeder dieser tot gewesenen mitgebracht. Egal ob er Christ war oder Atheist. Was sich für alle geändert hat, ist, dass sie nach ihrem Wiederkommen erfüllt waren von dieser göttlichen Liebe, die sie im Jenseits umfangen hatte. Dass sie diese Liebe jetzt auch weitergeben konnten, und dass es für sie einen Gott gab.
Viele Menschen stehen diesen Berichten von Todeserfahrungen sehr skeptisch gegenüber. Trotzdem gibt es weltweit inzwischen viele fundierte Untersuchungen, die diese Erfahrungen wiedergeben, und das Interessante ist, diese Erfahrungen sind nicht neu. Wenn wir zurückgehen in die Vergangenheit, stoßen wir auch dort auf ähnliche Berichte oder Kunstwerke, die diese Erfahrungen wiedergehen. So. z.B. das Gemälde von Hieronymus Bosch, in dem die gerade Verstorbenen in den Tunnel zum Licht gehen.
Auch die Bibel verspricht uns das ewige Leben in Johannes 11 Vers 25 hören wir mitten in der Auferstehungsgeschichte des Lazarus den großen Hinweis von Jesus auf das ewige Leben. Er sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben.

Jesus hat dies nicht nur so dahingesagt, sein ganzes Leben hat er darauf ausgerichtet, dass Menschen dies lernen. Damit wir es lernen, ist er bis ans Kreuz gegangen; häufig mißverstanden als hingeschlachtetes Lamm.
Aber in Wirklichkeit voller Stärke um uns alle Schuld zu vergeben. Hier hat er auch ganz deutlich gemacht, dass seine alles vergebende Liebe für jeden gilt, indem er bereits den Schächer am Kreuz, der Jesu Gnade annahm, mit ins Paradies nahm:
Luk. 23, 43: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Aber damit nicht genug! Er ist auch nach der Kreuzigung zu vielen Menschen gegangen, um es uns zu beweisen, dass nicht alles zu Ende ist. Dass das wirkliche Leben erst mit dem Tod beginnt. Dass wir allerdings schon dieses ewige Leben spüren können, wenn wir Jesu Gnade annehmen und seine Liebe weitergeben.
Seltsam, genau mit diesen Erfahrungen kamen alle Menschen wieder, die eine Nahtoderfahrung hatten.
Auch der Prophet Jesaja hatte es vorausgesagt
Jesaja 25 6-8a
Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit den erlesenen Weinen... Er zerreißt auf diesem Berg die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt.
Er beseitigt den Tod für immer, Gott der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht.
und Johannes hat es uns in seiner Offenbarung hinterlassen: Off. 21 3b-4
Hier wohnt Gott gemeinsam mit den Menschen. Wenn Gott bei ihnen wohnt, sind sie endgültig sein Volk, und er ist als ihr Gott immer bei ihnen.
Alle Tränen wird er von ihren Augen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, und keine dumpfe Trauer, keine Verzweiflungsschreie und keinen dumpfen Schmerz. Denn alles, was früher war, ist vorbei.
Der Tod hat keine Bedeutung und wir werden in ein Leben voller Liebe einziehen. Sicher, wir haben keine Fotos, keine Filmaufnahmen. Aber auch die würden einen negativen Skeptiker nicht überzeugen.
Überzeugen wollte ich Sie auch nicht. Ich wollte Erfahrungen weitergeben, die andere Menschen gemacht haben und Ihnen das Angebot Jesu zeigen.
Für mich und für viele Christen bedeutet dies ewiges Leben. Aber auf dem Weg dorthin sind Entscheidungen notwendig, Entscheidungen, dies Angebot ernst zu nehmen und die ersten Schritte zu tun. Ja zu sagen zur Gnade Jesu ist der erste Schritt zum ewigen Leben. Hier in seiner Liebe und Vergebung zu leben ist die Reise, das Licht am Ende des Tunnels das Ziel.....
Und der Friede Gottes, des höher ist, als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


Pat Boone
Evrybody´s gonna have religion and glory, evrybody´s gonna be singing and ??. Evrybody´s gonna have a wonderful time up there

Übertragung:
Jeder wird Glauben und Glorie haben, jeder wird singen und sich freuen, jeder wird eine wundervolle Zeit dort oben haben.

Strophe:
Bruder pass auf, hör genau zu, ich rede mit Dir, es ist wichtig, Du kannst es auch nachlesen, es steht am Ende der Bibel im Buch der Offenbarung:
Der Herr ist der Einzige der dich hindurchtragen kann, der Herr wird von seinem Thron hoch oben kommen und die Toten auferstehen lassen. Er wird dich belohnen für alles, was Du getan hast. Ich warne Dich, hör genau zu es ist wichtig: Wirst Du bei den wenigen Auserwählten sein?


13.07.2003 Frieden schaffen

Liebe Schwestern und Brüder,
Schwerter zu Pflugscharen oder Frieden schaffen mit immer interessanteren Waffen?
Dies ist die Frage, die wir uns heute stellen wollen, und die Betonung liegt auf dem wir, denn ich kann heute nur Anregungen geben, ein jeder selbst muss seine Antwort finden. Um Antworten zu finden, müssen Fragen gestellt werden und das möchte ich in den nächsten Minuten tun. Fragen an Sie, an mich, und an Gott. Fragen verbunden mit Antwortideen oder Anregungen von Gott und Jesus. Also, Schwerter zu Pflugscharen oder interessantere Waffen? Das Spiel beginnt!!!
Hand aufs Herz, hat nicht jeder von uns schon einmal fasziniert auf die moderne Waffentechnik geschaut?
Ist es nicht faszinierend, wie so ein Tonnen schweres Fahrzeug wie ein Panzer präzise auf der Stelle gedreht werden kann, wie seine Kanone in einer Position ausgerichtet bleibt, auch wenn der Panzer mit hoher Geschwindigkeit über Mauern, Bodenwellen oder sonstige Unebenheiten fährt.
Oder Flugzeuge in hoher Geschwindigkeit eng in einer Formationen fliegen. Oder Gewehre über viele hundert Meter ein Ziel treffen. Ja, die Gefahr dieser Faszination ist da. Und da ist noch die Gefahr einer anderen Faszination. Die Welt der Playstations und Computerspiele in der inzwischen in einer Pseudorealität komplette Kriege geführt werden, die sich nicht mehr von der Realität der modernen Waffenkontrollzentren unterscheiden.
Waffen sind faszinierend und durch die moderne Spielwelt werden wir unmerklich in ihrer Faszination hineingezogen. Gerade dieses Unmerkliche ist gefährlich, diese unschuldige Faszination ist gefährlich, denn sie lässt uns leicht vergessen, dass diese faszinierenden Waffen zum Töten gebaut werden.
Wer gegen Ende des aktiveren Irak-Krieges in unserem letzten Friedensgottesdienst war, kann sich vielleicht an die Geschichte der verhehrensten Waffe aller Zeiten erinnern, deren bloße Existenz schon alle Kriege unmöglich machte. Es handelte sich dabei um Pfeil und Bogen. Leider hat sich die Geschichte der Kriege dann doch weiterentwickelt. Es kam die faszinierende Armbrust, das Schießpulver, das Gewehr, die Pistole, das Maschinengewehr, die Giftwaffen, die Kampf-Viren, die Granaten, Bomben, Atombomben und Neutronenbomben, die Laser und computerunterstützten Waffen und jetzt, jetzt hakt das bei einem selbst ernannten Cowboy gegen das Böse endgültig aus. Er möchte die Miniatombombe, das StarWars Schutzschild und die Superatombombe und das alles, um ein paar Terroristen zu treffen und wahrscheinlich wieder im Namen Gottes. Um eines klarzustellen, ich bin nicht antiamerikanisch. Ich meine, wir haben viele gute Entwicklungen aus Amerika erhalten, ich selbst arbeite mit amerikanischen Firmen zusammen und vertreibe auch amerikanische Produkte. Ich kenne viele nette und freundliche Amerikaner, aber gerade um ihretwillen muss ich sagen: Sie haben diese Hardliner der CIA und anderer Geheimdienste, die jetzt auch im Hintergrund in die Regierungsgeschäfte eingreifen nicht verdient und sie haben vor allen Dingen keinen Präsidenten verdient, der nicht weiß was er tut und sich vor den Karren dieser Falken spannen lässt.
Der eine oder andere wird hier vielleicht innerlich aufschreien und sagen: Amerika ist unser Freund, wir dürfen diesen Freund nicht verbal attakieren. Aber ist das wirklich so einfach? Bedeutet Freundschaft nicht auch, dass wir kritisch die Fehler des Freundes betrachten und ihm die auch nennen, damit er umdenken kann? Lassen wir doch einmal ein paar Highlights der letzten sechzig Jahre seit Amerika unser Freund wurde, an unserem geistigen Auge vorbeiziehen.
Vor sechzig Jahren war Amerika in den Kampf gegen Hitler eingetreten, aber war das ganz uneigennützig oder wollte Amerika nicht auch verhindern, dass sich eine überlegene Großmacht im alten Europa entwickeln könnte, die auch Amerika gefährlich werden konnte. Dann, 1945, waren die Nazis geschlagen und ihr Verbündeter in Asien, Japan, lag am Boden, die Kapitulation nur eine Frage von Wochen. Trotzdem warfen die Amerikaner zwei Atombomben angeblich um Menschenleben zu retten. Wahrscheinlicher ist, dass diese Bomben fielen, um den Klassenfeind Kommunismus, also Russland, so zu schocken, dass er keine großen Ansprüche in der Nachkriegszeit stellt. Damit war das Wettrüsten zwischen Ost und West geboren wo in unserem Denken und der Erziehung bis heute die Russen immer die Bösen waren und die Amerikaner die Guten. Eine etwas zu einseitige Sicht, beide Seiten taten Gutes und Schlechtes. Es kam die Aufbauhilfe für Deutschland West und für Westeuropa, auch das war nicht nur uneigennützig, denn nur ein starkes Westeuropa konnte verhindern, dass das sowjetische Reich sich bis zum Atlantik ausbreitete und damit wieder Amerika gefährlich werden konnte. Wie ging die amerikanische Politik weiter? Immer wenn sich irgendwo auf der Welt sozialistische Gesellschaften entwickelten, versuchten die USA zu intervenieren, entweder offen oder verdeckt durch die CIA. Durch diese Maßnahmen wurden einige menschliche Gesellschaften zerstört und durch Militärdiktaturen ersetzt. Aber die USA führten auch aktive Kriege, die mehr als einmal mit Propagandalügen begonnen wurden und auch die Propagandalügen des letzten Irak-Krieges werden inzwischen nach und nach enttarnt. Parallel zu dieser Entwicklung investierte kein Land so viel für die militärische Entwicklung von Waffen wie die USA. Und die UdSSR zog mit. Am Ende des kalten Krieges hatten beide Staaten ein Waffenarsenal, das die die Erde mehrfach zerstören konnte. In den letzten zehn Jahren hofften wir, dass zumindest dieser Overkill endlich als Gefahrenpotenzial ein Ende finden würde, weil Russland und die USA anfingen ihre Atomwaffen zu vernichten. Und dass, wenn überhaupt noch einmal eine radioaktive Gefahr kommen sollte, dann, durch verwirrte Terroristen.
Aber es kam ganz anders, nicht irgendwelche Diktaturen oder Terroristen spielten mit der Gefahr der Radioaktivität, nein, es war und ist die Familie Bush und ihre Hardliner im Hintergrund, die sowohl im zweiten als auch im dritten Irak-Krieg uranhaltige Granaten zur Panzerbekämpfung benutzten und es ist jetzt Bush junior, der von der neuen Superatombombe träumt, der Minibombe für´s Handtäschchen für chirurgische Maßnahmen und der Superatombombe, die Schutzbunker durch 300 Meter Fels erreichen sollen und dabei vielleicht tausend Quadratkilometer Land verstrahlt???
Wo bleibt da die Frage der Verhältnismäßigkeit der Mittel.
Wir verstrahlen also kurz einmal ganz Afghanistan auf Jahre um vielleicht Bin Laden zu treffen, der evtl. in einem Bunker sitzt. Wir können danach zwar unser Ergebnis nicht kontrollieren, weil nichts mehr übrig ist, aber wir könnten ihn ja getroffen haben und wenn nicht, dann verstrahlen wir eben das nächste Mal das nächste Land.
Dieser Wahnsinn hat keine Methode mehr!?
Eine amerikanische Regierung, die eine solche Politik umsetzt, wäre mit Recht weiteren terroristischen Attacken ausgeliefert. Wobei das Fatale ist, dass die Terroristen genauso kurzsichtig denken und meist Unschuldige leiden lassen, nur weil sie im verkehrten Land geboren wurden.
Also Frieden schaffen mit immer interessanteren Waffen?
Ich meine: nein danke, wenn das die Wahl sein muss, dann doch lieber ein paar terroristische Anschläge als eine terroristische Militärmacht.
Aber lassen wir doch einmal die andere Seite zu Wort kommen, wie war das doch mit den Schwertern zu Pflugscharen? Dieser Satz kommt aus dem Alten Testament der Bibel aus den Weissagungen dies Micha. Ich möchte Ihnen diesen Text einmal im Zusammenhang vorlesen.
micha 4,1-5
Welch wunderbare Verheißungen stehen rund um unseren Kernsatz. Gott allein übernimmt die Herrschaft. Aber nicht als Diktator, sondern als gerechter Richter, der ein für alle mal Schluss macht mit allem Streit und jeder Mensch kann fortan nach seiner Auffassung und ohne Angst leben. Auch die Menschen, die einen anderen Gott anbeten.
Wirklich Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit auf Erden. Für mich klingt dieses Programm faszinierender als die Faszination der interessanteren Waffen.
Sie können nun dagegen halten, dass dies das Ende der Geschichte ist und dass wir ja noch mitten in der Geschichte leben. Deshalb möchte ich jetzt jemanden zu Wort kommen lassen, der in unser Leben hinein seine Anweisungen gab und gibt. Ich lese jetzt einige Anweisungen Jesu aus dem Matthäusevangelium. Hauptsächlich Auszüge der Bergpredigt im 5. Kapitel.
Tut mir Leid, ich muss feststellen, schlechte Karten für immer faszinierendere Waffen. Schlechte Karten für gerechte Kriege im Namen Gottes. Jesus spricht sich gegen jegliche Gewalt aus und wenn wir keine Gewalt ausüben wollen, weil wir Jesus nachfolgen, dann brauchen wir auch keine immer faszinierenderen Waffen.
Aber ich höre schon das: weltfremd-Getuschel, rosarote Brille-Gerede. Wirklich?
Schauen wir doch einmal auf die wirklich großen Umwälzungen des letzten Jahrhunderts. Sie waren begleitet von Attacken der Gewalt, aber den wirklich großen Zulauf brachten die gewaltfreien Proteste. Beginnen wir bei den Arbeiterstreiks Ende des 19. Jahrhunderts die über Bismarks Trick der Sozialisten-Gesetze zur Gründung der Gewerkschaften führten und das Leben für Arbeiter lebenswert machten und verlängerten.
Die Befreiung Indiens, die größte Aufmerksamkeit bekam Ghandi und er zog so viel Menschen auf seinen Weg, dass Großbritannien aufgeben musste. Oder Südafrika, viele blutige Aufstände, aber das, was als steter Tropfen die Freiheit der schwarzen Bevölkerung brachte, war die friedliche Beharrlichkeit, die übrigens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch in Südafrika Ghandi begonnen hatte.
Bleiben noch die Friedensmärsche von Martin Luther King und die Friedensgebete und Märsche am Ende der DDR, deren Erfolg einherging mit einer Friedenspolitik des Landes von dem wir gelernt hatten, dass es unser Feind sei.
Friedliche Lösungen sind nicht einfach, aber es sind die einzigen Lösungen die ohne Eskalation von Gewalt funktionieren. Deshalb meine ich, interessantere Waffen sind technisch faszinierend, aber dennoch unmenschlich. Für erstrebenswert halte ich Schwertern zu Pflugscharen und für einen Christen sehe ich darin den einzigen gangbaren Weg. Eh ich gleich zum Ende komme, möchte ich auf das Thema Fragen vom Anfang zurückkommen. Sie wundern sich vielleicht, wo diese geblieben sind, da ich doch Antworten gegeben haben. Aber das sind nur meine Antworten, jeder von ihnen hat seine eigenen und der Unterschied zwischen ihren und meinen Antworten führt zu Fragen und Antworten, über die wir vielleicht gleich diskutieren können. Aber bevor ich jetzt schließe, möchte ich noch einen alten Freund zu Wort kommen lassen, der mit dafür gesorgt hat, dass uns die Worte des Friedens erreicht haben. Er heißt Paulus und meint zu unserem Thema im Römer Brief Kapitel 12.
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.


21.09.2003 Terror

Lieber Schwestern und Brüder,
IN LÜNEBURG WAR VOLKSFEST
IN BELFAST HAT DIE IRA
EIN WARENHAUS GESPRENGT
SIE FRAGTEN NICHT, OB MENSCHEN DARIN WAR’N
IN BEIRUT STEHT GEWALT GEGEN GEWALT,
DIE NIEMAND LENKT
IM KRIEG DER BIBEL GEGEN DEN KORAN

EIN FEUERTEUFEL HAT DEN WALD
DER
COTE D’AZUR VERBRANNT
DER HIMMEL FLAMMTE AUF IN HÖLLENROT
DIE FLUT KAM ÜBER BANGLADESH,
DAS ÄRMSTE ARME LAND
EIN MEER AUF DIESEN HEISSEN STEIN DER NOT
<REFRAIN> UND IN LÜNEBURG WAR VOLKSFEST
UND ’NE SCHÖNE RAUFEREI
ZWISCHEN FREUNDEN UND VERWANDTEN
UND DER POLIZEI

UND VOR DEM FESTSPIELHAUS IN SALZBURG
WARF SO’N HADERLUMPENPACK
DEM EMPÖRTEN HERRN MINISTER
EIN PAAR EIER AUF DEN FRACK
IN AFRIKA SIND KINDER VOR DEN KAMERAS DER WELT
IM ELEND UND SIND GRADE ERST GEBOR’N
IM DEALER-REISEFÜHRER
WURDE ZÜRICH HOCHGELOBT
ZUM ERSTEN HAUS AM DROGENPLATZ ERKOR’N

UND DAS RIESENREICH IM OSTEN,
DAS ZERBRÖSELT UND ZERFÄLLT.
ZU GUNSTEN EINES FRIEDLICHEN VEREINS
IN INDIEN ZÄHLT GESCHICHTE
VOR UND NACH DEM ATTENTAT
UND GRADE WAR MAL WIEDER DAS JAHR EINS
(REFRAIN> UND IN LÜNEBURG WAR VOLKSFEST
UND IN KREUZBERG GAB’S RADAU
UND IM FERNSEHEN GAB’S DEN GOTTSCHALK
UND IN BRUCHSAL RIESENSTAU

(RUHIGER REFRAIN) UND EIN RICHTER IN PALERMO
LAG VERSCHARRT IM FELSGESTEIN
MIT 50 MAFIA-GRÜSSEN IN DER BRUST
ALL DIES KÖNNTEN DIE EREIGNISSE
DES GANZEN JAHRES SEIN - DOCH ES WAR NUR
EINE SEITE EINER ZEITUNG IM AUGUST

JA IN LÜNEBURG WAR VOLKSFEST
UND IN DRESDEN GAB’S KRAWALL
BEI DYNAMO, GEGEN WEN DENN?
GEGEN JEDEN! GANZ EGAL

IN OBERAMMERGAU GAB’S ÄRGER
JUNGFRAU MARIA WAR NICHT ECHT
DENN SIE HATTE SCHON ZWEI KINDER
WAR’S DER PFARRER, WAR’S DER KNECHT?

JA IN LÜNEBURG WAR VOLKSFEST
LALALA...

So hatte Udo Jürgens uns vor einigen Jahren die Nachrichten einer Tageszeitung zusammengefasst. Diese Zeitung berichtete neben anderen Katastrophen von den verschiedenen Arten des Terrors. Terror im Kleinen und im Großen. Terror gegen einzelne und viele. Terror von vor ein paar Jahren. Terror, wie er auch heute noch jeden Tag geschieht. Was ist nun dieser Terror, der sich so schwer begreifen und noch schwerer bekämpfen lässt? Ist er eine Erscheinung unserer Zeit? Gab es ihn vielleicht schon immer?
Ich möchte Ihnen eine alte Geschichte erzählen. Diese Geschichte handelt von einem Volk, das durch ein anderes Volk versklavt wurde. Dass versklavte Volk bekam Hilfe durch einen mächtigen Führer, der sämtliche Kniffe der biologischen Kriegsführung beherrschte. Dieser Führer suchte sich einen Beauftragten aus dem Volk, um seine Bedingungen dem Herrscher des unterdrückenden Volkes mitzuteilen, denn er wollte seine biologischen Waffen nicht ohne Vorwarnung einsetzen.

Der Herrscher war nicht bereit, den Sklaven die Freiheit zu schenken und so begann der Führer der Sklaven seinen Terror. Zunächst vergiftete er den mächtigsten Fluss des Landes. Danach sandte er die unterschiedlichsten Ungeziefer um das herrschende Volk zu quälen. Als auch das nichts half, vergiftete er das Vieh des herrschenden Volkes und zum Schluss vergiftete er alle Erstgeborenen Söhne. Erst nach allen diesen Terroranschlägen ließ der Herrscher das versklavte Volk frei.
Diese terroristischen Anschlägen mit Gift und biologischen Waffen sind keine besondere Tat von Bin Laden oder irgend einem anderen terroristischen Führer unserer Zeit, sondern sie wurden von Gott selbst durchgeführt um sein Volk aus Ägypten zu befreien. Nachlesen können Sie dies im Buch Exodus der Bibel in den Kapiteln sieben bis 11.
Diese Geschichte macht es uns heute auch so schwer, den Terror generell zu verurteilen, denn wenn sogar Gott terroristischen Methoden anwendet um sein Volk zu befreien, muss es Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten des Terrorismus geben, die ihn verachtenswert oder nachvollziehbar erscheinen lassen.
Was ist nun eigentlich Terror und/oder Terrorismus?
Terror geht häufig vom Staat aus. Gerade Deutschland hat das in der Generation unserer Eltern und Großeltern erlebt, als die schwarzen Uniformen der SA und die langen Ledermäntel der sadistischen Verteidiger des Arischen schon jedes Wiederwort im Keim erstickten, indem sie vorbeugend alle töteten, die gegen sie aufstehen konnten. Diese Form des Terror von oben gibt es bis heute in vielen Ländern, sie führt oft dazu, dass alle Gegner so eingeschüchtert sind, dass kein Widerstand und auch kein Terrorismus entstehen kann.
Im Gegensatz zum Staatsterror richtet sich der Terrorismus verbrecherisch gegen den Staat und seine Vertreter. Auch diese Form des Terrors lernten wir in Deutschland kennen. Auf den Wogen der 68er Demonstrationen und des generellen gesellschaftlichen Umbruchs in den Sechzigern und frühen siebziger Jahren, taten sich die zusammen, denen dieser Umbruch nicht schnell genug vonstatten ging und versuchten dies mit Gewalt zu beschleunigen. Dies waren zunächst die Baader/Meinhof Gruppe und später die RAF. Beide hatten ganz oberflächlich positive Ideen von sozialem Ausgleich und Gleichbehandlung aller Menschen, aber diese Ideale ertränkten sie in Verbrechen, wie Banküberfällen zur Kapitalbeschaffung, Entführungen, Attentaten und Mord.
Beide Organisationen zogen einen blutigen Weg und scheiterten selbst an ihrer eigenen Gewalt, weil diese keine Sympathisanten mehr brachte und die RAF zum Schluss als verbrecherische terroristischen Gruppe isoliert war. Das Ende der RAF aus Mangel an Sympathien und Rückhalt in der Bevölkerung ist aber auch ein Punkt, der klarmacht, dass Terrorismus nicht in einer gesunden Demokratie dauerhaft existieren kann.
Welches Klima politisch gesehen benötigt Terrorismus denn um zu gedeihen und sind wir vielleicht trotzdem mitverantwortlich für dieses Klima, auch wenn wir in unserem Lande wenig damit zu tun haben? Terrorismus findet immer dann Rückhalt im Volk, wenn er sich wie damals beim Volk Israel gegen einen brutalen Unterdrücker oder Ausbeuter richtet. Dieses nahrhafte Klima für den Terrorismus finden wir z. B. in Nordirland im alten Kampf der Katholiken gegen die englische Besatzer. Und auch bei den Basken in Spanien, wobei bei diesen beiden alten Herden des Terrorismus dieser sich so verselbstständigt hat, dass eine langsame Umkehr zu erkennen ist und besonders die ETA in Spanien aber auch die IRA in Nordirland ihren Rückhalt in der Bevölkerung mehr und mehr verlieren. Friedensbestrebungen rauben dem Terrorismus den Nährboden.
Anders ist es z. B. im Konflikt Israel/Palästina. Durch den ständigen Landraub der Israelis und ihren ständigen Staatsterror gegen die Palästinenser fordern die Israelis neue Terroranschläge heraus. Dies ist das ideale Klima für den Terrorismus: Unterdrückung und Verachtung von der einen Seite, Terroranschläge als hilflose Antwort und die Spirale der Gewalt dreht sich immer stärker.
Durchbrechen lässt sich diese Spirale nur durch den Staat, der Menschen unterdrückt. Erst wenn dieser Staat beginnt, sein menschenverachtendes Verhalten zu beenden, wird er dem Terrorismus den Boden entziehen. Neue Gewalt würde ihn nur stärken. Denn es ist leichter ein kleines Kind für seine Terrororganisation zu gewinnen, dessen Eltern oder Geschwister durch Bomben des Staates starben, als ein Kind, oder auch Erwachsene die von diesem Staat würdevoll behandelt werden und die Möglichkeit in Frieden zu leben haben.
Schon in den siebziger Jahren warnten Willy Brandt und Olof Palme davor, dass nicht der Ost-West-Konflikt unseren Frieden gefährdet, denn dieser wird sich irgendwann von alleine lösen. Die größte Gefahr ist der Nord-Süd-Konflikt, da wir in den Wohlstandsländern auf Kosten von Millionen von Menschen unseren Wohlstand aufbauen. Diese Gefahr hat Tradition. Zunächst durch die Kolonialpolitik und danach durch die Unterstützung von korrupten Regierungen durch die Wohlstandsstaaten und damit verbunden weiteren Raubbau der Bodenschätze durch die westlichen Multis. An dieser Stelle wird unsere Mitschuld am sich verbreitenden Terrorismus deutlich. Solange wie wir zu den Ländern gehören, die von der Ausbeutung der Dritten Welt-Ressourcen profitieren, gehören wir auch zu den Verursacher eines terroristischen Klimas.
Terrorismus bekämpfen funktioniert nicht mit dem "Krieg gegen das Böse", wie der Cowboy inzwischen mit dem Blut seiner Soldaten im Irak lernen muss. Krieg gegen Terror bedeutet nur eine neue Spirale der Gewalt.
Den Terrorismus können wir alle nur bekämpfen, wenn wir ihm den Nährboden entziehen und dies bedeutet verhandeln, bis die Köpfe rauchen! Zu helfen, damit die Länder der Dritten Welt sich selbst helfen können. Nicht nur auf billig, billig schauen, sondern für Güter der Dritten Welt einen gerechten Preis zahlen. Die Einsicht, dass die Wohlstandsländer für die ganze Welt verantwortlich sind, denn wir haben unseren Wohlstand auf Kosten der Welt aufgebaut. Es ist an der Zeit, dass wir damit beginnen, diese Schuld zurückzuzahlen.
Diese Schritte werden uns nicht vor verbrecherischen Fanatikern schützen, sie werden uns nicht die Sicherheit geben, dass wir keinem terroristischen Anschlag Verblendeter zum Opfer fallen. Diesen auf fanatischen Einfluss aufgebauten Terrorismus, den werden wir nie vollkommen beseitigen können.
Was wir aber mit dem Nord-Süd-Ausgleich erreichen werden, wird der Entzug des Nährbodens für die Fanatiker sein. Denn wenn ich in der Dritten Welt nicht mehr unter den Ungerechtigkeiten zu leiden habe, wenn ich genug zu essen bekomme und leben kann, dann habe ich auch kein Interesse mehr daran, mich von irgendwelchen Fanatikern vor ihren Karren spannen zu lassen.

Fast zweitausend Jahre ist es her, dass Jesus versucht hat, uns beizubringen, dass wir füreinander da sind, das wir für alle anderen mitverantwortlich sind. Fast zweitausend Jahre, seit Jesus auch Schluss gemacht hat mit dem Terror Gottes, und der terroristische Gott des alten Testament uns Liebe und Gnade schenkte. Zweitausend Jahre sollten lang genug sein, dass wir die Bereitschaft zeigen, seinem Beispiel endlich zu folgen.
Folgen können wir in großen und kleinen Schritten, indem wir die politischen Bestrebungen unterstützen, die für den Frieden einstehen und für einen Nord-Süd-Ausgleich sorgen möchten. Aber im Kleinen können wir sehr viel gegen den Terror in unserem Land, unserer Stadt und in unserem Umfeld tun, der tagtäglich existiert und geschieht.
Die Verachtung anderer, die wir oft zeigen. Der Rufmord mit dem wir andere terrorisieren
Dieser tägliche Terror, den der 3. Oktober 1991 zum Beispiel innerhalb weniger Augenblicke von einem schönen Tag zu einem fassungslos traurigen Tag werden ließ.
Ein Tag, der die Ernte des Haases und Klima des Terrors war, den auch wir jeden Tag durch unsere Vorurteile nähren und dem wir von uns aus durchbrechen können, indem wir wann immer wir Worte des Hasses und der Ungerechtigkeit hören, aufstehen und für unsere Mitmenschen eintreten. Egal welchen Glauben, welcher Hautfarbe oder Nation sie haben.
Ich möchte an dieser Stelle enden und nur noch mit den Worten von Rainer Mey an den 3. Oktober 1991 erinnern. An ein Opfer unseres tagtäglichen Terrors
3. Oktober 1991
Ein ungewohnter Hauch von Feiertag liegt auf der Stadt.
Kein Stau, kein Lärm, die Schienen der Straßenbahn glänzen matt
In der Vormittagssonne. Noch ein Spätsommeridylll
Die Läden sind geschlossen, all die Fahnen hängen still.
Seit vierundzwanzig Jahr’n ist Mehmet in der Gießerei.
Seit vierundzwanzig Jahr’n kommt er hier jeden Tag vorbei.
Heut hat er keine Eile. Er kann im Vorübergehn im
TV-Shop im Schaufenster die Feierstunde sehn:
Dreidutzendfach der Präsident von einer Monitorwand,
Und es geht um Recht und Freiheit - für jeden in diesem Land.
Mehr als die Hälfte seines Lebens arbeitet er hier.
Zwei Töchter und ein Sohn sind aufgewachsen im Revier.
Seine Kollegen mögen ihn, still und gewissenhaft,
Drei Zimmer und ein Ford Escort, ja, Mehmet hat’s geschafft,
Mit Überstunden auch mal ein Besuch in der Türkei.
Ein Angetrunk’ner streift ihn, eine kleine Rempelei,
Und lallend dreht der Mann sich um, bierdünstend und verschwitzt,
Und Mehmet sieht die Klinge nicht, die hinter ihm aufblitzt,
Und grundlos, wie von Sinnen, sticht der Fremde auf ihn ein,
Und das Fernsehbild wird dunkelrot und er fällt wie ein Stein.
Und die l.eute auf der Straße? Alle haben sie’s gesehn,
All dis unbescholt’nen Bürger, die im Halbkreis um ihn stehn.
Keiner hat ihm beigestanden, keinem kommt es in den Sinn,
Ihm zu helfen, ihn zu trösten, keiner kniet sich zu ihm hin.
Und im Fernsehn singen sie die Strophe von der Einigkeit.
Und der Notarztwagen kommt nach einer halben Ewigkeit.
Und sie reinigen das Pflaster, dort, wo er noch eben lag.
Und eigentlich war heut für alle doch ein guter Tag –
Doch seit den Vier-Uhr-Nachrichten ist der Tag nicht mehr gut,
Es bleiben (da sind nur noch) Schmerz und Trauer, und . mir ist zum Heul’n zumut’.


19.10.03 Freiheit eines Christenmenschen

Liebe Schwestern und Brüder,
Freiheit, antiautoritär oder die Freiheit eines Christenmenschen, dies ist das Thema unseres heutigen Gottesdienstes Plus.
Allerdings möchte ich hier eines klarstellen. Ich möchte nicht die antiautoritäre Erziehung den Gedanken Luthers entgegenstellen, geschweige denn eines oder beides analysieren. Für diese Aufgabe wäre hier weder die Zeit noch der rechte Ort. Vielmehr sehe ich in diesen beiden Begriffen die Lebensmaxime unserer heutigen Gesellschaft der Lebensidee Gottes gegenüberstehen.
Wie sieht denn das Leben in unserer heutigen Gesellschaft aus? Was bedeutet vielen Menschen heute Freiheit?
Für viele ist Freiheit gleichbedeutend mit der vollständigen Entfaltung der Persönlichkeit. Ich gehe meinen Hobbys und Neigungen nach, verwirkliche mich im Beruf, lebe meine Lüste aus und stehe im Mittelpunkt.
Es ist mir egal, ob andere unter mir oder unter meiner Jagd nach meinen Zielen leiden. Hauptsache, ich verwirkliche mich, dann ist alles in Ordnung. Ich bin glücklich und muss auch keine Gewissensbisse haben. Diese Idee einer totalen egoistischen Freiheit wird uns von der Gesellschaft in ihren vielfältigen Reaktionen auch noch honoriert. Ob es die Anerkennung des smarten Karrieristen ist oder die Achtung des tollen Hechtes der jede rumkriegt oder das Lob des Chefs für den erfolgreichen Intriganten. All das sind nicht selten honorierende Reaktionen unserer Gesellschaft. Nicht Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit werden geschätzt, sondern Cleverness, Taktisches Geschick und Zielstrebigkeit.
Wer über Leichen geht wird offen anerkannt, wer eher anderen hilft als an seine eigene Karriere zu denken, wird belächelt.
Dieses Bild unserer Gesellschaft sieht aus wie die falschverstandene Idee der antiautoritären Erziehung, wie sie in vielen Kinderläden in den siebziger Jahren praktiziert wurde. Hauptsache ich verwirkliche mich, was dies bei anderen bewirkt, ist egal.
Ein Begriff, der noch vor wenigen Jahren eine Selbstverständlichkeit war, wird immer mehr vergessen. Meine Freiheit mich persönlich zu entfalten geht so weit, bis ich beginne, die Freiheit eines anderen Menschen einzuengen. Jeder Mensch hat sein persönliches intimes Umfeld, dies ist zum Beispiel in der praktischen Begegnung der Umkreis von 50 Zentimetern. Wenn ich gegen den Willen eines Menschen ohne Grund in diesen Kreis eindringe, dann verletzt sich dessen Freiheit.
Im seelischen Umfeld raube ich einem Mitmenschen die Freiheit, wenn ich ihn bewusst in Situationen bringe, die ihm peinlich sind. Auch dies raubt die Freiheit der Intimsphäre. Und und und

Menschen in unserer Gesellschaft rauben Freiheit um sich selbst Freiheit zu geben und wie reagiert die Gesellschaft? Dies ist das Seltsame - von Jahr zu Jahr werden immer mehr Gesetze und Bestimmungen erlassen, um unsere Freiheit zu schützen, die aber im Endeffekt uns immer mehr unserer Freiheit berauben.
Der Staat versuchte Freiheit zu schaffen und engt uns immer mehr ein. Dabei sollte es uns doch inzwischen klar sein, dass immer neue Verordnungen und Richtlinien nur denen nützen, die sie zu ihrem Vorteil auszunutzen verstehen und das ist meistens nicht der einfache Mitmensch, der an sich geschützt werden sollte.
Dies ist das traurige Bild unserer Gesellschaft: Freiheit für die Ellenbogen-Menschen, Freiheit für die Mobbing-Spezialisten, Freiheit für die Intriganten, Freiheit für alle, die es verstehen unsere Gesetze auszunutzen.
Aber im Gegenzug Einengung und Unfreiheit für die vielen, die nicht clever genug, kalt genug, egoistisch genug sind.
Ganz anders sieht das Bild der Freiheit aus, dass Jesus uns gelehrt hat und an dass uns Luther mit seiner " Freiheit eines Christenmenschen " wieder erinnern wollte.
" Nur wen der Sohn frei gemacht hat, der ist wirklich frei ", was heißt das?
Nur wen Jesus frei gemacht hat, frei von der eigenen egoistischen Einstellung, von der Selbstverwirklichung um jeden Preis, frei von aller Kälte unserer Gesellschaft, der ist wirklich frei.
Der Christ lebt nicht wie der Staatsbürger unter Tausenden unüberschaubaren Gesetzen und Verordnungen. Der Christ hat an sich nur einige wenige Verhaltentipps Gottes, die alles abdecken. Dies sind die Zehn Gebote Gottes, die unser Zusammenleben untereinander und mit Gott regeln und das Gebot der Nächsten- und Selbstliebe, dass Jesus uns ergänzend hinterlassen hat. Diese wenigen Verhaltensregeln reichen aus, um in Freiheit zu leben ohne die Freiheit des Mitmenschen zu stören. Sie beinhalten, dass ich das Leben und das Hab und Gut meiner Mitmenschen achten solle, dass ich sie vor allem auch ihr Leben und ihrer Selbstachtung nicht berauben soll. Dass ich in Achtung vor Gott und den Gefühlen meiner Mitmenschen leben soll.
Dass ich mit einem Wort meinen Mitmenschen lieben soll. Lieben wie mich selbst. Dies ist die am meisten missverstandene Ergänzung in diesem Zusammenhang. Denn es wird meist angenommen, dass jeder Mensch sich selbst liebt und dass er diese Eigenliebe nur auf andere übertragen muss. Wenn wir allerdings dieser Auslegung folgen würden, dann würde es wahrscheinlich nur noch Mord und Totschlag geben. Denn warum haben denn so viele Seelenklempner, selbsternannte Heiler, Sekten und Gurus Hochkonjunktur - weil es so schwer ist sich selbst zu lieben.
Wir müssen erst wieder lernen uns selbst zu lieben, und so anzunehmen, wie Gott und Jesus uns annehmen. Dann können wir auch andere Menschen annehmen. Nicht Nächstenliebe soll wie Selbstliebe sein, sondern Selbstliebe soll zur Nächstenliebe führen.
Dafür muss ich mich selbst mit allen meinen Fehlern, Schwächen und Stärken annehmen. Ich muss wissen, dass Gott mich so einzigartig in meinen Stärken und Schwächen geschaffen hat, weil ich gerade so von Ihm geplant und gebraucht werde. Wenn ich diese Bestimmung annehme, dann entwickle ich Selbstvertrauen. Ich vertraue mir in meinen Schwächen und Stärken und ich vertraue darauf, dass Gott beide sinnvoll einsetzt. Aus diesem Vertrauen kann ich Freiheit erleben. Freiheit, mich so anzunehmen, wie ich bin, weil Gott mich vorher so geplant und angenommen hat. Aber auch ausgestattet mit der Freiheit, dass ich nicht Gottes Marionette bin, sondern ein eigenständiges Gegenüber, das eigene Entscheidungen treffen darf.
Die Sicherheit dieser Erkenntnis der Selbstliebe macht mich erst frei zur Nächstenliebe. Gelebte Nächstenliebe wiederum führt mich erst in die wirkliche Freiheit.
Denn wenn ich sowohl mich als auch meinen Nächsten annehme, dann brauche ich keine Angst mehr vor Entdeckung meiner Intrigen, Verrat meiner Verfehlungen, Auffinden meiner Leichen im Keller zu haben - dies alles macht mich in der vermeintlichen Freiheit unserer Gesellschaft unfrei. Gelebte Nächstenliebe hat keine Leichen im Keller. Gelebte Nächstenliebe ist Freiheit.
Freiheit antiautoritär oder die Freiheit eines Christenmenschen? Für mich ist die Wahl klar. Die besseren Chancen hat der Christenmensch nicht erst im Paradies, sondern schon im hier und jetzt. Er ist befreit durch Christus zu Selbst- und Nächstenliebe und wird nicht eingekerkert durch seinen unkontrollierten Egoismus.
Wen der Sohn frei gemacht hat, der ist wirklich frei. Ich wünsche Ihnen allen die Freiheit eines Christenmenschen.
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.


16.11.2003 Kommerz oder Stille Nacht

Liebe Schwestern und Brüder,
süßer die Glocken nie klingen - Kommerz oder stille Nacht?
Das ist doch eigentlich eine ganz einfache Frage mit einer ganz einfache Antwort.
Aber, wie ist die Realität?
Morgen beginnt für mich die Vorweihnachtszeit, morgen wird hierin Düsseldorf der Weihnachtsmarkt aufgebaut. Ich werde dann mit meinem Mann zusammen bis Mittwoch unseren Stand dekorieren, und ab Donnerstag bis zum 23. Dezember jeden Tag auch sonntags in meinem Stand stehen und Waren verkaufen. Ich werde die Kirche in der gesamten Vorweihnachtszeit nicht betreten. Erst am 24. Dezember, am Heiligenabend, habe ich wieder Zeit für den Gottesdienst. Ich werde den Gottesdienst feiern, am ersten Feiertag werde ich nicht zur Kirche gehen, dann ist das große Weihnachtsfeiern bei meiner Familie dran. Auch im zweiten Feiertag werde ich der Kirche fernbleiben, dann werde ich endlich wieder ausschlafen. Und in der gesamten Adventszeit werde ich versuchen davon zu profitieren, dass alle Welt Weihnachtsgeschenke sucht.

Ziemlich verwerflich? Und dann stehe ich hier und predige über den Sinn der Weihnachtszeit!

Wie es bei mir ist, haben sie gerade gehört. Ich bin sicherlich ein Extrembeispiel! Aber wie sieht es sonst in der Vorweihnachtszeit aus? Seit August können Sie in den Geschäften die ersten Weihnachtsnaschereien kaufen. Die Weihnachtsdekorationen in der Innenstadt hängen spätestens Anfang November. Bald geht bei allen das Gehetze nach den Weihnachtsgeschenken los. Geschenke kaufen, Weihnachtsgebäck backen, Festtagsessen vorbereiten... Auf eine andere Art ist es auch nichts anderes als meine Weihnachtshetze.

Was wäre die Alternative? Wir lassen die Geschenke ausfallen? Wir lassen den Weihnachtsschmuck? Kein Weihnachtsgebäck? Kein Festtagsbraten? In jener Nacht vor zwei tausend Jahren gab es das alles nicht! Es gab den Stall oder die Felsenhöhle, es gab das neugeborene Kind und es gab die, die dazukamen, die Hirten vom Felde, die das mitbrachten, was gerade zur Hand war.

Ich könnte jetzt sagen, so einfach sollen wir alle wieder Weihnachten feiern - aber ich wäre nicht ganz ehrlich. Ich lebe vom Verkaufen, wenn alle die Weihnachtsgeschenke ausfallen ließen, ging es mir finanziell ziemlich katastrophal. Ich habe viel Geld dafür ausgegeben, dass ich denen, die Geschenke suchen, etwas verkaufen kann. Sollte ich also hier runtergehen und meinem Platz denen überlassen, die ehrlicher von Verzicht reden können? Aber wer wäre das? Unsere Pfarrer? Ich bin in ihren Wohnungen gewesen, ich habe mit Ihnen über ihre Urlaube gesprochen, über Autos oder über Träume - glauben Sie mir, es sind genauso Menschen wie wir, die auch das Geld, was Sie verdienen dazu nutzen angenehm zu leben. In unserer Gesellschaft machen wir es uns wohl alle gern bequem, wir genießen gern das Leben in größerem oder kleinerem Rahmen. Und dazu gehört in einem gewissen Rahmen auch die Jagd nach Geld, der kleine persönliche Luxus und die Weihnachtshetze.

In der Bibel steht geschrieben: ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon!
Das kann die Richtschnur sein: genieße ich einfach nur, was ich mir hart erarbeite, oder treibt mich die Gier, die Freude mehr zu besitzen, der reine Spaß am Geld? Finde ich neben dem Geldverdienst noch die Zeit, Kraft und Freude mit Gott zu sprechen? Verdiene ich zwar mein Geld, verspüre aber keine Schmerzen, wenn ich es für eine gute Sache einsetze, auch wenn diese mir persönlich nichts bringt. Vorbringe ich zwar viel Zeit für mich, für meinem Genuss, für meinem Vorteil, aber auch Zeit für andere? Nehme ich mir Zeit für Gespräche, für den Gottesdienst, für ein gemütliches Zusammensein mit Menschen, die sich darüber freuen, helfe ich, wo meine Hilfe am Platz ist?

Ich glaube nicht, dass dieser Satz in der Bibel so zu verstehen ist, dass jeder Verdienst über das Existenzminimum hinaus verwerflich ist. Sonst wäre unser ganzes Land bis auf wenige Ausnahmen garantiert verwerflich! Ich glaube nicht, dass ein wenig Hetze für Geschenke den Sinn der Weihnacht austreibt. Es ist, da bin ich mir sicher, wie in Vielem eine Frage der Dosis! Schenke ich, weil ich dem Beschenkten eine Freude machen möchte? Oder kaufe ich Geschenke, weil es sich so gehört? Arbeite ich bis zum Anschlag um meinen Reichtum zu mehren, oder geht es in dieser Situation einfach nicht anders? Ich kann beim Weihnachtsmarkt zum Beispiel nicht entscheiden, wann ich geöffnet habe, ich kann nur ganz oder gar nicht dabei sein. Und vor allem: finde ich in dem, was ich an Kraft und Hetze einsetze noch die Mitte des Weihnachtsfestes?

Finde ich das Kind in der Krippe, finde ich die Botschaft, die er uns gebracht hat? Sehe ich meinem Nächsten noch im Weihnachttrubel? Finde ich die Kraft und die Ruhe, wenn mein Nächster mich braucht?

Ich will nicht sagen, dass mein Verständnis des Weihnachtsfestes richtig sein muss, dass wir nicht doch mit meinem Weg zu sehr bei Kommerz und zu wenig an der Krippe, in der stille Nacht sind! Ich wirke zwar manchmal so, aber ich halte mich bei weitem nicht für allwissend!

Der Satz: ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon steht im Evangelium des Lukas im 16. Kapitel. In meiner Bibel ist der Abschnitt betitelt: vom rechten Gebrauch des Reichtums und er geht los:
ich sage euch: macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.

Ich verstehe diesen Satz so: wenn ich schon Geld verdiene und mehr als ich brauche um zu überleben, dann soll, kann und muss ich dieses Geld auch so einsetzen, dass ich es für Menschen tun. Ich kann mir etwas Gutes zu, aber immer auch meinem Nächsten. Dann kann ich eine Brücke schlagen vom Kommerz zur stillen Nacht. Wir haben eben das Anspiel gesehen, eine Szene inspiriert vom Geist der Weihnacht von Charles Dickens.Scrooge, der nicht versteht, welches Gefühl sich mit Weihnacht verbindet.
Wenn wir gleich hinausgehen in die Vorweihnachtszeit, in die Hetze und die Hektik und die Gemütlichkeit und die Wärme des Advents, dann sollten wir immer das Gefühl der Weihnacht, das Staunen und die Freude über das große Geschenk, über das neugeborene Kind in der Krippe, das größte Geschenk mit uns tragen. Wenn wir dieses Gefühl in aller Weihnachtshetze nicht verlieren, sondern weitergeben, dann sind wir, egal wo wir sonst stehen, näher bei der stillen Nacht als beim Kommerz!
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


18.01.04 Eiszeit herrscht auf der Erde

Liebe Schwestern und Brüder,
Eiszeit herrscht auf der Erde, Liebe ist unsere Antwort.
Eiszeit, es wird kälter, nein, ich mein jetzt nicht das Klima, ich meine zwischen den Menschen.
Jeder ist sich selbst der Nächste
man muss schon selber schauen, wo man bleibt
die... kriegen von unseren Staat doch alles
wer arbeitslos ist, ist selber schuld
die Ausländer sollen doch bleiben wo sie sind, wir haben auch nichts mehr zu verteilen
sparen, soll man doch bitte erst mal bei den Anderen!

Wie oft haben wir einen dieser oder einen ähnlichen Satz in den letzten Wochen gehört oder sogar selbst gesagt? Harmlos? Oder ein Zeichen ein kälteres Klima zwischen den Menschen? Wie oft haben wir Gespräche gehört, in denen diese oder jene Gruppe von Menschen an allem, was ihnen schadet " selber schuld " ist? Wie oft haben wir Gespräche gehört, oder selbst mitgesprochen, wenn es gegen diesen oder jenen Menschen geht?
Harmlos? Oder ein erster Schritt zur Eiszeit?
Wir müssen den Gürtel enger schnallen - Änderungen sind leider nötig, die goldenen Jahre sind vorbei...
Aber es ist dort, wo Entscheidungen getroffen werden, genau so wie in jenem harmlosen Sätzen. Jeder ist sich selbst der Nächste! Änderungen, Kürzungen werden, wo immer dies irgend möglich ist, am stärksten dort getroffen, wo man keinem auf die Füße tritt, der vielleicht zurücktreten könnte. Nicht, wem würde eine Einschränkung am meisten schaden - nein, wer würde mir nach einer Einschränkung am meisten schaden!
Ob Wirtschaft, ob Politik, alles dasselbe. Politiker aller Parteien sind sich einig, dass sich etwas ändern muss, das viele Bereiche, viele Gesetze komplett umgestellt werden müssen. Aber es wird nicht überlegt, was ist das Beste für dieses Land, jede Partei bastelt an einem eigenen Konzeptchen und schaut nach, wie sie den Anderen am Besten ein Bein stellt. Wer auch immer regiert, der Machterhalt und die eigene Profilierung ist unendlich viel wichtiger als alles, was durch eine Zusammenarbeit aller Parteien tatsächlich für dieses Land gewonnen werden könnte.
Eiszeit - das Klima wird kälter, viele Menschen müssen vielmehr strampeln um nur über die Runden zukommen.
Und uns geht es noch vergleichsweise gut! Wie sieht es in Ländern aus, in denen schon zu Zeiten der wirtschaftlichen Höhenflüge, die Mehrheit der Menschen heute nicht wusste, wovon sie morgen Leben soll. Wie sieht es in Ländern aus, in denen Hass und Gewalt regieren, weil so viel einfacher ist, sich nicht mit dem Gegner an einen Tisch zu setzen.
Eiszeit - wir haben eben aufgeschrieben, wo wir dies fühlen!
Kann man denn nichts dagegen tun??!
Kann man denn nichts dagegen tun??!
Kann man denn nichts dagegen tun??!



Diese Mauer aus Eisblöcken konnten wir einreißen! Wie schaffen wir das in der " wirklichen Welt?" Wie können wir das Eis zwischen den Menschen schmelzen? Wie können wir aus dem Eis, das unsere Herzen und unsere Gesellschaft lähmt etwas sinnvolles, etwas fruchtbares machen?
In der Natur schmilzt das Eis durch die Sonne und das gewonnene Wasser sorgt zusammen mit der Wärme der Sonne für die Fruchtbarkeit und das Wachstum des Frühlings!
Wie können wir die Eiszeit unsere Herzen tauen und den Frühling anbrechen lassen?
Wir sind hier in einer Kirche und deshalb werde ich jetzt genau das tun, was meine Kirche von mir erwarten kann: ich werde mit diesen alten Schinken nehmen und einen passenden Text daraus vorlesen:
Markus 12,28-34
28 Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?
29 Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
31 Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm,
33 und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.
34 Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

So, das ist meine Antwort auf die Frage, meine Antwort und so wie ich es verstehe die Antwort der Bibel! Und wie sie an unseren Eisblöcken gesehen haben, eine Möglichkeit zur Verwandlung!
Dieser Text heißt gerne: das Doppelgebot der Liebe - ich möchte es eher ein Dreifach-Gebot, denn es wird es geht um 3 Lieben:Du sollst den HERRN, deinen Gott lieben! Was ist lieben? Liebe ist ein allmächtiges Gefühl, das uns völlig ausfüllt. Wenn wir lieben, lieben wir immer, lieben wir ganz. Wenn wir lieben, können wir das nicht abschalten, egal was wir tun, und wo wir sind, die Liebe ist immer gegenwärtig. Genau das will Gott von uns! Wir sollen ihn lieben, das heißt wir sollen ihn nicht nur in unseren Kirchen haben, zu unseren Gebetszeiten oder in unseren Hauskreisen. Wir sollen Gott nicht nur begegnen, wenn wir uns und unser Leben sonntäglich für ihn fein gemacht haben. Wir sollen uns diese Liebe zu Herzen nehmen, Gott genauso lieben nur noch viel mehr, wie wir unsere erste große Liebe geliebt haben. Egal wo wir sind, egal mit wem wir sind, wir sollen Gott lieben. Dieses Gebot geht in das Privateste hinein, mitten in unseren Alltag, morgens wenn wir Aufstehen, wenn wir zerknittert sind und noch nicht richtig wach. Abends beim Zubettgehen, wenn die Augen zufallen und man nicht mehr klar beieinander ist.
Es gibt nichts Privates! Gott möchte ein Teil von allem sein! Von Alltag und Sonntag, von Zuhause und unterwegs, von Arbeit und Vergnügen.
Egal wo wir sind, egal was wir tun, Gott möchte, dass wir ihn so lieben, dass er überall dabei sein darf.
Er will unser Leben umkrempeln, genauso wie eine Liebe unser Leben umkrempelt, das Unterste nach oben kehrt und alles neu macht. Genau eine solche Umwälzung möchte Gott in unserem Leben sein.
Laden wir ihn ein, bitten wir ihn herein! Wenn wir Ihn und unsere ganze große Liebe zu ihm mitten in unserem Alltag haben, dann lieben wir ihn mit all unserer Kraft!

Dies ist also das erste Gebot, das Jesus auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot nennt. Gott lieben, so lieben, wie wir einen Menschen lieben – und das 2. genauso wichtige Gebot ist den Nächsten zu lieben, wie uns selbst.

Dies sind eigentlich 2 Gebote in einem. Den Nächsten lieben, genauso aus ganzem Herzen, ganzer Seele und aller Kraft lieben und annehmen – aber auch uns selbst. Nicht mich selbst wichtig nehmen und den Nächsten vergessen, aber genauso wenig in der Liebe für den Nächsten aufgehen und mich selbst klein machen. Beides in gleicher Menge, das ist das richtige Maß. Wenn ich weder mich selbst, noch meinen Nächsten als unwichtig abtue, wenn ich sowohl mir selbst, als auch meinem Nächsten meine Aufmerksamkeit, meine Geduld, meine Liebe widme, dann erfülle ich Gottes Gebot.

Ein vollendetes Dreieck der Liebe: Ich selbst, mein Nächster, Gott – alle 3 Ecken des Dreiecks in gleichem Maße mit aller Kraft und aller Energie geliebt.

Stellen wir uns doch einmal vor, wie das werden könnte – wenn ich den Nächsten liebe und mich und Gott und mein Leben danach ausrichte. Wenn ich dies tue und Du und Du und Du und alle Menschen hier und auf der ganzen Welt – wir würden alle einander nur mit Rücksicht und Liebe begegnen. Das Eis würde schmelzen, der Frühling würde ausbrechen zwischen den Menschen. Wir würden alle einander nur Gutes tun. Welch eine herrliche Welt.

Also worauf warten wir noch? Lernen wir zu lieben Gott und uns selbst und den Nächsten, den Nächsten und Gott und uns selbst, alle gleichermaßen und die Welt wird dem Reich Gottes einen Schritt näher kommen...
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen.


21.03.2004 Sklaverei

Liebe Schwestern und Brüder
Sklaverei…. Einige Beispiele haben wir gerade gehört, Sklaverei, wie sie heute noch täglich geschieht.
Statistiken sagen, dass heute noch weltweit zwischen 28 und 200 Millionen Menschen als Sklaven und sklavenähnliche Zwangsarbeiter leben, davon 8 Millionen Kinder..
Menschen besitzen andere Menschen.
Heute eher seltener mit dem „Recht“ diesen Menschen zu verkaufen….
In der Menschheitsgeschichte gab es diese Art des totalen Besitzes oft und lange.
Die Sklaverei in Amerika fällt vielen als erstes ein, aber zu der Zeit war Sklaverei schon ein alter Hut.
Im alten Griechenland und Rom gab es Sklaven, ja sogar in Israel…
Menschen wurden auf Feldzügen gefangen genommen und wurden zum Eigentum. Sie konnten gekauft uns verkauft werden und mussten das tun, was ihre Herren verlangten.
In Israel war es besser, zumindest für israelische Sklaven. Diese konnten immer nur für eine bestimmte Zeit verkauft und besessen werden. Alle 50 Jahre verlangte Gott ein Erlassjahr, in dem alle israelischen Sklaven freigesetzt werden mussten. Wer sich wegen Schulden selbst verkaufte, konnte sich ausrechnen, wann er auf jeden Fall wieder frei sein würde. Im Vergleich zu den umliegenden Ländern eine soziale, eine humane Art der Sklaverei, aber – nur für die Einheimischen, die fremdländischen Sklaven blieben Besitz.
Israel, Griechenland, Rom, Amerika Sklaverei
Aber auch Russland und viele Teile von Europa Jahrhunderte von Leibeigenschaft, nur ein anderer Name für Sklaverei
Auch in den anderen Weltgegenden wurden Menschen versklavt.
Die Geschichte ist voll Geschichten der Sklaverei, Geschichten von Menschen, denen es in der Sklaverei nicht schlecht ging, sind ebenso darunter, wie Geschichten von Menschen, die gequält und getötet, verkauft und von allen ihren Lieben getrennt wurden.
Menschen, die nicht darüber entscheiden durften, wo sie lebten, was sie arbeiteten, was sie mit ihrem Leben anfingen. Es gab Sklaven, die nicht Lesen und Schreiben lernen durften, andere, die nicht beten und Gott ehren durften, weil es ihren „Herren“ so gefiel und gefällt.
Sklaven, die nicht wissen, ob sie nach einem Tag harter Arbeit genug zu essen haben werden, ob sie wenn sie nach Hause kommen ihre Kinder noch vorfinden…
Das war und das ist, Geschichte und heute?
Es gibt viele dieser Abhängigkeiten und Sklavereien noch heute. Auch wenn es keine öffentlichen Sklavenmärkte mehr zu geben scheint, werden Menschen immer noch verkauft.
Kinder in Haushalte, ganze Familien in Lohnsklaverei, Frauen und Kinder in die Prostitution, und, und, und – wird das nie aufhören?
Heute ist die Sklaverei in fast allen Ländern geächtet und verboten – aber es gibt sie noch.
Menschen besitzen andere Menschen.
Aber es gibt nicht nur diese Art der Sklaverei – viele von uns lassen sich ein kleines Stück versklaven.
Immer wieder erleben wir Zwänge, leichte und schwerere, äußere und selbst auferlegte, die uns hindern unseren Weg so zu gehen, wie wir möchten.
Wir beugen uns der Konvention und der Meinung unserer Nachbarn und tragen die erste Kette. Wir haben zu viele Wünsche, die wir uns mit Geld erfüllen und müssen uns nun krumm legen um alles zu bezahlen … und tragen die nächste Kette…
Ist doch nicht so schlimm, eigentlich keine Sklaverei?
Auch die „gute“ Sklaverei bei einem guten und grosszügigen Herren, der seine Sklaven nicht überfordert und sie ihr Leben leben lässt scheint ja nicht so schlimm….
Jede Kette bindet uns und bringt uns weg von unserem Lebensziel.
Sklaverei morgen?
Wir wissen es nicht, aber die Menschheit müsste sich schon sehr ändern, dass Menschen nicht mehr andere Menschen ausbeuten und versklaven und Menschen sich selbst nicht mehr ohne Not in Sklaverei und in Abhängigkeiten bringen.
Sklaverei gestern, heuten, morgen
Und in Eweigkeit?
Das Buch Jesaja, Kapitel 43
1
Jetzt aber - so spricht der Herr, / der dich geschaffen hat, Jakob, / und der dich geformt hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, / ich habe dich beim Namen gerufen, / du gehörst mir.
2 Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, / wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort. Wenn du durchs Feuer gehst, wirst du nicht versengt, / keine Flamme wird dich verbrennen.
3 Denn ich, der Herr, bin dein Gott, / ich, der Heilige Israels, bin dein Retter. Ich gebe Ägypten als Kaufpreis für dich, / Kusch und Seba gebe ich für dich.
4 Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist / und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder / und für dein Leben ganze Völker.
5 Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. / Vom Osten bringe ich deine Kinder herbei, / vom Westen her sammle ich euch.
6 Ich sage zum Norden: Gib her!, / und zum Süden: Halt nicht zurück! Führe meine Söhne heim aus der Ferne, / meine Töchter vom Ende der Erde!
7 Denn jeden, der nach meinem Namen benannt ist, / habe ich zu meiner Ehre erschaffen, / geformt und gemacht.

Gott, der einzige Retter

8
Bringt das Volk her, das blind ist, obwohl es Augen hat, / und taub, obwohl es Ohren hat.
9 Alle Völker sollen sich versammeln, / die Nationen sollen zusammenkommen. Wer von ihnen kündigt dies an / und wer kann uns sagen, was früher war? Sie sollen ihre Zeugen stellen, / damit sie Recht bekommen, / damit man (die Zeugen) hört und sagt: Es ist wahr.
10 Ihr seid meine Zeugen - Spruch des Herrn - / und auch mein Knecht, den ich erwählte,damit ihr erkennt und mir glaubt / und einseht, dass ich es bin. Vor mir wurde kein Gott erschaffen / und auch nach mir wird es keinen geben.
11 Ich bin Jahwe, ich, / und außer mir gibt es keinen Retter.
12 Ich habe es selbst angekündet und euch gerettet, / ich habe es euch zu Gehör gebracht. Kein fremder (Gott) ist bei euch gewesen. / Ihr seid meine Zeugen - Spruch des Herrn. Ich allein bin Gott; /
13 auch künftig werde ich es sein. Niemand kann mir etwas entreißen. / Ich handle. Wer kann es rückgängig machen?

In der Ewigkeit wird Gott fordern, wofür er den Kaufpreis bezahlt hat, jeden einzelnen von uns! Kein Mensch wird mehr einen anderen besitzen, kein Mensch wird mehr von Gewohnheiten, Abhängigkeiten, Meinungen versklavt und eingeschränkt sein.

Aber, tauschen wir dann nicht die Sklaverei der Menschen durch die Sklaverei Gottes ein? Im alten Testament bei Jesaja sagt uns Gott, dass er uns gekauft und bezahlt und zu eigen genommen hat. Wir sind sein kostbarer Besitz, jeder von uns, wir gehören allein ihm, jeder von uns! Aber das alte Testament ist nicht das Ende, wir bleiben nicht einmal in der Sklaverei Gottes! Nein, wir sind befreit, Jesus hat für uns, für jeden einzelnen von uns alles bezahlt, er hat unsere Freilassung erkauft und bezahlt mit seinem Opfergang ans Kreuz, er hat stellvertretend für uns mit jedem Blutstropfen alles bezahlt, damit wir Gott frei entgegentreten können. Nicht als Sklaven und Besitz sondern als über alles geliebte Kinder, jeder und jede von uns.
Wir werden in der Ewigkeit bei Gott sein, aber niemand von uns als sein Sklave, sondern wir werden als Kinder und Freie an seinem Tisch beim Festmahl sitzen und frei sein, vielleicht das erste Mal in unserem Leben und Dasein.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


15.02.2004 Erste und Dritte Welt

Liebe Schwestern und Brüder,
was für eine tolle " bessere " Welt, in der wir leben. Seit Jahrhunderten kämpfen wir für den Fortschritt. Oft gegen unsere Nachbarn und so verwundert es auch nicht, dass wir den größten Fortschritt oft in der Waffentechnik gemacht haben. Wir haben es gelernt, einander auf vielfältige Art zu verletzen und zu töten. Wir haben noch andere Fortschritte gemacht, aber wenn es darum ging den sozialen Fortschritt, den Fortschritt in der Medizin und in der Gleichberechtigung aller Menschen zu erreichen, war es immer ein harter Kampf der kleinen Schritte, der ständigen Rückschritten unterlag. Gleiches Recht für alle ist in unserem fortschrittlichen Land noch heute ein Fremdwort. Unterschiedliche Chancen für Frauen und Männer, zugewanderte und gebürtige Deutsche, Menschen aus alten und neuen Bundesländern.
Bis heute hat unser ständiger Fortschritt noch nicht dafür gereicht, dass wir füreinander dazu sein gelernt haben. Aber wie sollen wir jemals die Hilfe für die eine Welt lernen, wenn wir die Hilfe füreinander noch nicht einmal in unserem nahen Umfeld beherrschen? Sollten wir nicht erst bei uns anfangen, ehe wir in der Ferne helfen? Ich glaube nicht, denn in Wirklichkeit gibt es keine Ferne mehr. Alle Menschen sind Bewohner Gottes einer Welt und in der modernen Zeit des Internets und der weltweiten wirtschaftlichen Verknüpfungen sollte auch das Gefühl der sozialen Verantwortung mitwachsen. Zumal wir alle, die wir in dieser so genannten " besseren ersten Welt " leben, dies zum Teil auf Kosten der Menschen in den Entwicklungsländern taten und tun.

Seit vielen Jahrhunderten verkleinerten wir Europäer die Entfernungen der Welt, in dem wir immer bessere Fahrzeuge zu Wasser, zu Land und zuletzt in der Luft schufen. Diese Fahrzeuge ermöglichten es den Entdeckern in die letzten Ecken unserer Welt zu schauen.
Aber leider haben es die meisten Entdecker nicht damit bewenden lassen neue Länder und Menschen kennen zu lernen, sondern sie mussten immer auch erobern. Es wurde nicht gefragt, ob ein Land oder ein Gut anderen Menschen gehörte. Es wurde nicht der Versuch unternommen Kulturen zu verstehen und daraus zu lernen. Nein, in den meisten Fällen wurden die fortschrittlichen Waffen dazu genutzt zu rauben und zu töten, denn eine Kultur, die nicht so tolle Waffen hervorgebracht hat wie unsere muss einfach minderwertig sein.
Ist Macht auf Grund von Gewalt wirklich ein Zeichen von Kultur?
Ist das nicht zu kurz gedacht? Sollten wir nicht wirklich einander achten und füreinander da sein? Einander helfen? Leider sieht unsere Geschichte anders aus von Ausnahmen abgesehen war und ist soziales Denken egal.
Hauptsache, wir vergrößern unseren eigenen Vorteil. Dies ist ein Denken, das viele Europäer verband und bis heute verbindet.
Dieses Denken kam auch vorhin zu Beginn des Gottesdienstes in dem Anfangskommentar der Eroberung Amerikas durch, wobei ich hier jetzt offen lassen möchte, wer die Ureinwohner Amerikas waren. Aber als die Europäer Süd- und Nordamerika erreichten, waren dort die unterschiedlichsten indianischen Kulturen und Stämme zu Hause. Kulturen, die zum Teil brutal waren, wie wir Europäer, aber auch Kulturen, die in großer Weisheit in Frieden lebten.
Auf diese Menschen stießen wir Europäer und suchte den Kampf, wir nahmen statt zu Fragen.
Den Anfang machten Männer, die meist in Frieden leben wollten und als Trapper einen guten Kontakt zu den Indianern hatten. Ihnen folgten aber die skrupellosen Geschäftemacher, die die gutgläubigen Menschen auf beiden Seiten ausnutzten und oft gegeneinander hetzten. Statt friedlichem miteinander sinnloses Blutvergießen, so eroberten wir Europäer Amerika und bauten daraus das mächtigste Land der Erde, das bis heute noch Rekordhalter in der Ignoranz gegenüber der Umwelt, der Rechte von Minderheiten und der Achtung der internationalen Gemeinschaft ist. Ein ignorantes Verhalten, das Europäer auf allen Kontinenten als Kolonialmächte zeigten.
Noch heute sind bei uns Vorurteil weit verbreitet: z.B. dass Afrikaner dümmer seien, dass andere Völker fauler sind, dass sie ihr Leid verdient haben. Dabei vergessen wir aber, dass wir Menschen in der ersten Welt bestehende Strukturen in den annektierten Kolonien zerstörten, Bodenschätze ausbeuteten und die stärksten Menschen über Jahrhunderte hinweg töteten und versklavten. Bei der Rückgabe der Länder achteten wir darauf, dass die Menschen die Regierung übernahmen, die uns genehm waren. Diese waren aber selten die geeigneten Menschen, um ein Land in Freiheit zu führen, das jahrhundertelang in Abhängigkeit lebte. So gaben unsere Regierungen der reichen Welt Unterstützung und Hilfe oft bewusst an Länder, die anstatt ihr Land aufzubauen, Kriege führten, die uns passten. Erst in den letzten zwanzig Jahren ist ein langsames Umdenken zu merken. Menschen wie Olof Palme und Willy Brandt sprachen als erste von einem Nord-Süd-Konflikt, der den Frieden der Welt gefährdet, weil die reichen Länder auf Kosten der Armen leben. Dies gilt für Regierungen und Bevölkerung bis heute, denn auch heute noch führt unser Denken zur Ausbeutung und Unterdrückung. Wir wollen alle Rechte einer Rundumversorgung, aber möglichst wenig dafür zahlen. Dies betrifft unsere soziale Absicherung genau so, wie unser Konsumverhalten. Wenn wir hier in den Wohlstandsländern alle, ob wir es wegen unseres Einkommens tun müssen oder nicht immer nur billig einkaufen wollen, dann unterstützen wir damit auch die Ausbeutung der Dritten Welt.
Wenn ich z. B. für Tee oder Kaffee nur wenige EURO bezahlen möchte, geht dies nur über zwei Wege: entweder, ich nehme eine schlechte Qualität in Kauf oder ich akzeptieren, dass der Tee- oder Kaffee-Bauer so wenig Geld erhält, das er nicht in der Lage ist, von seiner Arbeit zu leben.
Diese Auswirkung unseres Verhaltens gilt für jedes andere Produkt, dass wir billig in den Entwicklungsländern produzieren lassen.
Wir selber entscheiden mit, ob Menschen hungern oder Kinder für den Unterhalt der Familie arbeiten. Jeder, der hier für gerechten Lohn streikt, weiß, dass die eigene Arbeitskraft ihren Wert hat und den Wert müssen wir den Menschen in den Entwicklungsländern auch zubilligen. Wir drehen mit an dem Rad der Armut, aber es wird auch noch durch unsere Importgesetze verstärkt, denn bei uns wird der Zoll auf den Rechnungswert erhoben und so verteuert sich ein fair gehandeltes Produkt überdurchschnittlich gegenüber einem nicht ausreichend bezahlten Produkt, weil erheblich weniger Einfuhrzoll und Steuern die Ausbeutung durch unsere Konzerne noch subventionieren.
Wie Sie sehen, wir sind wirklich nicht besser, aber wir sind besser dran. Wir sind in vielen Bereichen besser dran, weil wir noch immer auf Kosten der Entwicklungsländer leben.
Erst wenn wir an dieser Stelle unser Verhalten ändern, dann können wir mit an Gottes einer Welt bauen.
Wie kann dies geschehen? Eine Möglichkeit, die wir haben, ist die Unterstützung von Projekten, die in den Entwicklungsländern den Menschen helfen sich selbst helfen.
Ein zweiter Schritt ist die Bereitschaft für produzierte Güter der Entwicklungsländer so viel zu zahlen, dass Menschen, die diese Güter produzieren, davon ein menschenwürdiges Leben führen können. Ein dritter Schritt ist zu erkennen, dass wir hier in den reichen Ländern nicht besser, fleißiger oder Intelligenter sind, sondern dass wir durch unsere aggressive Entwicklungspolitik den letzten Jahrhunderten diese Vorteile erreichten. Jetzt ist es an der Zeit den Menschen in den Entwicklungsländern die gleichen Chancen zu geben.

Jesus hat uns zur Nächstenliebe, zur Achtung und Hilfe füreinander aufgerufen. Er machte keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, Sklave oder freier Bürger, zwischen Hautfarben oder Nationen. Jesus lebte uns soziales Denken vor und versprach uns Hilfe, wenn wir ihm nachfolgen. Ich glaube, es ist an der Zeit, Jesus ernst zunehmen. Wie kann das aussehen?
Direkt vor der Predigt sahen wir den UNICEF Film mit Helmut Lotti. Er sang dazu: er ist nicht schwer, er ist mein Bruder.
Wenn wir lernen alle diese Menschen in dem Camp nicht als Bettler und Belastung zu sehen, sondern als die Brüder und Schwestern, von denen Jesus sagte: " alles, was Ihr diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, dass habt ihr mir getan ", dann würden wir alles tun, um Ihnen zu helfen und damit Jesu Willen erfüllen.
Wie dies aussehen kann, habe ich schon an einigen Beispielen gezeigt, enden möchte ich jetzt aber mit einer kleinen Meditation zu dem Bild, das ihnen gerade verteilt wird. Dies zeigt mögliche Wirkungen eines Projektes auf, dass große Kreise ziehen kann.

Meditation

Die Spur eines Fußes.
Im Hintergrund weitere Fußspuren
Jemand ist hier auf nackten Füßen durch den Sand gelaufen.
Hacken und Zehen haben sich tief in den Sand gedrückt.
Wer hier ging, trug eine schwere Last.
Es wird eine Frau gewesen sein, die da gegangen ist.
Denn es sind die Frauen, die in Afrika, in Indien, in Indonesien und im tropischen Lateinamerika die Lasten tragen.
Sie tragen die Wasserkrüge auf ihren Köpfen
Und das Feuerholz zum Kochen auf ihrem Rücken
Und sie tragen ihre Kinder.
Die geborenen und die noch ungeborenen
All das tragen sie Stunde um Stunde. Tag für Tag
Viele Kilometer weit.
Auf bloßen Füßen.
Bei brütender Hitze wie bei strömendem Regen.
Übrigens ist auch Jesus barfuß gegangen. So wie diese Frau. Sandalen waren in seinem Dorf, in Nazareth Luxus. Wer arm war, so wie er, konnte sich keine
leisten, ihm nachzufolgen hieß daher für seine Freunde, die Jünger, barfuß zu laufen wie ihr Meister Im Neuen Testament wurde das festgehalten.
Im Matthäus-Evangelium, Kapitel 10.
Daran jedoch wird die Frau, die hier ging nicht gedacht haben.
Sie lief hier mit ihrer Last, weil sie eine große Familie zu versorgen hat.
Weil ihr Mann von ihr erwartet, dass sie das Wasser und das Feuerholz heranschafft.
Und auch für die Dorfältesten ist das selbstverständlich
Als Frau muss sie gehorchen.
Eigene Rechte hat sie kaum,
Denn als Frau steht sie weit unter den Männern
Nein, auf eigenen Füßen wird die Frau nicht gestanden
haben, deren Fuß sich hier so tief in den Sand gegraben hat.
Aber vielleicht wird sie träumen, wenn sie, zusammen mit den anderen Frauen, ihre Last trägt.
Sie könnte zum Beispiel träumen von den kleinen Gruppen, die es jetzt in einigen Nachbardörfern gibt.
Gruppen, in denen Frauen wie sie lesen und rechnen und schreiben lernen.
In ihrer eigenen Sprache. Nicht wie in der staatlichen Schule, wo sie Schulgeld hätte zahlen müssen was ihr niemand gegeben hätte.
Nicht in großen Klassen mit 50 anderen, kilometerweit weg. Und dann in der Sprache der Weißen die in ihrer Welt niemand spricht.
Nein, der Kurs, von dem sie träumt, könnte in ihrem Dorf stattfinden, in einer Hütte oder unter einem Baum
Und die Lehrerin wäre eine einfache Frau wie sie selbst
Eine, die selber in so einem Kurs lesen
schreiben und rechnen gelernt, und sich dann weitergebildet hat,
So ein Kurs wäre für sie eine Chance.
Denn dann hätte sie etwas vorzuweisen
Lesen, schreiben und rechnen kann in ihrem Dorf bisher kaum jemand.
Und eine Frau schon gar nicht.
Sie könnte ihr Gemüse auf dem Markt verkaufen.
Sie könnte für sich und die Kinder eigenes Geld verdienen. Dann könnte sie aufrecht gehen
Dann wäre sie geachtet.
Dann stünde sie auf eigenen Füßen.
Vielleicht hat sie sogar noch weiter geträumt, die Frau die hier gegangen ist:
Vielleicht hat sie gehört von der Gruppe von Frauen,
die sich zusammen eine gebrauchte Nähmaschine kauften und jetzt die traditionellen weiter Kleider
in den wunderschönen Farben selber nähen und verkaufen können.
Das wäre natürlich alles Neuland für sie
Selbständig zu sein:
Bei diesem Traum wird ihr fast schwindelig
Wie gefährlich das wäre. Aber mit anderen zusammen?
Schön wäre es schon.
Dann hätte sie sogar „was an den Füßen" - wie die Frauen
in der kleinen Stadt.
Und dann müsste sie vielleicht auch nicht mehr jedes
Jahr ein Kind kriegen. Das würde sie ihrem Mann schon beibringen.
Alles, was die Frau geträumt haben mag, die hier
schwer beladen ihren Fuß in den Sand drückte
könnte für sie Wirklichkeit werden.
Denn alles, wovon sie träumte, geschieht
In vielen Dörfern ihres Landes.
Durch die Initiative einfacher Frauen,
denen „Brot für die Welt" hilft, sich selber zu helfen.
Heiko Rohrbach, Warburg

Brückenaufsatz

Ein Projekt von vielen, das Sie unterstützen können. Mit jeder Hilfe, die wir hier leisten, überbrücken wir die Kluft zwischen erster und 3. Welt, die wir mit geschaffen haben. Durch jede weitere Hilfe von uns wird diese Brücke, die jetzt unsere Türme verbindet, tragfähiger. Für ein gesundes Fundament möchten wir Ihnen jetzt viele EUROs schenken, Euros, die für sie eine Anregung zur Hilfe sein sollen. Außerdem möchten wir ein Novum mit diesem Gottesdienst beginnen, in dem wir Sie um eine Spende bitten möchten. Dafür werden sie heute und bei den nächsten beiden Gottesdiensten, die auch von Eine-Welt Themen handeln auf unseren Kaffee- und Tee-Tischen jeweils eine Spendendose für Selbsthilfe-Projekte finden. Dies soll für sie eine Möglichkeit für einen ersten Schritt sein.
Jesus hat alle Menschen lieb, aber ein fröhlicher Geber erfreut Jesu Herz.
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


18.04.2004 Aids

Aids - Seuche der Welt, Geißel Afrikas, lässt Gott uns allein?
Liebe Schwestern und Brüdern,
Aids, ist das heute, heute noch, ein Thema für einen Gottesdienst? Haben wir in den Jahren und Jahrzehnten Zeit für diese Krankheit kennen nicht schon alles über diese Krankheit gesagt, gehört und gelesen. Als wir die ersten Plakate für diesen Gottesdienst in der Gemeinde aushängten und die ersten Handzettel verteilten, sprachen uns Gemeindemitglieder an, dass dieses Thema doch längst aus allen Bereichen betrachtet und erledigt sein sollte.
Ich habe bei diesem Thema, Aids, das Gefühl, es geht immer noch vielmehr um Berührungsängste, als um erledigte und überholte Themen.
Die Krankheit Aids, die Diagnose HIV positiv, sind für uns besonders problematisch, weil sie uns so besonders verletzlich erscheinen lassen.
Eine Krankheit, die durch sexuelle Kontakte oder durch das gemeinsame Benutzen von Drogenspritzen übertragen werden kann, schürt zunächst auch nach über 20 Jahren die Vorurteile. Das, was wir zuerst über die Möglichkeiten gehört haben, infiziert zu werden, klingt zu sehr nach einer Krankheit, deren Kranke " selbst schuld " sind. Sie hört sich für uns nicht Betroffene zuallererst so an, als ob die Kranken und die Infizierten selbst für ihre Infektion verantwortlich wären. Als ob man diese Krankheit ebenso als Strafe Gottes oder Bezahlung für sündhaftes Verhalten verstehen könnte.
Es ist richtig, dass man auf diesem Wege erkranken kann, man kann den Virus aber auch durch Blutübertragungen bekommen, Kinder von infizierten Frauen werden mit der Krankheit geboren und auch bei den bekanntesten Übertragungswegen wäre die Bezeichnung Schuld sicherlich zu oberflächlich.
Nach den aktuellen Schätzungen aus dem Dezember des vergangenen Jahres sind etwa 40 Millionen Menschen von dieser Krankheit infiziert, etwa 5 Millionen wurden im Jahre 2003 neu infiziert. Das heißt, und obwohl wir seit über 20 Jahren von der Krankheit wissen und mindestens seit über 10 Jahren die Informationen über diese Krankheit als " allgemein bekannt " gelten, sind von den aktuell lebenden erkrankten Menschen ein Achtel erst im vergangenen Jahr infiziert worden. Information, Aufklärung und ein verantwortungsvoller Umgang hätte viele dieser Erkrankungen verhindern können. Viel schlimmer als die Gesamtzahl sieht die Entwicklung bei den Kindern unter 15 Jahren aus: 2003 lebten zweieinhalb Millionen Kinder mit HIV/Aids - 700.000 von ihnen haben diese Infektion erst in 2003 bekommen. Insgesamt ist ein Achtel der infizierten Menschen in 2003 infiziert worden, aber über 1/4 der infizierten Kinder. Hier kann nicht von Verantwortung der Erkrankten gesprochen werden, die kann uns nur die Wut packen! Eine Krankheit, deren Übertragungswege durch Information, Aufklärung, Unterstützung und im Falle der Mutter Kind Übertragung durch den Einsatz richtiger Medikamente größtenteils verhindert werden kann, sollte heutzutage nicht mehr so schnell sich verbreiten.
40 Millionen Menschen weltweit, von diesen 40 Millionen wahrscheinlich über 25 Millionen in Afrika südlich der Sahara. Weltweit 2,5 Millionen Kinder, davon etwa 2 Millionen in Afrika südlich der Sahara. In Europa, in Nordamerika, in den reichen Gebieten Asiens, ist diese Krankheit immer noch schlimm, kann diese Krankheit immer noch töten, aber mit den richtigen Medikamenten, mit der richtigen Behandlung ist ein lebenswertes Leben, nach heutiger Erkenntnis sogar ein langes Leben möglich und wahrscheinlich. In den armen Ländern ist weder vorbeugende Information, Aufklärung gegen Infektion, nach Therapie zur Erhaltung lebenswerten Lebens oder zur Vermeidung der weiteren Ausbreitung verfügbar.
Aids verbreitet sich am stärksten und schnellsten durch Armut, Diskriminierung der Infizierten und Erkrankten, unzureichende Gesundheitsversorgung, fehlende Information, Benachteiligung von Frauen, soziale Katastrophen und Krieg, Menschenrechtsverletzungen und fehlende Zukunftsperspektive.
Solange in den Ländern Afrikas, die den höchsten Anteil an Neuinfektionen haben in vielen Bereichen fast jede dritte Frau in gebärfähigen Alter noch nichts oder nicht genug über diese Krankheit gehört hat, solange Kenntnisse und Möglichkeiten über das Verhindern der weiteren Ausbreitung, solange im Falle der Erkrankung Medizin und Therapie nicht möglich sind, wird die Ausbreitung gerade in den bevölkerungstärksten Gebieten dieser Erde nicht weniger, sondern sich eher wie eine Lawine ausbreiten.
Ich kann mir nicht vorstellen, Aids könne eine Strafe Gottes, ein Lohn für Sünden sein! Ich kann mir nicht vorstellen, gerade hier würde Gott uns alleine lassen! Gott ist bei uns, bei allen Menschen, die ihn brauchen, bei allen Menschen die ihn suchen. Gerade in Krankheiten, besonders in schweren Krankheiten, bei denen der Tod eine Möglichkeit ist, fühlen wir uns leicht alleingelassen, auch wenn wir es nicht sind. Ich selber kenne niemanden näher, der mit der Diagnose HIV leben muss, aber ich kenne und kannte Menschen mit anderen schweren, tödlichen Krankheiten. Meine beste Freundin ist an Krebs gestorben, also sie nicht einmal 30 war. Ich habe, wenn auch am Rande mitbekommen, wie es ist, wenn man in jungen Jahren mit seiner Sterblichkeit hadert. Aber es gab einen gewaltigen Unterschied! Tatjana konnte jedem Menschen offen sagen, welche Krankheit sie hatte. Jeder hatte Mitleid und Verständnis, niemand hatte durch diese Krankheit Berührungsängste oder scheute vor ihr zurück! Sie konnte die Jahre zwischen der Erkrankung und dem Sterben im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten " normal " leben. Jemand hingegen, der HIV-infiziert ist, geht, wenn er oder sie offen über die eigene Krankheit spricht, immer noch das Risiko ein, ausgegrenzt zu werden. Diese Krankheit kann tödlich sein und sie ist übertragbar. Wir wissen zwar, rein vom Kopf, dass die Möglichkeiten diese Krankheit zu bekommen, an Blut und andere Körperflüssigkeiten gebunden sind; wir wissen es, aber scheuen dennoch zurück, neben einem Infizierten zu sitzen, ihn oder sie zu berühren oder gar etwas zu essen was der angefasst haben könnte, wie einen Keks von einem gemeinsamen Teller. Es ist uns unangenehm, wenn in der Klasse, in der unsere Kinder unterrichtet werden, ein infiziertes Kind säße, auch wenn wir wissen, dass sich die Übertragung innerhalb einer Schulklasse oder eines Kindergartens verhindern lässt. Wir wissen das alles und sind dennoch voller Vorurteile. Wir grenzen immer noch infizierten Menschen aus, grundlos, vielleicht aus einen Überlebensinstinkt heraus. Die verletzen Menschen, sie die bereits durch die Krankheit verletzt und ausgegrenzt sind. Wir fügen Schmerzen zu, wo diese schon durch die Krankheit möglich sind. Und dies hier, in der aufgeklärten ersten Welt, unter uns Christen!
Es sollte unsere erste Erkenntnis sein, dass wir versuchen zu verstehen und damit umzugehen, dass diese Krankheit genauso wenig wie Krebs und viele andere Krankheiten die Ursache für eine Ausgrenzung sein sollte und kann. An der Wand zu sehen sind immer noch die " schmerzhaften Symptome ", die den erkrankten Menschen das Leben unnötig schwer machen. Diese Bewusstseinsänderung ist etwas, was jeder von uns tun kann und soll.
Ich setze jetzt einfach voraus, dass wir alle Risiken, die zur Infektion führen können kennen und meiden.
In Afrika haben wir außer der sozialen Ausgrenzung sehr starke gesellschaftliche Probleme durch die Krankheit und ihre rasante Ausbreitung.
Wir haben eben eine Statistik gesehen, aus der man sehen konnte, dass es fünf afrikanische Länder gibt, in der sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen um mehr als 15 Jahre dadurch reduziert, dass etliche an AIDS sterben. Wir haben gehört, dass allein zweieinhalb Millionen Kinder weltweit mit Aids leben, davon 2 Millionen im südlichen Afrika. Weltweit sind 14 Millionen Kinder durch Aids ohne Eltern, davon 11 Millionen in Afrika. Wenn wir hier krank werden oder sogar sterben, werden unsere Angehörigen nicht gegen den Hungertod kämpfen müssen. Es werden keine Kinder, die als Waisen zurückgelassen wurden, allein für ihre Geschwister verantwortlich sein müssen. Das bedeutet nicht, ein Mensch, der hier infiziert wurde, hätte es gut - nein, es bedeutet nur, in manchen Weltgegenden hat bei einem Infizierten in der Familie die ganze Familie schlechtere Chancen zum Überleben.
Lässt Gott uns allein? Ich kenne keinen Bibeltext, in dem über Aids gesprochen wird. Ich werde jetzt auch nicht irgendeinen Text nehmen und ihn solange biegen, bis er passt.
Der einzige Bibeltext, der mir dazu einfällt, sagt mehr darüber, wie wir miteinander umgehen sollen, als was Gott uns dazu sagen möchte. Es ist das Doppelgebot der Liebe, wie Jesus es uns lehrt. Du sollst Gott deinen Herrn leben, von ganzer Seele, von ganzem Herzen und mit all deiner Kraft und deinen Nächsten, wie dich selbst.
Egal, wo mein Nächster lebt, egal, was für Probleme er hat, ich soll ihn lieben!
Aids ist nicht die Frage, ob Gott uns damit alleine lässt, ich denke, er traut uns zu und vertraut darauf, dass wir miteinander damit umgehen lernen.
Einer den anderen annehmen ohne Berührungsängste.
Das, was medizinisch möglich ist, allen Menschen zur Verfügung stellen ohne Kostendruck, Patentauflagen und Gewinnwünsche. Es gehen der Pharmaindustrie keine Gewinne verloren, wenn sie in Ländern, in denen sowieso niemand die Medikamente bezahlen kann, diese zum Selbstkostenpreis verkauft oder auch durch Spenden finanziert werden. Wir können spenden, wir können auch Initiativen unterstützen, die in solchen Fällen Patente nicht mehr über Menschenleben stellen wollen.
Wir können Information und Aufklärung unterstützen, wo immer sie sich bietet. Es gibt zahlreiche Initiativen, die in diesem Thema aktiv sind, hier im Land und weltweit.
Wir können weiter denken, wo wir helfen können!
Und wenn jeder und jede einen kleinen Schritt geht aufeinander und auf die Nächstenliebe zu, dann ist die Frage: " lässt Gott uns allein? " Überflüssig, denn die Antwort heißt dann: " Sieh her, Gott hat uns Menschen geschickt! "
Und der Friede Gottes der höher ist das all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


16.05.04 Märchen vom Frieden im Irak

Liebe Schwestern und Brüder,
die Kampfmaßnahmen sind beendet. Auch wenn es uns nicht klar ist, aus Sicht der US Regierung haben wir ein Jahr lang Frieden im Irak, denn Präsident Bush erklärte die Kampfmaßnahmen nicht erst heute, sondern schon im Mai 2003, für beendet.
Einmal mehr führte uns diese US Regierung ihre eigensinnige Weltsicht vor.Zunächst erklärte sie Länder, die ihr nicht passten oder, wegen der Bodenschätze, besonders passten zu Schurken-Staaten, die mit allen Mitteln bekämpft werden mussten.Dann versuchte sie, der Welt einzureden, dass der Irak voller Massenvernichtungswaffen sei, die kurz vor dem Einsatz stehen.Als die Welt das nicht so ganz glauben wollte und sich nicht entschloss, einen Krieg gegen den Irak für wichtig, richtig und gut zu heißen, setzte sich die US Regierung darüber hinweg und führte den Krieg alleine mit einigen Verbündeten. Der Krieg sollte ein Spaziergang werden und alle Warnungen, dass die Elite-Einheiten von Hussein nicht so schnell aufgeben würden, dass es Partisanen-Kämpfe geben würde, wurden nicht ernst genommen.Es entstand eine Liste von Staaten der besonderen Freunde der USA, die die Kriegs Maßnahmen unterstützten. Diese Liste enthielt etliche totalitäre Länder, die ihr Volk genauso unterdrückten, wie Präsident Bush das Saddam vorwarf.Die Opposition im Irak wurde von der US Regierung hofiert, obwohl sie zu einem großen Teil aus Schiiten bestand, die eher terroristische Maßnahmen gegen die Welt durchführen würden als Saddam. Der Krieg gegen den Terror wurde dadurch nicht glaubwürdiger.Dann begann der Krieg und der Irak wurde nachdem der Senior Bush ihn vor 13 Jahren ins Mittelalter zurückgebombt hatte, nun weiter vernichtet. Genauso wie vor 13 Jahren trafen die unfehlbaren Präzisionswaffen nur strategische Ziele wie Siedlungen, Krankenhäuser...und auch Bunker, Militärflugplätze, Waffenstellungen.Nach wenigen Wochen waren die US Truppen in Bagdad und nun sollte der Welt gezeigt werden, wie verkehrt sie gelegen hat. Überall wurden Iraker gezeigt, die freudig jubelnd die GI´s umringten. Seltsam bei diesen Bildern war nur, dass häufig dieselben Gesichter von Exilirakern aus den USA dabei waren.Auch war es interessant zu sehen, wie auf einem zentralen Platz in Bagdad unter dem Jubel der Bevölkerungsmassen ein Panzer eine Statue von Hussein umriss. Komisch war nur, dass die Weltpresse nur eine Kameraeinstellung zu sehen bekam während über Al Jazeera das Panoramabild gezeigt wurde, auf dem eine kleine Gruppe von Menschen rund um die Statue gezeigt wurde und der restliche Platz bis auf etliche Panzer menschenleer war.
Bagdad war erreicht, Bush erklärte die Kampfhandlungen für beendet. Das ist ein Jahr her.

In diesem letzten Jahr starben mehr GI´s als zur Zeit des offiziellen Krieges. Der Widerstand der irakischen Bevölkerung wird immer massiver und inzwischen sind alle Ausländer im Irak hochgradig gefährdet.
Es ist eine alte Weisheit, dass ein Krieg immer mit einer Lüge beginnt, das neue an diesem Krieg ist allerdings, dass eine Lüge die nächste jagte und immer wenn die eine Lüge der US Regierung bloßgestellt wurde, sie nahtlos durch eine neue ersetzt wurde.
Zum Beispiel als klar wurde, dass keine Massenvernichtungswaffen da sind, wurde plötzlich erklärt, dass die US Regierung vom Geheimdienst falsche Unterlagen und Interpretationen bekommen hat. Es gab in den letzten anderthalb Jahren viele Aussagen, die je nach Bedarf gebogen wurden. Das alles, um einen Krieg, der noch unnützer und verachtungswürdiger war, als Krieg sowieso schon ist, immer weiter zu verteidigen. Erst gegen die UN und die Weltöffentlichkeit und dann gegen das eigene Volk. Denn auch dies ist neu: in diesem Krieg hat es erstmalig in den USA eine Friedensdemonstration von Angehörigen der GI´s, die im Kampf sind, gegeben.
Frieden, da wären wir wieder bei dem Wort, das mir persönlich wesentlich sympathischer ist. Frieden bedeutet nicht, dass ich um den Ball eines anderen zu bekommen solange auf ihn einprügele, bis er ihn mir selbst überlässt. Frieden bedeutet, dass ich eine Hand reiche und wir gemeinsam mit dem Ball spielen oder dass ich auch akzeptiere, dass ich vielleicht nicht mitspielen darf. Eine wirtschaftlich starke Nation wie die USA hatte und hat genügend friedliche Möglichkeiten an das Öl anderer Leute zu gelangen und auch um eigene Interessen durchzusetzen. Ein Krieg sollte dann nicht mehr die erste Wahl sein. Zumal wenn sich, wie in diesem Falle, der Präsident Bush als Christ hinstellt und quasi einen heiligen Krieg gegen das Böse verkündet.
Ich habe von vielen Geschwistern E-Mails bekommen, die sagten, dass man nichts gegen Bush und seinen Krieg sagen dürfe, weil er als wiedergeborener Christ unter dem besonderen Segen Gottes stünde. Ich möchte hier nicht abstreiten, dass Bush wiedergeboren und ein Christ ist. Das kann ich nicht, denn das ist allein eine Sache zwischen Gott und George Bush. Was ich allerdings sagen kann, ist, dass jeder Mensch, der Krieg führt oder andere Menschen angreift nicht im Einklang mit dem Willen Gottes handelt. Denn wenn uns Christus ein hinterlassen hat, was eindeutig ist, dann ist es der Umgang mit unseren Mitmenschen egal welcher Hautfarbe, Nation, ethnischer Gruppierungen oder welchem Glauben Sie anhängen.
Er hat uns ganz klar gesagt, dass wir in Frieden leben sollen und wie er es im Doppelgebot der Liebe sagt: " Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. "
Lieben, nach friedlichen Wegen suchen, dass ist die Aufgabe von uns Christen. In der Bergpredigt sagt Christus: " Selig sind die friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen."
Kein heiliger Krieg, kein Krieg gegen das Böse, sondern Frieden schaffen. All die Kreativität und die Erfindungsgabe, die in die Entwicklung und den Einsatz von Waffen gesteckt wird in Ideen zu investieren, die den Frieden und die Lebensqualität aller Menschen sichern, das ist in Jesu Sinne.
Aber was können wir jetzt ganz konkret tun, gegen den Krieg im Irak, für den Frieden? Zunächst einmal können wir immer und überall Position beziehen, für Frieden eintreten und eine Lüge eine Lüge nennen. Ein Protest, der verändert, der bewegt, beginnt immer mit der Überzeugung, wohl gemerkt Überzeugung, nicht Überredung im persönlichen Gespräch!
Dann können wir dadurch, dass wir hier für ein Klima des Friedens sorgen, auch den Menschen in Amerika Mut machen, die für den Frieden eintreten. Nicht zuletzt können wir uns auf die größte Friedensmacht stützen, das Gebet. Im Gottesdienst, bei der Arbeit, im Gespräch, auf der Demonstration, am Infotisch. Überall können wir im Gebet Gott und Christus einbeziehen in unser Eintreten für den Frieden.
Selig sind die Friedfertigen, die für den Frieden eintreten, aber effektiver sind die Friedfertigen, die Gott in ihr Handeln einbeziehen.
Und der Friede Gottes der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


20.06.04 Ware Kind

Liebe Schwestern und Brüder,
Ware Kind oder lasset die Kindlein zu mir kommen!?
Weltweit leben zur Zeit über 2 Milliarden Jugendliche unter 18 Jahren, davon fast ein Drittel Kinder unter fünf Jahren. Manche Erwachsenen sprechen davon, wie schön es ist, ein Kind zu sein, und für viele Kinder trifft dies sicher auch zu. In unserem Anspiel haben wir eben einige wenige Fragmente und Andeutungen gehört, wie schrecklich es sein kann, ein Kind zu sein.

Kindern geschieht Gewalt, überall auf der Welt, jederzeit, immer wieder. Ich spreche jetzt nicht von der ungezielten Gewalt, der Gewalt von Krieg, Verfolgung, Hunger, Naturkatastrophen, also den Gewalten, bei denen es Zufall ist, ob es Kinder oder Erwachsene trifft. Nein, ich spreche von der Gewalt, die sich gezielt Kinder aussucht, von der Gewalt, die Kinder als Opfer, als Mittel zum Zweck, als Ware verwendet, aber nicht als eigenständige Menschen.
Eine Form dieser Gewalt ist die Kinderarbeit, die Ausbeutung von Kindern weit über ihre körperlichen Kräfte und ihr Alter hinaus. Arbeit in Bergwerken und Steinbrüchen, auf Müllhalden und in Fabriken, in Haushalten, und und und.

Eine weitere Form der Gewalt gegen Kinder ist die sexuelle Gewalt, die uns im Moment durch den Prozess in Belgien, wieder schmerzhaft ins Augenmerk gerückt wird. Diese Form der Gewalt, die von pornografischen Fotos bis hin zu Vergewaltigung und Mord aller Altersstufen reicht, ist die Art der Gewalt, die mir am unverständlichsten und am brutalsten scheint. Quer über die Welt hat sich eine "Industrie" entwickelt, die Kindern diese Art von Gewalt antut, diese dokumentiert und vermarktet. Tagtäglich geschieht Schreckliches und schon in der seriösen Presse erfährt man Details, die nur noch Übelkeit hervorrufen können.

Nicht weniger schrecklich für die betroffenen Kinder ist Gewalt durch den Einsatz in militärischen Aktionen. Wir haben von " Kindersoldaten " gehört oder gelesen, Kindern im Grundschulalter oder wenig darüber, die in bürgerkriegsähnlichen regionalen Kriegen durch brutale Gewalt zu Kämpfern gepresst und gezwungen werden. Kinder, die lernen ohne Skrupel und ohne zögern zu töten, die dies oft lernen müssen an Menschen, die ihnen etwas bedeuten. Wenn wir davon hören, erschrecken wir, gehen aber von kleinen Zahlen betroffener Kinder aus. Wenn wir allerdings als Kind, wie im Recht unseres Landes üblich, Menschen unter 18 Jahren zählen, dann stellen wir mit Erschrecken fest, dass Kinder in mehr als 85 Ländern, insgesamt über eine halbe Million rekrutiert werden. Außer den vermuteten Rebellentrupps und Ländern der Dritten Welt finden sich in der Liste derer, die Menschen unter 18 Jahre in aktive Kampfeinsätze senden, auch Demokratien der ersten Welt, wie die USA und Großbritannien.

Kinder werden als Ware verkauft, als Lohnsklaven, Prostituierte, Soldaten, als Taschendiebe, die zu jung für unser Rechtssystem sind, als Wechselbetrüger, als Drogenkuriere. Andere Kinder arbeiten frühzeitig daran, die Träume ihrer Eltern zu verwirklichen. Sport oder Modefotos sind nur 2 Wege von vielen, die sowohl von Kindern gewollt und gewünscht, als auch als spielerischer Wunsch begonnen, danach von Eltern durchgesetzt existieren.
Kindern wird die Kindheit geraubt. Sie erleben nicht eine Zeit des Lernens, des Spielens, eine Zeit, in der man seine eigenen Fähigkeiten, Wünsche und Träume erkennt, und lernt, was für Vorstellungen man in seinem Leben daraus entwickeln möchte.

Aber was hat diese Überlegung in einer Kirche, in einem Gottesdienst zu suchen? Was haben Gedanken über Gewalt, Brutalität und Entrechtung von Kindern mit Kirche zu tun?

Kinder haben etwas mit der Kirche, mit dem Gottesdienst, mit dem Glauben zu tun. Es gibt für mich zwei Kerntexte, in denen Jesus sich zum Umgang mit Kindern äußert. Der erste davon ist schon im Titel unseres Gottesdienstes enthalten, ich lese aus dem Matthäusevangelium

Matth. 19,13-16: Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte und für sie betete. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich. Dann legte er ihnen die Hände auf und zog weiter.

Kinder haben ein besonderes Anrecht, Kinder haben die persönliche Einladung zu Jesus kommen, bei ihm zu sein, sie sind schon so, wie wir für das Himmelreich wieder werden müssen. Kinder sind, solange Erwachsene sie nicht verbogen, verdreht, ausgebeutet und umerzogen haben, zuerst einmal vertrauensvoll, offen, meist zuversichtlich, sie glauben viel leichter Gutes als Böses und tun es auch leichter, solange bis wir Ihnen anderes vorgemacht, bewiesen oder zugemutet haben. Kinder können zunächst Menschen ohne Einschränkung vertrauen - uns Erwachsenen fällt dies unsagbar schwer. Deshalb sind Kinder dem Himmelreich näher.
Das genaue Gegenteil von der Gewalt und der Ausbeutung. Aber Jesus wusste, dass die Kindheit nicht für alle nur Sonnenschein sein kann. Er wusste, dass Kinder von Erwachsenen ausgebeutet und missbraucht, verletzt und verschreckt werden. Dies zeigt er in einem zweiten Text, Matth. 18, 1-6
In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, das sage ich euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.

Die Kindheit, sein wie die Kinder, als Wegweiser ins Himmelreich und zugleich die Warnung an alle, die diese Kinder vom Weg ins Himmelreich ablenken und verbiegen.
Die Kinder und ihre Kindheit sollen ihre Heimat in der Kirche, im Glauben finden. Jedes Kind ist so wie es ist von Gott gewollt und geliebt. Wir können und dürfen Kinder nicht nach unserem Maß messen, denn das Maß, nach dem sie gemessen werden sollen, ist das Maß des Himmelreiches. Kinder sollen nicht ihren Wert haben, als Arbeitskraft, als Handelsware, aber auch nicht als angehender Sportler, als zukünftiges Genie, als zukünftige Schönheitskönigin. Kinder sollen sich nach ihren Fähigkeiten aber auch nach ihren Wünschen frei entfalten. Behütet und beschützt und dabei eigenständig, selbständig, Menschen, die eigene Entscheidungen treffen. Sie sollen die Zeit haben, das zu tun, was sie gerne tun, die sollen die Menschen haben, bei denen ihr Vertrauen nicht enttäuscht wird. Kinder brauchen Freiheit um zu wachsen, Vorbilder, denen sie nacheifern und Freude an dem, was sie selbst tun und sind. Wenn unsere Kinder, wenn alle Kinder so heranwachsen können, dann können sie zu Menschen werden, die dem Himmelreich ein Stück näher sind.

Kinder als Ware, Gewalt gegen Kinder auf der einen Seite der Waage, Freiheit dem Himmelreich zuzuwachsen auf der anderen Seite. Die Entscheidung ist leicht, aber nur dort, wo eine Wahl herrscht.
Wer nur die Wahl hat zu verhungern oder dem Arbeitsangebot für das Kind zu glauben, der hat keine Wahl. Aber wer die Wahl hat, muss sich für die richtige Seite entscheiden! Viel, aber längs nicht alles von der Gewalt geschieht aus Not, aus Angst, aus Verzweiflung. Wir können versuchen die Not und Verzweiflung zu lindern, aber was ist mit den anderen Gewalttaten gegen Kinder?
Ich wünschte mir, ich wüsste eine andere Lösung, eine die greift, aber oft bleibt uns nur zu beten und Gott zu bitten, all den Menschen, die nicht weiterwissen, all den Menschen, die das Geld, die Lust, den Vorteil vor das Herz setzen, all diesen Menschen Verstand und Herz und Seele zu schicken oder wenigstens Gerechtigkeit gegen sie und Schutz für die Kinder.
Wir können beten, gelegentlich an der einen oder anderen Stelle eine Kleinigkeit tun, und immer unsere Augen offen halten und reagieren, mit Menschen sprechen, wenn wir Angst bei Kindern sehen oder Hoffnungslosigkeit. Wir müssen aufmerken und reagieren statt uns hinter der Angst zu verstecken!
Sonst geht es uns wie in einer Geschichte, die ich letztens las:
Ich ging über die Brücke und sah jenes Gesicht. Es rührte mich an, so schön und so traurig, aber ich ging weiter. Als ich am Ende der Brücke war, hörte ich einen Aufprall ins Wasser, aber was kann ich schon tun? Ich beschloss die Polizei zu rufen, als ich den Schrei im Wasser hörte, aber vor der Telefonzelle packte mich der Zweifel: Was, wenn sie fragen und bis sie da sind ist es ohnehin zu spät…. Am nächsten Tag stand nichts darüber in der Zeitung….
Es ist jetzt Jahre her, aber das Gesicht lässt mich nicht los und deshalb muss ich beten: Herr, hilf, lass diese Frau noch einmal springen, damit ich uns beide retten kann!
Nicht verstecken und wegsehen, nein, handeln. Ich habe keine leichtere Lösung, weil wir nicht wie die Kinder sind, weil wir auf der Erde und noch nicht für das Himmelreich leben.
Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


18.07.04 Planung und Feiern

Lieber Schwestern und Brüder,
Gottesdienst Plus feiert. Was feiern wir denn? Dass wir Monat für Monat ein Problem unserer Welt beleuchten? Dass wir uns hauptsächlich mit negativen Themen beschäftigen? Dass wir kritisieren? Dass wir trotz aller Werbung nur eine kleine Schar sind? Was feiern wir denn nun?

Ich glaube, wir feiern unsere Freiheit. Unsere Freiheit als erlöste Christen, die in Jesu Gnade leben. Unsere Freiheit als Bürger einer Demokratie, in der wir unsere Meinung ohne Angst um unser Leben äußern dürfen. Die Freiheit, dass wir mit einem satten Bauch hier feiern dürfen. Wir sind absolut privilegierte Menschen. Privilegiert, weil wir zu den fünf Prozent der Menschheit gehören, die seit Jahrzehnten in Frieden leben, die genügend zum Essen haben und trotz aller Makel in einem Sozialstaat leben, der noch immer die meisten Bedürftigen auffängt. Vor allen Dingen feiern wir als Christen auch unsere Freiheit, in der wir durch Christus leben. Wir sind in seiner Gnade hier und jetzt und in alle Ewigkeit. Christus selbst sagt in Matthäus 11:
Kommt her zu mir, die ihr müde seid und ermattet von übermäßiger Last! Aufatmen sollt ihr und frei sein. Fügt euch dem Willen Gottes, wie ich mich ihm Füge. Ich herrsche nicht über euch, sondern gehe mit euch den unteren Weg. Ihr werdet den Frieden finden. Was ich euch zumute, ist nicht hart, und was ihr tragen sollt, nicht schwer.
Jesus will unser Ansprechpartner sein in allen Problemen. Er will uns bei aller Erschöpfung immer wieder neue Kraft schenken. Dafür sollen wir nach Gottes Willen leben. Jesus möchte, dass wir die Herrschaft Gottes anerkennen. Er sagt uns aber auch, dass dies kein Beherrschen von ihm und Gott ist, sondern eine Begleitung auf unserem Lebensweg. Eine Begleitung, die uns durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens führt und uns wirklichen Frieden schenkt. Frieden mit uns und unserer Umwelt. Die Herrschaft Jesus ist eine Partnerschaft, Jesus trägt uns. Er mutet uns nichts zu, was wir nicht bewältigen können. Paulus schreibt im Römerbrief im 08. Kapitel in den Versen 38 und 39.
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Zufall noch Schicksal, weder das Unheil von heute noch die Gefahr von morgen, weder Kräfte in den Sternen noch Gewalten aus der Tiefe oder irgendeine andere Macht - Gott hat sie doch alle geschaffen! - uns scheiden können von der Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus begegnet, unserem Herrn.
Paulus bestätigt hier noch einmal die Treue Gottes und Jesus, wenn wir Jesu Herrschaft angenommen haben. Gott macht uns durch Jesus frei. Frei aber auch zur Nachfolge. Nachfolge bedeutet Jesu Beispiel zu folgen. Zu folgen, so wie wir es auch hier im Gottesdienst Plus versuchen. Jesus war nämlich eines ganz bestimmt nicht, ein unpolitischer Mensch. Jesus hat die Missstände, die er erlebt hat angeprangert. Er hat Schluss gemacht mit sich verselbstständigenden Vorschriften. Er hat Liebe und Frieden in den Vordergrund und über alle Vorschriften gestellt. Er hat seine Jünger gelehrt, dies ihm gleich zu tun und das erwartet er auch heute noch von uns. Der Gottesdienst Plus ist auf diesem Weg zum Hause Gottes ein Baustein. Ein Baustein, der Fehler aufzeigt, manchmal Lösungsansätze bietet, aber immer hilft, uns ein Problem zu verdeutlichen, damit wir in unserem Leben sensibilisiert werden auf dieses Problem zu achten. Das wir im Sinne Jesu mit Liebe und Frieden handeln. Wir feiern Gottesdienst Plus, weil wir hier einander Mut machen wollen unseren Glauben nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern offen und kritisch in unserem Alltag zu leben. Wir danken Gott, dass wir dieses in einem friedlichen und freiheitlichen Land tun dürfen, ohne Angst vor Verfolgung und in dem Vertrauen, das Jesus diesen Weg immer mit uns gemeinsam gehen wird. Wie Paulus schon geschrieben hat " Keine Macht kann uns trennen von der Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus begegnet, unserem Herrn." Ja, wir können, wir sollen und müssen Gottesdienst Plus feiern, weil er uns hilft unser Christsein aufrichtiger und kritischer zu leben. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus. Amen


19.09.04 Glaube und Vertrauen

Liebe Schwestern und Brüder,
"Er ist jetzt bei mir" - in einem gläubigen Elternhaus ist das das erste, was ein Kind lernt. Vertrauen in Gottes Liebe, in Jesu Gnade, das sind die ersten Schritte. Bei mir war dies, wie bei vielen anderen Menschen meiner Generation, das einfache Gebet: " Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen, als der Heiland allein. " Einfach, schmalzig, aber doch voller Sicherheit für einen kleinen Menschen. Im Vertrauen auf die Aussagen dieses Gebetes konnte ich alle Sorgen des Lebens auf Gott werfen. Ich wusste mich geborgen in Jesus.

Zeitsprung
"Er ist jetzt bei mir" - in vielen Konfirmandenunterrichten der Vergangenheit hieß es: du musst, du sollst, wenn du nicht...
Was musste ich nicht alles in meinem Konfirmandenunterricht. Ich musste zweimal die Woche für eine Stunde erscheinen. Ich musste jeder Woche zwei Lieder oder Lehrsätze lernen. Ich musste bis zur Konfirmation Luthers kleinen Katechismus auswendig können. Ich wurde vom Presbyterium geprüft. Ich wurde im Vorstellungsgottesdienst von der Gemeinde geprüft. Ich musste zwei Jahre lang in jeden Gottesdienst. Erst wenn ich dies alles erfüllte, wurde ich konfirmiert. (Zum Glück saß ich ganz hinten und hatte gute Augen.) Aber mit der Konfirmation war der kindliche Glaube zerstört.

Zeitsprung
"Er ist jetzt bei mir". Die Macht des Gebetes sollte niemand unterschätzen. Meine Familie betete für mich. Sie lud mich zur Zeltmission, sie lebte ihren Glauben vor. So wurde ich wieder zum Suchenden, weil meine Familie aus dem du musst, ein du darfst machte. Und ich spürte Jesus und übergab ihm mein Leben. Mit einfachen Worten, aber mit dem alten Vertrauen der Kindheit: "er ist jetzt bei mir". Ich wollte meine Erfahrungen weitergeben, lebte meinen Glauben in der Gemeinde, machte Kindergottesdienst, leitete Kindergruppen, arbeitete im Jugendkreis mit. Ich war bei der Straßenmission dabei. Lernte stundenlange Gebetsgemeinschaften kennen - Glaube drückt sich vielfältig aus.

Zeitsprung
"Er ist jetzt bei mir". Mein erster Kirchentag, Berlin 1977. Glaube kann auch kritisch sein. Glaube darf hadern, hinterfragen, Glaube darf vor allen Dingen nicht schweigen. Meine Erfahrungen brachten meinen naiven Glauben ins Schwanken, im Studium wurde er von Erdbeben erschüttert, aber nicht mehr zerstört wie im Konfirmandenunterricht. Er bekam vielmehr ein erdbebenfestes Fundament. Ein Fundament, das mich lehrte, das Bleibende des Glaubens zu schätzen und überholte Traditionen immer mehr in Frage zu stellen. Und heute, heute sage ich mit Paulus: "Mein Leben ist Gnade und aus dieser Gnade lebe ich."
Glauben im Alltag bedeutet für mich immer und überall Stellung zu beziehen.
Glauben im Alltag bedeutet für mich als Christ erkannt zu werden.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, jederzeit von meinen Glauben zu reden.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, für andere dazu sein.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, anderen zu zuhören.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, Jesu Wort zu suchen.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, jede Tradition an Jesu Wort zu messen.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, andere anzunehmen.Aber Glauben im Alltag bedeutet für mich zu zweifeln.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, andere zu verletzen.
Glauben im Alltag bedeutet für mich Egoismus.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, Fehler zu machen.
Glauben im Alltag bedeutet für mich, komplett zu versagen.DennochGlauben im Alltag versichert mir Jesu Gnade.
Glauben im Alltag erneuert meinen Glauben.
Glauben im Alltag lässt mich verzeihen.
Glauben im Alltag schenkt mir Sicherheit.

Er ist jetzt bei mir!
"Glauben im Alltag "
Ich glaube, wenn wir unseren Glauben wirklich leben wollen, brauchen wir erst einmal Vertrauen. Dietrich Bonhoeffer hat dies folgendermaßen ausgedrückt: "Ich glaube, dass Gott mir in jeder Lebenssituation so viel Kraft gibt, wie ich brauche, aber er gibt sie mir nicht im Voraus, damit ich mich nicht auf mich selbst, sondern allein auf ihn verlasse. "
Aus diesem Vertrauen kann jeder seinen Glauben offen leben. Wir werden dabei sicher Gelächter erhalten, aber wir werden genauso oft erfahren, dass diese Offenheit zur Hilfe für viele Menschen werden kann. Solange, wie wir uns nicht als etwas Besseres fühlen, andere anklagen oder gar verachten.
Wir Christen sind nicht besser, wir sind nur besser dran, weil wir uns in Jesu Gnade geborgen fühlen dürfen. Aber diese Gnade ist kein Exklusivvertrag, denn sie gilt für jedermann. Es gibt keine Guten und Schlechten. Es gibt keinen Krieg gegen das Böse. Es gibt nur Menschen, die im Bewusstsein der Gnade leben und Menschen die dies noch nicht tun. Die Gnade steht aber für alle offen. Jesus hat sie keinem Menschen abgesprochen und deshalb dürfen wir Sie auch keinem Menschen absprechen.
Kritischer Glauben im Alltag zeigt sich im folgenden Text von Hanns-Dieter Hüsch: "Die Sprache Jesu neu erlernen."Entweder wir lernen die Sprache Jesu
Neu
Oder wir sind verloren

Entweder wir setzen zäh und geduldig
Christus selbst gegen die angebliche
Macht der Fakten und Sachzwänge
Oder wir sind verloren

Entweder man fängt an in Parlamenten
Und an Verhandlungstischen
Das Wort Jesu nachzubuchstabieren
Oder wir sind verloren

Da sehe jeder zu
Wohin er sich schlagen will

Niemand ist hier der nicht genau wüsste
Von welchem Grundton die nötige neue
Sprache getragen wird
So ist das

Eine Menge Leute wird euch versichern
Das haben wir nicht gewusst
Glaub ihnen nicht
Sie haben genau gewusst
Was zu wissen war

Andere werden dir sagen
Wir konnten nichts machen
Glaub ihnen nicht
Sie hätten eine Menge machen können

Meine Rettung
Das ist die Flucht in die Arme des
Gekreuzigten
Der uns ermutigt weiterzugehen
Wo jeder Fortschritt sich selbst
Widerlegt

Jesus ermutigt uns weiter zugehen. Reinhard Mey sang vorhin, dass er nicht glaubt, dass Jesus in den Kathedralen und Kirchen lebt. Er hängt auch nicht hier unter uns am Kreuz hinter dem Altar. Ich kann mir auch nicht vorstellen, was die Künstler im Mittelalter dazu getrieben hat, Jesus wieder an das Kreuz zu hängen, wo wir doch alle wissen, dass er das Kreuz verließ und wieder auferstand. Auferstand und nicht in den Tempel ging, sondern auf die Straßen und Plätze zu den Menschen. Ich glaube, Reinhard Mey hat Recht, wenn er Jesus in der Aldi-Filiale, bei Oma Krause und in der Weinlaube sucht. Denn Jesus ließ sich nie in Häuser einsperren, von Traditionen vereinnahmen, Jesus lebte seine Liebe vor und Jesus ging dorthin, wo kein anderer hinging. Jesus ging zu den Menschen, die seine Hilfe brauchten, ohne Ansehen der sozialen Stellung, ohne Ansehen des Glaubens, ohne Ansehen der Hautfarbe, ohne nach Verdiensten zu fragen. Jesus ging um seine Hilfe bedingungslos weiterzugeben. Dies nachzuleben bedeutet glaube ich: "Glauben im Alltag."
Zu helfen, ohne zu fragen: was bringt mir dies.
Zu geben, ohne Dank zu verlangen.
Zu lieben, ohne zu fordern.
Im Vertrauen, dass Jesu Kraft uns nie verlässt, wenn wir seinem Vorbild nacheifern.
Schließen möchte ich mit der Fürbitte: "Brunnen des Erbarmens " von Hanns-Dieter Hüsch.Im Übrigen meine ich
Möge uns der Herr weiterhin
Zu den Brunnen des Erbarmens führen
Zu den Gärten der Geduld
Und uns mit Großzügigkeitsgirlanden
Schmücken
Er möge uns weiterhin lehren
Das Kreuz als Krone zu tragen
Und darin nicht unsicher zu werden
Soll doch seine Liebe unsere Liebe sein
Er möge wie es auskommt in unser Herz eindringen
Um uns mit seinen Gedankengängen
Zu erfrischen
Uns auf Wege zu führen
Die wir bisher nicht betreten haben
Aus Angst und Unwissenheit darüber
Dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges
Fröhlich sehen will
Weil wir es dürfen
Und nicht nur dürfen sondern auch müssen
Wir müssen endlich damit beginnen
Das Zaghafte und Unterwürfige abzuschütteln
Denn wir sind Kinder Gottes: Gottes Kinder
Und jeder soll es sehen und ganz erstaunt sein
Dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können
Und sagen: Donnerwetter
Jeder soll es sehen und jeder soll nach Hause laufen
Und sagen: Er habe Gottes Kinder gesehen
Und die seien ungebrochen freundlich
Und heiter gewesen
Weil die Zukunft Jesus heiße
Und weil die Liebe alles überwindet

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


17.10.04 Neue Reformation

Liebe Schwestern und Brüder,
leere Kirchen, Kirchenaustritte, Desinteresse und das in einer Zeit, in der die Menschen zu Tausenden nach einem Sinn für ihr Leben suchen. In einer Zeit, wo Menschen sich gemobbt fühlen, einsam sind, Kontakt scheuen und das, obwohl sie doch so vieler Freiheiten haben, wie noch nie. Wir leben in einer seltsamen Zeit, in der vieles beim Alten bleibt und sich trotzdem so vieles rasend schnell verändert, dass der einzelne Mensch nicht mehr Schritt halten kann. Veränderungen, die früher Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dauerten, vollziehen sich jetzt in einigen Jahren.
Nur die Kirche bleibt sich selbst treu. Sie lebt von und in den gleichen Ausdrucksformen wie vor Jahrhunderten. Formeln werden nachgebetet, Traditionen fortgeführt, ohne dass sie noch wirklich mit Inhalt gefüllt werden. Wir verkünden die frohe Botschaften in lieblosen Gottesdiensten, wir bieten Gemeindekreise in der gleichen Art und Weise an, wie schon immer. Wir orientieren uns in der Arbeit auf das Alter und vernachlässigen die mittleren Jahre und die Jugend. All dies passiert, aber Gott sei Dank nicht überall. Es gibt auch Anfänge Gemeindearbeit anders zu gestalten. Es gibt gute Ideen neben angestaubter Tradition. Nur selten begegnet man konsequent neuen Wegen. Genauso hin und hergerissen wie unsere Welt ist auch das christliche Gemeindeleben geworden. Vor 500 Jahren schlug Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür um gegen die großen Ungerechtigkeiten der katholischen Kirche aufzustehen und um die Menschen zurück zum Ursprung, zum neuen Testament zu führen.

Luther tat dies mit großem Risiko, voller Eifer, weil er sich Christi Worten verpflichtet fühlte. Weil er sah, dass das, was die Kirche tat, nicht mehr Gottes Wort entsprach.
Aus Luthers Thesen, die die Kirche erneuern sollten, wurde eine Reformation, weil viele ihrer alten Vorteile nicht verlieren wollten. Das Kind dieser Reformation ist unsere evangelische Kirche, die den einzelnen Menschen wieder in den Mittelpunkt stellte und Gottes Wort für alle Menschen gleich auslegte. Luthers Thesen und die daraus resultierende Reformation richteten sich gegen Ausbeutung im Namen Gottes. Eine Reformation in diesem Sinne brauchen wir heute nicht, aber muss sich die evangelische Kirche vielleicht trotzdem reformieren? Reformieren im praktischen Sinne? In der täglichen Arbeit? Wie sieht die tägliche Arbeit in vielen Gemeinden aus?
Das Flaggschiff, der Gottesdienst, wird liturgisch, also in seinem Ablaufplan mit jahrhundertealten Formeln gefeiert, die kaum noch ein Mensch versteht, die eine autoritäres Glaubensbild zeigen und für unbefangene Besucher abstoßend wirken. Wobei es mir nicht um die unselige Diskussion lutherisch oder reformiert geht, sondern darum, dass unsere Gottesdienste selten Liebe und Geborgenheit ausstrahlen. Wie soll eine Gemeinde wachsen, wenn schon das Flaggschiff abstoßend wirkt?
Das zweite Problem sehe ich in der Einladung. Jesus ist zu den Menschen gegangen, sprach sie persönlich in ihrem Alltag an. Die Gemeinden heute erwarten in der Regel, dass die Menschen zu ihnen kommen, obwohl der christliche Weg genauso andersrum gemeint ist. Dieses Feld lässt sich die christliche Kirche oft genug von den Sekten und anderen Glaubensgemeinschaften abnehmen. So sieht man an vielen Straßen die Zeugen Jehovas stehen oder wird von ihnen besucht. Man kennt die adretten jungen Mormonen, die in schöner Regelmäßigkeit ihre Missionsrallyes starten. Und auch die Scientology Church, die die Menschen von den Straßen einlädt und auf den Straßen Präsenz zeigt, wie im Sommer 2003, wo sie mit ihrem gelben Zelt wochenlang neben der Schadowstr. missionierten. All diese Gruppierungen tun das, was unsere Gemeinden versäumen. Sie geben den Menschen das Gefühl wichtig zu sein, Geborgenheit zu finden, sich selbst positiv zu entwickeln und das mit einem Angebot, das in letzter Konsequenz die Menschen seelisch und wirtschaftlich ruinieren kann. Aber das geschieht so langsam, am Anfang sogar liebevoll, dass der Mensch mit der Zeit von der Sekte abhängig wird. Trotz ihrer in letzter Konsequenz menschenverachtenden Zielsetzung, haben die Sekten Zulauf, weil sie das tun, was wir als christliche Gemeinden tun sollten.
Nämlich zu den Menschen zu gehen, dort zu sein, wo die Menschen leben und feiern. Und den geladenen Menschen eine Heimat geben, im Gottesdienst genauso, wie in den kirchlichen Gruppen. Neue Wege suchen, Gottes Liebe und Gnade deutlich zu machen, das ist die Aufgabe für das dritte Jahrtausend.
Jesus hat uns eine klare Anweisung hinterlassen: " Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker ". Gehet hin; nicht baut große Häuser, die bedrohlich und ehrfurchtgebietend wirken und wartet ab, ob die Leute kommen. Gehet hin; das heißt auf die Straßen und Plätze gehen, als Gemeinde, aber auch vom Glauben reden, Christi Gnade verkünden, am Stammtisch, beim Nachbarn, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz. Das ist der Missionsbefehl für jeden einzelnen Christen. Nicht jeder kann predigen, nicht jeder kann Gruppen leiten, aber jeder Mensch, der sich Christi nennt, kann und muss seinen Glauben offen leben. Wie Manfred Siebald in einem Lied schreibt: "auch dieser ist mit Jesus von Nazareth" Nicht nur die Jünger damals, auch wir Christen heute sollen Flagge zeigen. Auch ich bin mit Jesus von Nazareth, ich, der ich kein Heiliger bin. Der ich lebe in dieser Welt. Spaß habe an allem, was Gottes Schöpfung bietet. Dass ich wirklich frei und glücklich bin mit Christus, das kann ich vorleben.
Über Jahrhunderte wurde der Mensch klein gemacht, als der wertlose Sünder. Dabei hat Jesus mit seiner Gnade deutlich gemacht, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist. Jesus ging nämlich an das Kreuz, weil er fand, dass wir es wert sind. Er ging an das Kreuz, weil wir einzigartig und wertvoll sind. Jeder einzelne von uns und alle Menschen auf der ganzen Welt. Diese Geborgenheit, diese Liebe können wir weitergeben und das ist so unendlich viel mehr, als das, was alle Esoterik und alle Sekten zusammen zu bieten haben.
Deshalb ist es an der Zeit, dass jeder Christi Gnade und Erlöstheit durch Christus vorlebt. Es ist an der Zeit, dass wir uns in unseren Gottesdiensten von allen Formeln verabschieden, die uns Menschen klein machen und Angst vor der Verdammnis verkünden. Es wird Zeit, dass wir Gemeindegruppen anbieten, in denen sich Menschen mit den Fragen unserer Zeit angenommen und geborgen fühlen. Es ist an der Zeit, Jesu Missionsbefehl wieder zu leben. In diesem Sinne glaube ich, dass wir eine Reformation brauchen. Eine Reformation der Kirchen, Gemeinden und eines jeden einzelnen Christen. Amen


21.11.2004 Tod und Leben

Tod ist Leben, lebt mit den Toten.
Liebe Schwestern und Brüder,
ein schweres, ein belastendes, ein anstrengendes Thema.
Tod und sterben ist etwas, was wir gerne so weit wie möglich aus unserem Leben verdrängen. Wir tun gerne so, als ginge uns dies nichts an. Solange, bis uns der Blitz trifft, solange, bis die Einschläge so nahe kommen, dass wir sie nicht mehr ignorieren können. Aber, solange es irgendwie geht, denken und handeln wir so, als würden wir hier ewig leben. Ja, ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, dass eines Tages das ganze Leben hier, wie ich es kenne, einfach vorbei sein soll. Ja, irgendwo tief in meinem Inneren bin ich fest davon überzeugt, ich wäre die einzige Ausnahme und würde ewig leben.

Aber dann, dann gibt es wieder Einschnitte im eigenen Leben, die mich zum Nachdenken bringen. Wer mich kennt, weiß, dass es in diesem Jahr Gründe gehabt, nachzudenken über Tod und Sterben. Nachzudenken, und festzustellen, dass die Angst nur einer, nur ein gefährlicher Aspekt bei diesem Thema ist. Ich habe in diesem Jahr zwei Menschen verloren, die mir sehr nahe standen: meinen Vater und meine Großmutter. Mein Vater war schwer krank, wir konnten uns, so weit es geht, darauf vorbereiten, dass sein Leben zu Ende gehen wird. Meine Großmutter war zwar alt, aber ihr Tod kam für alle unerwartet. Zwei liebe Menschen, die mich und meine Familie verlassen haben, zwei gestorbene und damit für mich viel Grund und Anlass mich mit dem Tod auseinanderzusetzen, zu fragen, was passiert, was bedeutet Sterben, was bedeutet Tod für den der bleibt und für den der geht.

Das erste, das mir zum Sterben aufgefallen ist, ist, dass es viel leichter wird für alle Beteiligten, wenn man offen darüber spricht, das Thema nicht ausklammert, Fragen zulässt, miteinander spricht und denkt und überlegt und ein wenig schon trauert um das, was man verlieren wird. Wir haben ein Stück weit gelernt offen über den Tod zu reden auch mit meiner anderen Oma, die bald 90 wird und gerne sterben würde. Wir sprechen darüber, was wir gewinnen und was wir verlieren, wenn einer von uns stirbt. Wir, die wir bleiben, verlieren zu allererst, weil uns ein Mensch fehlt, aber wer stirbt gewinnt auch dazu:

Wer krank ist und leidet, gewinnt, weil die Schmerzen vorbei sind,
wer alt ist und oft einsam, weil er sich in der heutigen Zeit nicht mehr zu Hause fühlt, gewinnt, weil die Einsamkeit und das Fremdsein vorbei ist.

Wir alle haben Bilder im Kopf, was passiert, wenn wir sterben müssen. Viele dieser Bilder und viel von dem, was Gott und Jesus uns zu Tod und Sterben lehren, sind schön und harmonisch - wenn wir darüber sprechen, gemeinsam über unsere Hoffnung auf ein besseres Sein nach dem Tode, dann nehmen wir dem Tod viel von seinem Schrecken, dann mag die Angst vor dem Sterben und vor der Trennung voneinander bleiben, aber die Angst vor dem Tod muss einer Hoffnung weichen.

Wie steht es in der Offenbarung des Johannes im 21. Kapitel?

1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.
2 Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.
3 Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.
4 Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.
5 Er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Und er sagte: Schreib es auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.
6 Er sagte zu mir: Sie sind in Erfüllung gegangen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt.
7 Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Das sind nur Bilder, Bilder, die wir verstehen können, und die uns zeigen sollen, dass Gott es auch nach dieser Welt nur gut mit uns meint. Warum sollen wir Angst haben? In jener Welt, die nach dieser Welt ist, wird Gott mitten unter uns wohnen. Wir werden nicht mehr weinen müssen, denn Tod, Trauer und Mühsal werden vorbei sein. Wir können nicht wissen wie es dort ist, den wir können uns nur ein Bild davon machen, wenn es dem ähnelt, was wir schon selbst erlebt haben. Wir können uns Bilder machen, die dieses Gefühl ausdrücken, das Gefühl, alles Leid hinter sich gelassen zu haben und mitten in der unendlichen Liebe Gottes zu leben.
Salopp gesagt, dort wird es so sein: wir werden bei Gott sein, wir werden die wieder sehen, die wir geliebt haben und wir werden glücklich sein! Die Details können wir ruhig Gott überlassen. Warum haben wir also Angst? Warum trauen uns nicht über Tod und Sterben zu reden und nachzudenken?
Es gibt mehrere Gründe:
Angst vor der Veränderung - Menschen haben immer Angst, wenn sich grundlegendes verändert und wir wissen nun mal nicht, wie genau es dort ist.
Angst in der Beziehung - wenn ein Mensch stirbt, den wir lieben, dann bleiben wir einsam zurück. Unser Leben hat sich um all das verändert, was dieser Mensch für uns ausmachte. Selbst wenn wir gewiss sind, dass es dem geliebten Menschen dort besser geht, hier tut es weh, hier ist eine Lücke, hier bleibt der Schmerz.
Und andersherum, wenn ich der bin, der gehen muss, dann weiß ich, dass meine geliebten Menschen ihr Leben völlig neu in die Hand nehmen müssen, und ich kann nie wissen, ob sie ohne mich die Kraft dazu haben.
Ungewissheit im Glauben - keiner ist je zurückgekommen, keiner hat uns einen Beweis gebracht. Gott hat uns viel gezeigt, gesagt und hinterlassen. Aber den letzten Schritt, den Schritt in die letzte Ungewissheit, den müssen wir im Glauben und Vertrauen allein tun. Wir müssen den einen Schritt am Ende gehen, um in Gottes ausgestreckte Arme zu fallen. Wir können nur vertrauen auf seine Liebe und Güte.

Was riskieren wir denn, wenn wir darauf vertrauen? Was wäre die Alternative, wenn wir uns geirrt haben, wenn Gott nicht ist? Wenn Gott nicht ist, dann ist, wenn wir sterben einfach alles vorbei, kein Schmerz, keine Trauer, keine Erinnerung, keine Angst. Was kann ich also verlieren? Wenn ich darauf vertraue, dass Gott auf der anderen Seite steht und auf mich wartet, dann kann ich diesen Schritt gehen und in seine Liebe fallen. Sollte ich mich geirrt haben, werde ich nichts mehr davon merken.
Wenn ich aber von vornherein Gott aus der Gleichung nehme, dann verliere ich die Hoffnung und habe hier viel mehr Angst vor dem Ende.

Vielleicht geht es mir dann so wie in der Bücherreihe Narnia von C.S. Lewis beschrieben. Er schildert die Erlebnisse verschiedener Kinder in einer fantastischen Welt, die sehr viele Parallelen zu Gottes ewiger Welt und unserem christlichen Glauben hat. Im letzten Buch findet eine große Schlacht statt. Bei dieser Schlacht steht eine Scheune, in der der Beweis für die Wahrheit des Glaubens versteckt sein soll. Die Gegner haben aber Soldaten in der Scheune, die die guten Menschen und andere Bewohner des Landes Narnia umbringen sollen. Verschiedene Menschen und andere Wesen werden in die Scheune geworfen. Aber dort steht kein Soldat mit einem Schwert, es ist auch keine dunkle Scheune. Alle die, die geglaubt haben, egal ob an das Richtige oder das Falsche, sehen dort einen riesigen paradiesischen Garten. Einige wenige aber haben nur Angst und sie sehen eine dunkle, enge Scheune, sie riechen nicht die Blumen, sondern Mist und hören keine Vögel singen, sondern nur beklemmende Stille, sie hören nicht einmal die aufmunternden Worte der anderen in der Scheune.

Wie ist es nun mit Tod und Sterben? Wollen wir immer die dunkle, enge, muffige Scheune erwarten, oder wollen wir uns gemeinsam auf den Paradiesgarten vorbereiten?
Wollen wir jeder für uns allein uns in unseren Ängsten einnisten? Oder lieber doch gemeinsam über die Hoffnung sprechen?

In dieser Welt werden wir unsere Toten nicht wieder sehen, aber ich glaube fest daran, dass Gott uns in der anderen Welt eine Begegnung und ein gemeinsames Leben in Zeit und Ewigkeit schenken wird. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus. Amen


16.01.2005 Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Ich glaube
ich glaube an die Macht des Geldes
ich glaube an Gott
ich glaube an den Urknall
ich glaube an die Macht
ich glaube an Allah
ich glaube an die Schöpfung
ich glaube an den Fortschritt
ich glaube nicht an Gott
ich glaube an den Geist
ich glaube an ein höheres Wesen
ich glaube an den Kosmos
ich glaube nicht, dass es Gott nicht gibt
ich glaube an Jehova
ich glaube an meinen Guru
ich glaube an mich selbst
ich glaube, hilf meinem Unglauben.
Denn Unglauben gibt es wirklich nicht! Wir bilden ihn uns nur ein!
Vorhin in dem Film haben wir eine Möglichkeit gesehen, uns den verschiedenen Arten zu glauben anzunähern.
An der Frage wie die Welt begann, zeigten sich verschiedene Religionen und wissenschaftliche Erkenntnisse. Dies waren nur Beispiele. Es gibt noch viel mehr Religionen, aber sie alle haben eins gemeinsam: Den Glauben.
Jede Idee, jede Erkenntnis beginnt mit dem Glauben an die Richtigkeit!
Was ist dann also Glaube?
Der Brockhaus beschreibt Glauben als eine gefühlsmäßige nicht von Beweisen, Fakten oder ähnlichem bestimmte Gewissheit. Dies trifft auf jede der oben genannten Glaubensbehauptungen zu. Jede kann richtig oder falsch sein, beweisen lässt sich das nicht. Deshalb kann es auch keinen Unglauben geben, weil jede Glaubensverneinung wieder eine Glaubensaussage ist. Widerlegt werden kann kein Glaube, aber mancher Glaube kann ins Wanken geraten, erschüttert werden, vielleicht auch neu definiert werden.
Wer es gewohnt ist, sich mit Geld alles und jeden zu kaufen, ist vom Glauben an die Macht des Geldes überzeugt. Ein einseitiger Glaube, der dann ins Wanken kommt, wenn er auf ein eindeutiges Nein trifft. Ein Kunstwerk, das nicht verkäuflich ist, ein Mensch, der sich nicht bestechen lässt.
Glaube kann also erschüttert werden. Aber genauso kann Glaube auch manchmal bewiesen werden. Nehmen wir z. B. Heinrich Schliemann. Er glaubte seit frühester Jugend daran, dass die Erzählungen von Homer über Troja wahr sind. Schliemann richtete deshalb sein ganzes Leben auf diesen Glauben aus und bewies den Glauben als er Troja entdeckte.
Also Glaube ist ein Gefühlsakt.
Glaube ist zu erschüttern.
Glaube ist auch manchmal beweisbar.
Glaube kann aber nie widerlegt werden, da es sich um einen Gefühlsakt handelt.
Aber ist Glaube wirklich nur ein Gefühlsakt, oder gibt es auch Glauben, der darüber hinaus geht, der ein Gegenüber findet.
Wie ist es zum Beispiel mit dem Glauben an Gott???
Ist der mehr als ein Gefühlsakt? Mehr als Einbildung?
Mehr als eine Form der Lebenshilfe?
Ich meine, jeder Mensch, der sich bewusst als Christ entschieden hat, kommt immer wieder in Gedanken des Zweifels, genauso wie zu Gedanken des absoluten Vertrauens.
Ich fühle mich als Christ angenommen, getragen, behütet, aber auch manchmal einsam und verlassen.
Gott hat sich uns in der Bibel gezeigt. Dort finden wir Berichte von den unterschiedlichsten Menschen, die Gott erlebt haben. Sie erlebten ihn strafend und annehmend, als rächenden und als liebenden Gott. Bis hin zum neuen Testament, wo der liebende Gott ganz zu uns kam und Mensch wurde um uns noch besser zu verstehen.
Wir Christen glauben an diesen Gott der Liebe, der uns ganz nahe kommt. Wir erleben ihn täglich, wir sprechen mit ihm im Gebet.
Wie glauben an seine Hilfe. Wir stützen uns in unserem Glauben auf die Berichte der Bibel und auf unsere persönlichen Erfahrungen.

Trotzdem kommen uns auch Zweifel, trotzdem möchten wir immer wieder einmal schreien: "Ich glaube, hilf meinem Unglauben", weil uns Zweifel kommen, aber Zweifel kommen und gehen. Der Glaube siegt am Ende, weil Gott ihn doch trägt und uns hält.
Beweisen können und wollen wir dies nicht, aber wir erzählen gerne davon, weil unser Glaube unser Leben sicherer und wertvoller macht.
Sicherer, weil wir uns von Gott behütet fühlen. Wertvoller, weil wir uns so angenommen fühlen, wie wir sind. Gerade auch mit unseren Schwächen, mit all dem, für das wir uns manchmal in den Boden schämen möchten.
Der Glaube stärkt uns, weil er uns wertvoller macht, jeden von uns ohne Ausnahme.
Warum soll ich also diesen Glauben an einen lebendigen Gott eintauschen gegen einen Glauben an die Nichtexistenz Gottes? Hätte ich Vorteile davon?
Ich meine Nein!
Denn als Christ habe ich die gleichen Freiheiten, bin eine freie Persönlichkeit, wie ein Nichtchrist.
Mein Vorteil ist aber, dass ich mich in allen Notlagen auf Gottes Hilfe verlassen kann. Deshalb habe ich als Christ in jedem Fall Vorteile. Auch wenn ich am Ende meines Lebens kein ewiges Leben vorfinden sollte, hätte ich viel positiver gelebt. Hätte mehr von meinem Leben gehabt, als ein Mensch, der alles allein ohne Geborgenheit schaffen wollte.
Also auch im schlimmsten Fall habe ich als Christ Vorteile.
Womit ich nicht sagen will, dass ich dieses Ende für wahrscheinlich halte, ich glaube vielmehr, dass es ein Weiterleben gibt, bei und mit Gott, ich weiß nicht, wie und wo, aber ich weiß, dass das für mich die wahrscheinlichste Wahrheit ist, an die ich und Millionen anderer Christen glaubten und glauben und ich glaube, dass wir mit unseren dreidimensionalen Denken überrascht sein werden, wie logisch und beweisbar Gott ist, wenn wir dereinst in seinem Reich in allen Dimensionen leben.
Heinrich Schliemann glaubte und bewies am Ende die Existenz von Troja.
Wir Christen glauben an Gott und auch unser Glaube wird sich als wahr und richtig erweisen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.


20.02.2005 Ich bin, der ich bin - ich auch

Ich bin, der ich bin - ich auch!

Liebe Schwestern und Brüder,

was soll denn dieser Titel jetzt? Allmachtsphantasien oder Unabhängigkeitsträume oder was haben sich die Veranstalter denn hier gedacht?

Jetzt habe ich ein Problem, ich habe diesen Titel unterstützt in dem ruhigen Gewissen, dass mein Mann das Thema ausgewählt hat und dementsprechend auch darüber predigen möchte. Nur leider, leider haben wir vergessen unseren Terminkalender zu prüfen und uns gleichzeitig auf einer Messe als Aussteller verpflichtet. Da auch wir nicht an 2 Stellen gleichzeitig sein können, stehe ich jetzt hier alleine und lasse meinem Mann die körperliche Arbeit des Messeabbaues....

Jetzt muss also ich nicht nur Beifall für den Titel und das Thema äußern, sondern es auch noch mit Inhalten füllen!

Ich bin, der ich bin – das ist für mich zunächst ganz klar der biblische Bezug. Als Moses Gott um eine Legitimation bat, als er wissen wollte, im Namen welches Gottes er denn für sein Volk sprechen solle, bekam er die Antwort, der Name sei: "Ich bin, der ich bin"
Gott der unwandelbare, Gott, der so gross ist, dass es keinen Namen geben kann, der für ihn passt, Gott, der so unverwechselbar ist, weil es nichts Vergleichbares geben kann, neben dieser Allmacht. Gott braucht keinen persönlichen Namen, um ihn von Anderen zu unterscheiden, denn es gibt keine gleichartig Anderen, von denen er unterschieden werden müsste. Gott ist allmächtig, einzig, Gott ist, der er ist!

Wie kann ein Mensch es wagen daneben zu setzen: Ich auch????
Wie kann ein Mensch, egal welcher Mensch, damit ein Ausrufezeichen neben Gottes Allmacht setzen. Sind das nicht auch Machtphantasien unseres kleinen Egos, wenn wir neben Gottes großes, machtvolles "Ich bin, der ich bin!" ein "Ich auch!" setzen, maßen wir uns dann nicht an wie Gott zu sein? Ist das nicht so etwas wie die Erbsünde, ich bin auch, ich kann auch, ich, ich, ich....

Wenn ich neben Gottes Aussage und Selbstbenennung das "Ich auch" schreie, kann ich damit meinen: Ich bin genauso wichtig, ich bin gleichwertig ich bin genauso gut wichtig, ich mache mich mit diesem Satz frei von Gottes Druck - dann ist der Satz Machtphantasie, dann ist er keine selbstbewußte Aussage, sondern Macht- und Fieberphantasie eines Menschen, der sich von Gott getrennt hat.

Was aber kann der Satz noch meinen? Auch etwas Gutes, Konstruktives, Hilfreiches? Oder nur Selbstanmaßung ohne Ende?

Ich bin, der ich bin, sagt Gott, ich auch sagt der Mensch und er kann weiter sagen: Auch mein Freund, mein Nachbar, mein Kollege, mein Mitmensch, jeder von uns ist der, der er ist.

Denn jeder von uns ist von Gott geschaffen, persönlich, unverwechselbar, einzigartig, unvergleichbar, einmalig für alle Erd- und Weltzeiten. Gott hat jeden von uns gewollt, so wie er oder sie ist, als unverwechselbare Persönlichkeit.

Wir sind, wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt, zum Bilde Gottes geschaffen, als ein Abbild des Höchsten, des Allmächtigen und zwar jeder und jede von uns. Egal wie wir aussehen, egal wie wir sind, wir sind als unverwechselbare Einzelpersonen jeder und jede Einzelne ein Abbild Gottes.

Wir alle, so unterschiedlich wir sind, sind in diesem einen gleich, ein Bild unseres Schöpfers zu sein. Wenn wir so sind, wie er uns geschaffen hat und das heißt auch einmalig und unverwechselbar. Wenn man das abzieht, was die Mode, der Trend, die aktuelle Vorstellung wie wir besser sein sollten, abzieht und uns nur als die eigenständige, unterschiedliche, verwechselbare Person sehen, dann sind wir jeder einzigartig und dann können wir in dieser Einzigartigkeit auch selbstbewusst sagen: Ich bin, der ich bin! Ich bin die Person, als die mein Schöpfer mich ausgedacht hat, ich bin so, wie er mich überlegt hat, ich muss mich nicht verbiegen und verändern, ich muss mich nicht klein fühlen und unbedeutend, weil ich anders bin als jemand anders, nein ich bin genau richtig, genau so, wie mein Gott mich erdacht hat!

So darf, soll, kann, muss ich das "Ich auch!" in den Tag schreien - aber ich darf dabei auch nicht vergessen, dass dieser Schrei "Ich auch" für jeden Menschen gilt. Jeder Mensch, ist, wenn er oder sie die Tünche abstreift mit der er versucht hat jemand anders zu sein, Jemanden zu kopieren und nachzumachen, wenn dies wegfällt, ist jeder von uns berechtigt "Ich auch" zu schreien.

Wenn wir so sind, wie Gott uns gemacht hat. Aber wie hat Gott uns gemacht? Was sind diese herausragenden Eigenschaften, die uns Einzigartig machen? Wie können wir die Verstellungen, denen wir gern erliegen abstreifen?

Wann sind wir denn unverstellt wir selbst in unserem normalen Alltag? Nur da, wo wir uns geliebt, anerkannt und geschätzt fühlen. Von wenigen besonders selbstbewussten Menschen abgesehen, die sich entweder nicht um die Meinung der Mitmenschen scheren oder eben nicht um die Meinung aller Mitmenschen, sind wir nur da einigermaßen offen und ehrlich wir selbst, wo wir uns anerkannt fühlen. Wir können also anderen helfen sie selbst zu sein und die eigene Person "freizulassen", indem wir das Gefühl geben, geschätzt und anerkannt zu werden. Wenn wir es schaffen, einander anzunehmen, vielleicht nicht ganz sosehr wie Gott uns annimmt, das wäre doch übermenschlich, dann schaffen wir es wahrscheinlich auch ein Stück weit unsere Schutzmäntel und unsere Verstellungen abzustreifen.

Gott liebt uns, jeden einzelnen von uns, als selbständigen, eigenständigen Menschen,
deshalb ist es unsere Pflicht daran zu arbeiten möglichst viele Menschen auch anzuerkennen als selbständige, eigenständige Menschen
wenn wir Andere anerkennen und schätzen, werden wir auch anerkannt und geschätzt,
dann können auch wir uns wagen, die Verkleidungen abzulegen und den inneren Menschen freizulegen,
dann können wir wirklich frei und unabhängig der sein, der wir sind, als Ebenbilder Gottes, als geliebte Kinder Gottes.

Nett gesagt, aber, ich kann mich anstrengen wie ich will, ich mag nicht alle Menschen. Manche sind mir sogar von Herzen unsympathisch. Und bei diesen Menschen tue ich mich mehr als schwer, so zu tun, als würde ich sie schätzen und gerne mit ihnen zusammen sein. Ich kann mir bei manchen Menschen auch einfach nicht vorstellen, dass das, wie sie sind von Gott so gewollt ist….
Andersherum wird es aber sicher auch Menschen geben, die mich ganz genauso empfinden und ich finde mich, na vielleicht nicht perfekt, aber schon auf dem richtigen Wege…

Deshalb denke ich werden wir hier zunächst nicht mehr schaffen, als „möglichst viele Menschen“ zu achten und wertzuschätzen. Und ich denke, wenn möglichst viele Menschen, dies mit möglichst vielen Menschen versucht, werden wir alle uns ein klein wenig verändern, jeder von uns und während wir uns verändern, werden wir uns irgendwann an einer Stelle treffen können, wo wir uns nicht mehr von Herzen unsympathisch sein können. Denn das Ebenbild Gottes kann doch eigentlich niemandem von Herzen unsympathisch sein, der selbst nach dem Bilde Gottes geschaffen ist.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


17.04.2005 Haben wir gelernt?

Liebe Schwestern und Brüder!
Eben in den Texten aus der damaligen Zeit waren sie zu hören. Sie klangen als unsichtbarer Hintergrund in den Durchhalteparolen von Hitler, Göbbels und Dönitz mit; die grausigen Stiefel von denen Konstantin Wecker am Anfang des Gottesdienstes gesungen hat. Die Angst, die Panik trieb viele Menschen damals in die Defensive, ließ sie schweigen, wo sie besser den Mund aufgemacht hätten, wenn sie an die Schuldgefühle, die seelische Belastung gedacht hätten, die dieses Schweigen in ihnen ausgelöst hatte.
Zwei Generationen, die meiner Eltern und Großeltern hat dieses Regime für das ganze restliche Leben geschlagen: in Ängste, seelische Nöte und Schuldgefühle versetzt. Egal, ob sich derjenige an dem Regime beteiligt hatte, Mitläufer war, geschwiegen hatte oder auch sich wehrte. Das Trauma blieb bei den meisten. Es unterschied sich nur graduell und in der Art des Bedauerns. Die einen trauerten dem Ideal des tausendjährigen Reiches hinterher und machten sich zur Lebensaufgabe dieses Ideal hochzuhalten. Die anderen bedauerten, dass sie nichts oder nicht genug getan hatten, um das Regime zu unterwandern, um der Unmenschlichkeit zu trotzen. Dies waren die Reaktionen, die die Unmenschlichkeit des Dritten Reiches auslöste und bis heute auslöst. Die rechte Gefahr von damals ist niemals ausgemerzt worden. Sie ist nur mehr oder weniger inaktiv, aber bis heute steckt viel Geld in rechten Bewegungen, steuern graue Eminenzen aus dem Hintergrund fanatische, frustrierte junge Menschen. Sie organisieren Propaganda, Demonstrationen, Hetzparolen, Verleugnungen, Gewaltaktionen gegen Andersdenkende oder Ausländer, wie in den 30er Jahren. Der einzige Vorteil heute ist, dass die Menschen informierter sind und die Zeit von damals noch nicht vergessen ist. Deshalb kann eine rechte Partei vielleicht einmal für kurze Zeit in einen Landtag gelangen, sie kann sich aber derzeit nicht für längere Zeit behaupten. Auch Hitler hätte das damals nicht gekonnt, wenn die Menschen gewusst hätten, dass seine Lösungen der sozialen Probleme die Vorbereitung für einen brutalen Krieg waren. Dass er nicht für soziale Absicherungen sparen musste, sondern das Geld hierfür bei der Welt rauben wollte. So konnte er durch Arbeitsplätze und scheinbar soziale Maßnahmen wie Jungmädchenbund, Hitlerjugend usw. die Menschen einlullen und gleichzeitig die Kinder schon auf seine Hassparolen einschwören und auf den Krieg vorbereiten. Dies ist derzeit bei uns nicht möglich. Wir haben die Aufklärung über die damalige Zeit, wir haben die Berichte von Zeitzeugen, die dank Steven Spielberg jetzt Tausenden für immer dokumentiert sind.

Wir haben vor allen Dingen bis heute noch nicht auf die Menschen gehört, die immer wieder sagen, wir müssen diese Zeit endlich in die Geschichte einordnen und vergessen. Vergessen wäre für uns lebensgefährlich. Es wäre ein Öffnen sämtlicher Möglichkeiten für die rechte Propaganda. Nur das Erinnern macht uns vorsichtig, lässt uns aufhorchen bei rechten Einflüsterungen. Nur wenn wir auch den kommenden Generationen die Bilder zeigen, dass Grausame erklären, die Unmenschlichkeit verdeutlichen, werden wir sie vor der rechten Gefahr schützen können. Wie real diese Gefahr auch heute noch ist, merken wir seit dem Experiment " die Welle", das ein amerikanischer Collegeprofessor in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchführte. Er hatte mit einem Kurs über die Entwicklung des Dritten Reiches gesprochen und hat dann unvermittelt angefangen mit einfachen Gruppenbildenden Übungen die Kursatmosphäre zu verbessern, nach und nach ließ er in diese Übungen national sozialistisches Gedankengut einfließen.
Schon nach wenigen Tagen konnte eine komplette Aula mit fanatischen Anhängern gefüllt werden, die auf einen Führer warteten. Noch schlimmer die, die nicht mitmachen wollten, wurden plötzlich Opfer von Gewaltangriffen von den Menschen, die noch vor wenigen Tagen ihre Freunde waren. An dieser Stelle musste das Experiment abgebrochen werden, weil eine konkrete Gefahr für Leben und Gesundheit der kritischen Jugendlichen bestand.
Besteht noch heute eine rechte Gefahr? Allein dieses Experiment belegt es. Aber nicht nur dieses Experiment. Auch solange in unserem Land Friedhöfe geschändet werden, rechte Demonstranten mit Hassparolen auftreten, ausländische Mitbürger angegriffen werden, Synagogen beschmiert werden. Solange noch Asylbewerberheime angegriffen werden und Menschen die Gräueltaten von 12 Jahren 3. Reich leugnen, besteht immer die Gefahr von rechter Gewalt. Aber auch solange wie wir als demokratische, christliche Bürger in alte Sprachformen und rassistische Einbildungen verfallen, besteht die Gefahr weiter. Es gibt keine Neger sondern Afrikaner, Kenianer, Südamerikaner, Südafrikaner etc. Neger bedeutet nichts anderes als das verächtliche „Nigger“, das wir spätestens seit „Onkel Toms Hütte“ kennen und meiden sollten.
Auch unsere türkischen oder marokkanischen Mitbürger sind keine Muftis (wobei diese Begriffe gerne mit einem Naserümpfen ausgesprochen wird), sondern es sind Mitbürger türkischer oder marokkanischen Herkunft, die Muslime sind. Nur wenn wir alle Menschen gleichermaßen achten und mit allen Menschen genauso kritisch und freundschaftlich umgehen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Nur dann können wir auch Jesu Wort gehorchen: "Alles was ihr getan habt diesem einen meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan."
Dies ist so einfach zu verstehen: möchten wir Jesus als Saujud bezeichnen, möchten wir ihn foltern, zusammenschlagen, verfolgen, als Untermenschen sehen, in die Gaskammern schicken, hängen oder köpfen? Wenn wir Jesu Worte richtig verstanden haben muß zu jeder dieser Aussagen ein klares und lautes „Nein“ kommen und genauso klar muss dieses „Nein“ kommen, wenn verächtlich über Andersdenkende oder Schwächere geredet wird, wenn Gewalt gegen Ausländer droht, wenn rechtes Gedankengut aufkommt.
Vor dem Filter von nur diesem einen von Jesu Worten kann keine Naziparole bestehen. Trotzdem sollten wir eins niemals tun, vergessen was vor 60 Jahren hier bei uns zu Ende ging. Wir sollten schreien und aufstehen, damit die Menschen nicht vergessen werden, die unter den 12 Jahren davor gelitten hatten. Die Zeitzeugen werden immer weniger, deshalb ist es für uns umso wichtiger, dass sie jetzt die Informationen an die nächsten Generationen weitergeben können. Nicht als eine Information des schlechten Gewissens, sondern des Schutzes vor Wiederholungen.
Ich hatte als Jugendlicher den großen Vorteil, sowohl eine Führung auf das Gelände von Lidecé als auch durch das KZ Theresienstadt von einem ehemaligen KZ-Insassen zu erhalten, der uns mit einfachen Mitteln die körperliche und seelische Grausamkeit des KZ-Lebens deutlich machte. So sperrte er uns in eine Zelle, in der wir mit 35 Personen schon Platzangst bekamen und informierte uns darüber, dass die Gefangenen, die mit den Transporten ankamen, mit bis zu 90 Personen in diese Zelle gequetscht wurden und dort meist bis zum nächsten Tag blieben. Viele Menschen haben dies nicht überlebt. Von den Überlebenden wurden etliche dann später durch einen endlos langen Gang der düster und nur durch eine Art Schattenlicht, das durch seitliche Luken von außen einfiel etwas Licht bekam. Nach Minuten kam endlich das erlösende Tageslicht und man stand auf einem großen Hof vor einer Mauer, die volle Einschußlöcher war. Die Menschen, die den Gang verlassen haben, sahen gegenüber der Mauer dann die SS-Leute mit Gewehr im Anschlag.
Bei anderen Gelegenheit wurde unsere Klasse von einem deutschen Juden, der das Dritte Reich überlebt hatte durch die Mindener Synagoge geführt. Auf die Frage ob er diese Zeit im Dritten Reich heute noch uns vorwirft, sagte er, dass er alles, was er und sein Volk damals erlebt hat, längst verziehen hat, aber vergessen könnte er es niemals.
Auch wir dürfen niemals vergessen. Das sind wir über 6 Millionen Juden, Zigeunern und Andersdenkenden, Millionen von Kriegstoten und zwei Generationen von Deutschen schuldig, für die diese 12 Jahre die Hölle waren.
Verzeihen: ja!
Vergessen: nie!
Bekämpfen: Alle die, die diese Zeit glorifizieren und die Gräueltaten leugnen!Sorgen dafür, dass die Information erhalten bleibt. Ermutigen wir junge Menschen, sich mit dieser Zeit auseinander zu setzen. Erklären wir diese Zeit genauso anschaulich, wie sie mir erklärt wurde. Und hängen wir uns nicht mehr an der Schuldfrage auf, denn die betrifft uns nicht mehr. Wenn wir dies alles tun und gemäß Jesu Wort "Alles was ihr getan habt diesem einen meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan." leben, dann beweisen wir, dass wir wirklich gelernt haben. Dann schützen wir uns und folgende Generation vor der Wiederholung der grausamen Zeit des Dritten Reiches, denn 12 Jahre waren mehr als genug, sie waren zu viel. Amen


Dem Wahnsinn in die Speichen greifen - Bonhoeffer

Liebe Schwestern und Brüder,
vor vier Wochen, beim letzten Gottesdienst Plus, machten wir uns Gedanken gegen das Vergessen. Wie reflektierten das Dritte Reich mit Reden der Täter und Bildern der Opfer. Wir machten uns klar, dass wir diese Zeit nie vergessen dürfen, um uns vor Wiederholungen des Grauens zu schützen. Vergessen dürfen wir vor allen Dingen auch nicht all die Menschen, die trotz aller Gefahren von Leib und Leben widerstanden und aktiv gegen den Naziterror arbeiteten. Im heutigen Gottesdienst beschäftigen wir uns stellvertretend mit Dietrich Bonhoeffer als ein Beispiel von Tausenden. Vor 60 Jahren gehörte er zusammen mit seinem Bruder und seinen beiden Schwagern zu den vielen Menschen, die die Nazis noch in den letzten Wochen ihres Dritten Reiches hinrichteten.
Warum gerade Bonhoeffer? Ich meine aus zwei Gründen:
1. Weil er als junger Mensch von 27 Jahren zur Zeit der Machtergreifung Hitlers schon mehr von der Welt gesehen hatte, als viele ältere Theologen. Er hatte Kontakte zur internationalen Ökumene, hatte persönlich durch einen längeren Aufenthalt Amerika und vor allen Dingen die Faszination der lebendigen afroamerikanischen Gemeinden kennengelernt und hatte auch für ihn unverständlich die Rassendiskriminierung erlebt.
2. Lebte Bonhoeffer einen Glauben, der ihn konsequenter und aktiver werden ließ als viele andere Christen.

Der Titel unseres heutigen Gottesdienstes beginnt mit dem Satz "Dem Wahnsinn in die Speichen greifen." Dieser Satz ist der Kern einer Beispielgeschichte, die Bonhoeffer schon zur Zeit seiner Dozententätigkeit Anfang der 30er Jahre in Berlin benutzte. Er erklärte: Wenn ein Wahnsinniger mit seinem Auto die Straße herunter rast, dann genügt es nicht, die blutenden Opfer zu verbinden, vielmehr sind wir verpflichtet dem Wagen des wahnsinnigen Fahrers in die Speichen zugreifen und den Wagen zu stoppen.
Nach diesem Beispiel lebte Bonhoeffer mehr oder weniger konsequent in den 12 Jahren des Dritten Reiches. So hielt er schon zwei Tage nach der Machtergreifung Hitlers eine bemerkenswerte Rundfunkrede, in der er Führer und Verführer verglich und zu dem Ergebnis kam:
"Führer und Amt, die sich selbst vergöttern, spotten Gottes und des vor ihm einsam werdenden Einzelnen und müssen zerbrechen." Eine klare Stellungnahme gegen Hitler in einer Zeit, wo die evangelische Kirche in der Mehrheit zum Führer stand und die Kirchenleitung sich gleichschalten ließ.
Aber schon kurze Zeit später verweigerte Bonhoeffer auf Anraten eben dieser Kirchenleitung seine Predigt bei der Trauerfeier des Vaters seines Schwagers, weil dieser jüdischer Abstammung war. Auch Bonhoeffer hatte seine Schwächen, auch er kannte das Versagen in seinem Glauben, das er später bitter bereute. Ich finde es wichtig, Bonhoeffer auch aus dieser Sicht zu sehen. Es bewahrt davor, ihn zum Übermenschen zu machen und als Helden zu sehen. Es macht ihn für uns greifbarer, ja begreifbar, denn auch er kannte Schwächen, genauso wie wir, aber trotz aller Ängste und Schwächen widerstand er in letzter Konsequenz. Nicht, weil er so stark war, sondern weil all das, was er glaubte, es ihm gebot. Seine Ethik, seine Erziehung, seine Weltanschauung und nicht zuletzt sein Glaube an den lebendigen Gott ließen ihm widerstehen. Zum Dialog mit Gott fand er im Gebet und dem Lesen der Bibel, deshalb war auch einer der wichtigsten Lehrsätze, die Bonhoeffer seinen Studenten mitgab folgender: "Wenn ihr in der Bibel lest, dann müsst ihr immer denken, jetzt und hier redet Gott mit mir! "
Er wollte, dass die Studenten die Bibel auf sich hin lesen und darin Antworten für ihr Leben fanden. Einer seiner Kernsätze damals war: "Das Heil kommt von Jesus" und mit diesem Satz bezog er klar Stellung gegen das, was in Deutschland geschah, ohne auf die Geschehnisse außerhalb des Vorlesungssaales einzugehen. Als die Exzesse der Nazis immer schlimmer wurden, die Juden entrechtet wurden und der Arierparagraph eingeführt wurde, fühlten sich immer mehr Pfarrer unwohl. Einer der ersten, die neben Bonhoeffer Stellung bezogen, war Martin Niemöller. Niemöller gründete den Pfarrernotbund, dem auch Bonhoeffer und 7000 weitere Pfarrer beitraten. Allerdings 20.000 Pfarrer lehnten diesen ab.

Bonhoeffer nahm sich eine Auszeit und ging nach London um dort als Pfarrer der evangelischen Gemeinde zu arbeiten, aber als der Druck in Deutschland immer größer wurde, kehrte er zurück und ließ sich von der bekennenden Kirche, die sich 1934 gegründet hatte als gründender Direktor des Predigerseminars in Finkenwalde bei Stettin berufen. Bonhoeffer begann seine Arbeit in brüderlicher Zusammenarbeit mit seinen Studenten. Ruth Alice von Bismarck, die Schwester von Maria von Wedemeyer, Bonhoeffers späterer Verlobten, beschreibt Bonhoeffer in dieser Zeit folgendermaßen: "In den Straßen zogen die Nazis daher und sangen: "Es beginnt eine neue Zeit " und das wirklich Neue begann in einer alten Turnhalle, die in einem Kirchenraum umgebaut worden war. Dort trat ein Mann an das Pult, der war einfach von Gott gepackt." Bis 1937 im September leitete Bonhoeffer das Predigerseminars. Dann wurde es von der SS geschlossen. Bonhoeffer zog sich in sein Elternhaus nach Berlin zurück. Dort erfuhr die Familie durch den Schwager Klaus von Dohnany, der bei der Abwehr als Jurist arbeitete von den extremen Gräueltaten der Nazis und die gesamte Familie Bonhoeffer begann den aktiven Widerstand. Im Sommer 1939 reiste Bonhoeffer nach New York, seine amerikanischen Freunde hatten diese Ausreise ermöglicht. Er war also in Sicherheit. Er war sich aber nicht sicher, ob dies sein Weg war. Deshalb dachte er in New York sehr oft daran, wie sein Weg weitergehen sollte, wo er gebraucht wurde. Bis er eines Tages auf eine Losung des Propheten Jesaja stieß, die lautete: "Wer glaubt, flieht nicht!" Bonhoeffer fiel es wie Schuppen von den Augen. Er wurde in Deutschland gebraucht, um die Christen und Hitlers Opfer zu unterstützen und so nahm er das letzte Schiff, das vor dem Ausbruch des Krieges New York in Richtung Europa verließ und kehrte nach Deutschland zurück. Dort angekommen arbeitete er im aktiven Widerstand mit und wurde durch die Verbindungen seines Schwagers scheinbar von der Abwehr angestellt um quasi im europäischen Ausland für die Abwehr zu spionieren. In Wirklichkeit benutzte er diese Fahrten um über die Lage in Deutschland und speziell über den Stand des Widerstandes in Deutschland zu informieren und Unterstützung im Ausland zu organisieren.

Im April 1943 wird die Widerstandsgruppe, der auch die Familie Bonhoeffer angehörte, enttarnt. Bonhoeffer, sein Bruder und seine Schwager wurden verhaftet. Es begannen zwei Jahren der Gefangenschaft, des Folterns, der Verhöre und des intensiven Bibel Studiums. Die Familie hatte ein Informationssystem durch Bücher entwickelt, durch die sie sich verständigte. So wurden Aussagen koordiniert. Bonhoeffer selbst nutzte diese Zeit um seinen Glauben zu reflektieren und theologisch zu arbeiten. Es entstanden unzählige Briefe und unvergessene Texte, wie: "Von guten Mächten", das wir vorhin sangen und "Wer bin ich?" Einer Reflektion, die wir vorhin mit den Spiegeln selbst versuchten.
Bonhoeffer bereute nicht seinen Widerstand. Er lebte ihn konsequent zu Ende, bis er am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg gehenkt wurde, seine letzten überlieferten Worte lauten: "Dies ist das Ende, für mich ist es der Anfang des Lebens"
Der zweite Teil unseres Gottesdiensttitels von heute heißt: Bonhoeffer widerstand, dies haben wir eben reflektiert, der Satz endet aber mit der Frage: wir auch? Wir auch? werden Sie fragen, was hat das mit mir zu tun? Ich lebe doch nicht mehr im Dritten Reich. Das ist uns auch Gott sei Dank erspart geblieben, aber dennoch, auch wir stehen jeden Tag vor der Entscheidung zu widerstehen oder auch nicht.
Widerstehen, wenn Schwächere gequält, gehänselt, verachtet und sonstwie angegriffen werden.
widerstehen, wenn rassistische Aussagen gemacht werden,
widerstehen, wenn gelogen und betrogen wird,
widerstehen, gegen den Gruppenzwang, wenn ich etwas anders sehe,
widerstehen, auch wenn ich Angst vor Angriffen und Einsamkeit habe.
Widerstand ist heute ebenso ein Thema, wie im Dritten Reich.
Nur das die Risiken heute geringer sind. Trotzdem kostet es Überwindung diese auf uns zu nehmen, aber es lohnt sich, denn ich fühle mich im nachhinein wesentlich wohler, wenn ich meinem Gewissen oder Glauben gefolgt bin, als wenn ich mich dem Massendruck hingegeben habe. Und auch hier kann uns ein Text Bonhoeffers weiter helfen: "Ich glaube, dass mir Gott in jeder Notlage so viel Kraft schenkt, wie ich brauche, aber er gibt sie mir nicht im Voraus, damit ich mich nicht auf mich selbst, sondern einzig auf ihn verlasse."
Gott ist bei allen Menschen, aber besonders bei denen, die für Gerechtigkeit eintreten. Deshalb können wir mutig vorangehen, auch gegen die Gruppe, denn Gott wird uns die Kraft schenken, die wir brauchen. Ich habe in meinem Leben beides kennen gelernt. Als Teenie, war ich ängstlich und stand nicht gegen die Dinge auf, die ich für falsch hielt. Es war die Zeit, in der ich mich am meisten in den Schlaf weinte und am Schlechtesten fühlte. Ich hatte kein Selbstvertrauen. Später fing ich dank guter Vorbilder, die ich erlebte oder von denen ich hörte, oder über die ich las, an, nicht alles zu dulden, ich machte den Mund auf, sagte meine Meinung und wurde auch angegriffen, aber ich fühlte mich dabei gut, weil ich für Taten und Aussagen angegriffen wurde, die ich für richtig hielt, die meiner Meinung und der Meinung meines persönlichen Glaubens entsprachen.
Auch wenn ich manchmal mit meiner Meinung ganz allein in einer Gruppe war, fühlte ich mich trotzdem im Gegensatz zu meiner Teeniezeit viel besser, weil ich für das einstand, woran ich glaubte. Natürlich erlebt ich auch Rückfälle und verfiel in alte Schwächen, aber ich hatte erlebt wie es ist, seine eigene Meinung zu vertreten. Dass dies frei macht, auch in der Niederlage, auch wenn ich allein mit meiner Meinung dastehe. Widerstand lohnt sich auch noch heute!
Ich lernte, dass mich Schweigen und Mitmachen nicht davor schützt selber zum Spielball von Angriffen zu werden. Schlimmer noch, ich wurde zum Spielball, egal, ob ich angegriffen wurde oder andere, denn mein ganzes Leben war mehr oder weniger fremdbestimmt und machte mich immer hilfloser. Anders war es, als ich anfing meinen eigenen Weg zu suchen und zu gehen. Es war nicht leichter, auch jetzt gab es Angriffe, auch jetzt gab es Niederlagen, aber es waren Angriffe und Niederlagen, die ich selbst herausforderte und nicht Folgen des Gruppenzwanges.
Bonhoeffer widerstand, als es darauf ankam, als es um Alles ging.
Ich lernte in kleinen Dingen zu widerstehen und lernte das Leben im Widerstand zu lieben. Ich wünsche jedem von ihnen diese Abende, wo sie glücklich sind widerstanden zu haben und eine Ungerechtigkeit verhinderten oder milderten oder einfach zu Ihrer Meinung gestanden haben. Schließen möchte ich mit einem Gebet Bonhoeffers um Kraft für jeden einzelnen.



Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages:
Hilf mir beten
Und meine Gedanken sammeln zu dir;
Ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster,
aber bei dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei dir ist die Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den Weg für mich.
AmenUnd der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen


20.11.05 Und es gibt doch ein Jenseits

Liebe Schwestern und Brüder,
heute ist ein stiller Feiertag, Totensonntag. Die Idee dieses Tages ist es, dass wir innehalten, innehalten um über unsere verstorbenen Lieben, aber auch über unsere eigene Endlichkeit nachzudenken. Gerade die zweite Option haben wir im Laufe der Zeit immer mehr verdrängt. Wir gehen teilweise sogar so weit, dass wir die eigene Sterblichkeit verleugnen.
Früher gehörte der Tod zum täglichen Leben. Die meisten Menschen starben im Kreise Ihrer Lieben, wurden ausgesegnet und von der Familie beerdigt. Wir haben die Natürlichkeit des Todes steril gemacht. Nur wenige Menschen schlafen noch zu Hause in Frieden ein. Die meisten sterben in der sterilen Umgebung unseres Gesundheitssystems, viele sogar ganz allein. Die Folge davon ist, dass wir dadurch den Tod aus den Augen verloren haben und der Tod allerdings gleichermaßen ins Blickfeld zurückdrängt, weil wir alles fürchten, was mit dem Tod zusammenhängt. Viele Menschen haben bis in das vorgerückte Erwachsenenalter noch nie einen Toten gesehen, geschweige denn berührt. Mit trauernden Hinterbliebenen wissen wir nicht so recht umzugehen. Alles, was mit dem Tod zu tun hat, lässt uns erschaudern und das in einer Zeit, wo wir eine so lange Lebensspanne haben, wie nie zuvor. Noch vor 100 Jahren hätte ich bereits die durchschnittliche Lebenserwartung überschritten, die damals bei 45 Jahren lag und trotzdem zittern heute schon junger Menschen vor dem Tod.
Woran liegt das? Was hat sich verändert?
Vielleicht haben wir inzwischen unsere Mitte verloren? Die Mitte, die früher für uns Christen vor fast 2000 Jahren mit einer Frage an einem offenen Grab gesetzt wurde: "Was sucht ihr den Lebendigen unter den Toten?" Christus hat für uns den Tod überwunden, er kam noch einmal zu uns zurück, damit wir einen Hauch von Ewigkeit spüren. Damit der Tod keine Macht mehr hat. Jesus hat uns zugesagt, dass er nur voran geht. Dass wir alle nachkommen dürfen in ein Land ohne Krankheit, Angst und Leid. Wir wissen nicht, wie dies funktioniert, wie wissen nicht, wie dies sein wird, aber wir wissen, dass es schön sein wird. Wunderschön in Ewigkeit.
Deshalb ist der andere Name, den dieser Sonntag hat für mich auch viel ansprechender: " Ewigkeitssonntag ". Wir sollten uns an den Hauch von Ewigkeit erinnern, den Christus uns hier und jetzt gebracht hat. Ewigkeit, in der unsere Lieben, die uns vorausgegangen sind schon jetzt leben. Deshalb ist es auch ganz bestimmt kein psychisches Phänomen, wenn Sie plötzlich an einen bestimmten Menschen denken und das Gefühl haben, er oder sie ist jetzt bei uns, unsere Lieben sind nicht aus der Welt, wir sehen Sie nur nicht mit unsern eingeschränkten Möglichkeiten.
Einen kleinen Eindruck von dem natürlichen Umgang mit den Verstorbenen möchte ich anhand von Reiseerzählungen eines Essener Priesters zeigen. Er machte im letzten Jahr eine Radtour durch Madagaskar und stellte dort einen ganz anderen Umgang mit dem Tod und dem Sterben fest, der ihn gleichermaßen zunächst erschreckte, als auch ins Überlegen brachte.
In Madagaskar beginnt der Gedanke an das Sterben schon mit dem ersten Schrei, bei der Geburt. Jedes Baby bekommt ein großes Tuch, das es sein Leben lang begleiten wird. Es wird Schutz vor der Sonne, Tragegestell für die eigenen Babys und so weiter, es bleibt bei dem Menschen bis zu seinem letzten Atemzug und dann wird der Menschen in dieses Tuch gewickelt und es wird gleichermaßen zum Leichentuch. Dies geschieht aber nicht irgendwo, sondern zu Hause, dort, wo der Mensch gelebt hat, egal, wo der Mensch gestorben ist. Jeder wird Heim geholt.
Auch dies erlebte der Priester. Auf seiner Radtour sah er vor der sich plötzlich zwei junge Männer die auf einem Holzgestell etwas trugen. Als er näher kam und nachfragte, erfuhr er: "Dies ist unser Onkel, er starb auf einer Reise. Wir bringen ihn jetzt nach Hause, damit er in unserer Familiengruft Ruhe findet. Ein Transport quer durch das Land, doch mehr als nur ein Transport. Die beiden Neffen versorgten ihren Onkel auf der ganzen Strecke, sprachen mit ihm, erzählten, was sie sahen, bezogen ihn als Reisegefährten ein.
Ein letztes Erlebnis der Reise unseres Priesters war die Feier des Ewigkeitsonntags, die er in einer Familie verbringen durfte. Die ganze Familie hatte sich versammelt, gefeiert und gegessen und dann ging die ganze Familie in einer feierlichen Prozession zur Familiengruft, öffnete diese und holte alle Toten heraus, die dort nur in ihr Tuch gebettet lagen. Alle Toten wurden in das Haus gebracht und es wurde still. Nun trat der Familienälteste vor und erzählte den verstorbenen Lieben alles, was sich im Laufe des letzten Jahres zugetragen hatte. Nachdem er geendet hatte, wurde es wieder still und eine ganze Zeit lauschten die Hinterbliebenen, was ihnen die Verstorbenen zu sagen hatten. Danach wurden sie wieder feierlich in die Gruft zurückgebracht.
Für die meisten von uns ist dies eine schauerliche Vorstellung. Aber trotzdem haben diese Menschen all den Reichtum, der uns verloren gegangen ist. Für sie gibt es keinen Zweifel, dass ihre Lieben noch leben. Aber eben ganz anders. Es gibt keinen Zweifel, dass die Lieben aus der anderen Welt noch Wege finden zu den Hinterbliebenen zu sprechen. Und es gibt gar keinen Zweifel, dass jeder einmal die Lieben, die vorausgegangen sind, wieder sehen wird in der anderen Welt, also gibt es auch keinen Grund den Tod zu fürchten. Allein wegen unserer gesetzlichen Vorschriften könnten wir die Traditionen aus Madagaskar nicht auf unser Land übertragen. Aber wir können den Kern auch in unser Leben mit hinein nehmen. Wir können den Tod zu einem Teil unseres Lebens machen. Wir können unsere Sterbenden so gut wie es eben geht begleiten. Wir können uns selbst nach dem Tod die Ruhe und die Zeit geben, uns von den Lieben zu verabschieden. Wir brauchen davor keine Angst zu haben, es gibt keine Leichengifte, es geht keine Gefahr von diesen Menschen aus. Es ist der Mann, die Frau, der Junge, das Mädchen, die wir geliebt haben, solange sie atmeten.
Und jetzt, wo sie nicht mehr atmen, können wir Abschied nehmen, dürfen wir Abschied nehmen, solange wir wollen und es brauchen. Und können unsere Lieben streicheln, umarmen, liebkosen. Alles ist erlaubt, was uns hilft, die Zeit ohne unsere Lieben leichter zu beginnen. Wir können darauf vertrauen, was Jesus uns versprochen hat: In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn´s nicht so wäre, würde ich dann zu euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seif, wo ich bin.
Jesus Verheißung gilt. In der Ewigkeit sehen wir uns alle wieder und bis dahin lohnt es sich darauf zu achten, was unsere Lieben uns sagen wollen, wenn sie plötzlich in unsere Gedanken springen.
Wenn plötzlich ohne erkennbaren Grund eine Idee mit den Gedanken an einen Menschen erscheint oder wir unvermittelt auf eine Frage antworten, die uns mit dem Bild eines Menschen erschien. Wir können dies als Einbildung, als Wunschgedanken abtun. Ich glaube aber, dass in solchen Momenten ein Fenster in Gottes ewiger Welt geöffnet wird.
Ich wünsche uns allen viele offene Fenster und den Mut sich darauf einzulassen, damit der Tod nichts Schreckliches mehr ist, sondern nur die Geburt zu einem neuen, erweiterten Leben.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne, in Jesus Christus. Amen


15.01.06 Gute Vorsätze und ihre Folgen

Liebe Schwestern und Brüder,

Alle Jahre wieder… und doch derselbe Trott
Gute Vorsätze und ihre Folgen

So heißt das Thema des heutigen Gottesdienst Plus! Mit diesem Thema beginnen wir das neue Jahr. Ich habe es mir nicht ausgesucht, es war die Idee meines Mannes, ein bischen eine Notfallidee, die zum Termin passen soll und weil uns gerade kein anderes Thema ins Auge stach. Genauso, wie ich wenig Lust habe den Jahresend- oder Jahresanfangsgottesdienst zu halten, weil ich dem Thema gern aus dem Weg gehe, genauso hätte ich auch gern heute gekniffen. Aber, bei uns gilt die Regel: Wer mehr Zeit hat von uns beiden bekommt den Gottesdienst. Also stehe ich jetzt hier und darf dieses Thema, das nicht mein Thema ist ein wenig ausbreiten.

Gute Vorsätze, warum machen wir so etwas? Was soll das Ganze? Und was hat das mit der ausgelassenen oder schwermütigen Stimmung am Jahresende zu tun?

Ist der Jahreswechsel nicht einfach nur ein beliebiger Termin, ein Termin, den wir Menschen einfach so gelegt haben und den wir jetzt einfach so feiern. Mit Party, mit sekt- und weinseliger Stimmung, mit Tanz, mit Feuerwerk, mit geselligem Zusammensein? Einfach ein beliebiger Tag, an dem wir alle entschieden haben ihn als etwas Besonderes anzusehen. Die einen feiern einfach, die anderen ziehen Bilanz und die dritten machen sich einen Plan für das neue Jahr. Einen Plan oder eben gute Vorsätze.

Gute Vorsätze: Jeder kennt sie. Und jeder weiss, wie er damit umgehen kann und wie er sie umgehen kann. Und je länger ich auf der Welt bin, umso mehr erkenne ich: Und weil der Übergang zum neuen Jahr ist nichts weiter als ein Blick auf die Uhr, nichts weiter als der Übergang zur neuen Woche oder zum neuen Tag, verfehlen die guten Vorsätze ihr Ziel. Meistens jedenfalls - ob sie nun für den Tag, für die Woche oder für das Jahr gelten. Und wer es doch schafft, wird erkennen: Es liegt nicht am Termin - sondern an der eigenen Überzeugung.

Darum: über gute Vorsätze wollte ich nicht reden heute. Weil sie, kaum ausgesprochen, auch schon die Ausreden mit sich bringen. Wie viele geflügelte Worte gibt es - nur weil es die guten Vorsätze gibt: "Es hat doch nicht geklappt. Aber nächstes Jahr!" - "Ich fang erst mal ganz klein an." - "Ich habe doch wieder gesündigt." - und dann, ganz biblisch: "Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach."

Nein. über gute Vorsätze wollte ich nicht reden heute. Weil sie Lügen sind. Weil sie keiner mehr ernst nimmt. Weil sie ohne Wirkung bleiben. Folgenlos. Oder mit der einzigen Folge, dass wir uns durch sie oder durch ihr Verfehlen klein fühlen: Ich habe mir dies oder jenes fest vorgenommen, ich habe es wieder nicht geschafft, ich bin ein Versager.

Oder andersherum, ich habe es geschafft und mein bester Freund nicht: Bin ich nicht toll? So konsequent, so geradlinig und er oder sie – ein Versager, schafft nicht einmal die eigenen Ziele zu erreichen!

In unserem Glauben gibt es das auch, die selbstgemachten Gesetze und gute Vorsätze. Es ist eine Art Kinderkrankheit des Glaubens, dass man für sich selbst und andere Regeln aufstellt – ein Christ tut dies und ein Christ darf jenes nicht – und dabei denkt: wenn ich nur nach diesen Regeln lebe, dann werde ich die Heiligung schon erreichen. Das funktioniert nicht! Entweder erleben wir das gleiche wie bei den guten Vorsätzen zu Sylvester: sie halten einfach nicht vor – oder sie führen zu einem moralinsauren, freudlosen Pharisäertum, das es sich einfach nicht verkneifen kann, mit dem Zeigefinger auf jene zu deuten, die nicht nach den angesagten Regeln leben können. Das Ergebnis ist unweigerlich Scheinheiligkeit.



Wir versuchen ganz einfach für die Welt und den Glauben Regeln zu bauen. Die Regeln müssen wir nur befolgen und schon….. funktioniert alles.
Und dann, entweder befolgen wir die Regeln nicht, weil wir es nicht schaffen und fühlen uns elend und als Versager
Oder wir befolgen die Regeln, folgen den guten Vorsätzen und wir merken, auch wenn sich jetzt eine Kleinigkeit ändert, das Ganze ändert sich nicht. Wir hören vielleicht auf zu rauchen, nehmen ein wenig ab oder bringen ein wenig Ordnung in unseren Alltag. Wir fasten vielleicht konsequent 7 Wochen vor Ostern oder gehen jeden Sonntag zur Kirche, aber…..

Aber, es ändert eigentlich nichts. Wir bleiben dieselben Menschen wie vorher, die Welt bleibt dieselbe, unser Alltag bleibt derselbe.
Ob wir jetzt den guten Vorsätzen oder den aufgestellten christlichen Regeln folgen, das Ziel dahinter, die Veränderung des gesamten Lebens, das klappt nicht.
Warum?
Weil Gott sich nicht auf den Arm nehmen lässt, weil man ihn nicht kaufen kann, wie manchmal die guten Feen im Märchen. Weil es nicht funktioniert, es hat schon als Kind nicht funktioniert:
Wenn ich nicht auf die Kanten der Pflastersteine trete, dann…
Wenn ich jetzt 5 Kilo abnehme, dann…
Wenn ich jeden Sonntag zur Kirche gehe, dann…..
Aber wir merken keinen Unterschied, weil es keinen Unterschied gibt.
Wenn ich 5 Kilo abnehme und tue es für mich, weil es mir wichtiger ist, schlanker und beweglicher zu sein, als zu essen, worauf ich Spaß habe.
Wenn ich zum Gottesdienst gehe, weil ich mich im Gottesdienst wohl fühle, weil ich die Atmosphäre mag oder mich Gott näher fühle und nicht, weil ich denke, Gott erwartet es und ich muss meine Schuld abtragen.
Dann, ja dann, dann ist die Situation eine ganz andere. Dann fasse ich keine guten Vorsätze, weil der Termin dazu ist oder stelle Regeln auf, weil ich denke, dass Gott es von mir erwartet. Nein, dann gehe ich meinen Weg, weil ich ihn als meinen Weg sehe. Mit Gott, auf ihn zu, zu meiner und seiner Freude, weil ich mich nicht verbiege, weil ich nicht den Weg von anderen Menschen suche, sondern meinen Weg, ohne Vorsätze, sondern als eigene Entscheidung an jedem Tag und zu jeder Stunde.
Zu Gottes Freude? Ja, denn Gott liebt uns, er liebt jedes seiner Kinder und hat jeden von uns gemacht. Jeden anders und einzigartig und jeden gewollt. Und weil er jeden so einzigartig gemacht hat, freut er sich auch, wenn jeder von uns seinen einzigartigen Weg sucht und findet. Nicht auf der Basis von guten Vorsätzen oder selbst auferlegten Regeln, sondern aus Lust an den eigenen Zielen und dem Weg dahin, aus Freude an meinem Leben und an meinen Mitmenschen und aus Liebe und Treue zu Gott, der uns liebt und uns treu ist.
Und der Friede Gottes, der höher ist, als all unsere Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus
Amen


19.03.06 Viele Glieder - ein Leib

Liebe Schwester und Brüder,
viele Glieder - ja, bis hierhin können wir unseren heutigen Thema folgen. Egal, ob in der Welt, in unserem Land, in unserer Stadt, in unserer Gemeinde, unserem Freundeskreis, unserer Familie. Überall gibt es viele Glieder. Jeder einzelne hat seine Gedanken, seine Ideen. Wir wollen unsere Ideen durchsetzen. Jedenfalls mehr oder weniger, wir sind mal wieder Einzelgänger und das ist nicht eine Erfindung unserer Zeit. Seit Menschengedenken gab es Machtgelüste, Neid und Selbstsucht. Es gab immer die Armen gegen die Reichen, die Starken gegen die Schwachen, die Mächtigen gegen die Machtlosen. Immer war das, was ich gerade habe und mache das Gute, das Richtige. Der andere ist auf dem Holzweg.

Wir haben den rechten Glauben. Wir haben die richtige Hautfarbe. Wir sind die besten Menschen
wir, wir, wir...
ich, ich, ich...

Die anderen, die merken gar nicht, wie sehr sie auf dem Holzweg sind.

So war es in der Geschichte und ist es auch noch heute. Auch heute kämpfen wir für unsere Interessen. Der kleine Mann genauso wie die Herrschenden. Der Kleine kämpft um seinen Arbeitsplatz, seine soziale Stellung, sein Auskommen. Die herrschenden, "unsere" Politiker tun an sich genau das gleiche, fast alle Parteien erhöhen sich einstimmig ihre Gehälter, jede Regierung, egal welcher Partei vermeidet es Reformen einzuleiten, die schmerzhafte Nebenwirkungen haben, denn es könnte ja die nächste Wahl, also meine Stellung, meine Position kosten. Im Kleinen, wie im Großen leben wir in einer Ellenbogengesellschaft, wie im tiefsten Mittelalter.
Aber halt, genug schwarz gemalt. Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Immer wieder hat es Menschen gegeben, die, wie es vorhin im Lied hieß, beschlossen aufzustehen, aufeinander zuzugehen, voneinander zu lernen, das Ich etwas hinten anzustellen auf den anderen zu hören. Diese Menschen, die das taten, entdeckten, dass vieles gemeinsam besser wird. Dass jeder profitiert, wenn wir teilen, gemeinsam anpacken, mit anderen zusammenhalten. Im Kleinen sahen wir das Vorhin auch in unserem Anspiel, einer konnte sich noch so sehr abmühen ohne sein Problem zu lösen, aber gemeinsam hatten wir mehr Kraft, mehr Ideen, mehr Möglichkeiten. So wurde ein unlösbares Problem für einen in der Gemeinschaft gelöst. Aber es gibt auch andere Beispiele. Der erste Schritt ist dabei immer, dass ich das Ich zurückstelle.

Denken wir doch einmal an einige große Beispiele der Geschichte, in denen Menschen zurücksteckten, aber gerade dadurch vorankamen und der Welt einen positiven Impuls gaben. Mahatma Gandhi lebte den passiven Widerstand und gab den Impuls zur Befreiung seines Landes. Martin Luther King hatte einen Traum des Friedens und leitete die Gleichberechtigung der farbigen US-Bürger ein. Willy Brandt fiel auf die Knie und es begann die Ost-West-Entspannung. Gorbatschow riskierte seine Position, sein Leben, alles was er war und hatte und gab vielen Ländern ihre Eigenständigkeit zurück. Es gibt diesen Sprung von dem Ich zum Du, auch im Kleinen häufig nicht weniger gefährlich. Obwohl es den Tod bedeutete, wenn man entdeckt wurde, halfen Tausende von Deutschen den Verfolgten der Nazis. Obwohl es Gefahr mit sich bringt, retten auch heute noch Menschen selbstlos andere.
Auch heute noch helfen Menschen Menschen und diese Menschen merken etwas. Nämlich dass ich mich viel besser fühle, dass ich fröhlicher und ausgeglichener bin, wenn ich anderen helfen. Dieses beginnende soziale Denken, dass ist der Schritt zu dem einen Leib, ein Leib - gemeinsam etwas anpacken, Ideen entwickeln miteinander. Dabei einander zuhören und voneinander lernen, geben und nehmen, so ist es in einem Leib. Da wo gerade Leistung gebracht werden muss, da wird das Blut hingepumpt, dort wird die Energie genutzt. Genauso ist es auch in einem sozialen Gefüge. Auch da sollen die Energien zum Nutzen aller dorthin gebracht werden, wo sie vielen nutzen. Genau dann geht es nämlich gemeinsam besser. Egal, ob in der Welt, in einem Land, in einer Stadt, einem Verein, einer Gemeinde...
Wenn die Mitglieder einer Gemeinschaft aufhören, das Ich in den Mittelpunkt zu stellen, sondern dafür Wir zu sagen, dann ist der erste Schritt für ein besseres Vorankommen getan. Wenn ich nicht erst überlege, wie bekomme ich meine Interessen durch, sondern vielmehr denke, wie ich mit anderen gemeinsam das Ziel erreiche, dann beginnt die Arbeit Spaß zu machen, besser zu werden, hilfreicher für alle zu sein. Eine kleine Geschichte verdeutlicht den Unterschied zwischen Egoismus und gemeinschaftlichem Handeln

Die Blume in der Wüste
Es war einmal eine kleine Blume, die stand mitten in der Wüste. Täglich wartete die kleine Blume auf einen Regentropfen. Immer hatte man ihr erzählt, wie wichtig und schön der Regen sei. Doch wenn es wirklich nach Regen roch, kamen die Geier und fingen alle Hoffnung ab. Mit Mühe hielt sich die kleine Blume im lockeren Boden und hatte einfach Angst. Angst vor der sengenden Hitze, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor dem nächsten Sturm. Ein Kolibri sah ihre Traurigkeit und sagte dies den anderen Tieren weiter. Der Stier hatte kein Interesse. Für ihn galt nur, was stark ist. Auch der Bernhardiner blieb kalt, ihn rührte nichts. Sein Hobby war die Langeweile. Und die Elster, die immer so große Töne schwang, sagte, sie habe zu viele Termine und wirklich keine Zeit.
Da war der Kolibri verzweifelt; denn was sollte er, ausgerechnet der kleinste unter den Vögeln, tun? Da schwirrte er kurz entschlossen zu den Ameisen und berichtete ihnen von den großen Traurigkeiten der Blume. Ohne zu zögern, bildeten die kleinen Tiere eine lange Kette, schleppten Grassamen und Früchte bis an die Wurzel des Kummers, benetzten alles ein wenig mit Tau, und es dauerte nicht lange: da wuchs Leben mitten in der Wüste, und die kleine Blume entwickelte sich zu einem strahlenden Glanz, den ihr niemand zugetraut hatte. Und alles war nur möglich, weil der Kolibri die Ameisen benachrichtigt hatte.
Gemeinsam geht alles besser, stecken wir das Ich etwas zurück und interessieren uns für das Du. Vielleicht wird dann auch unser Umfeld zu einem blühenden Garten.
Lassen wir uns überraschen, wie sehr wir gemeinsam die Welt verändern werden.
Amen